Burgdorf

Spital Emmental: Die Millionen sind verbaut

BurgdorfDie Erneuerung des Spitals Emmental ist abgeschlossen. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit ist das Bettenhaus bezugsbereit. Am Wochenende kann die Bevölkerung den 111 Millionen Franken teuren Ausbau besichtigen.

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Der Neubau des Spitals Emmental in Burgdorf ist 73 Meter lang, 32 Meter breit und 18,9 Meter hoch. Die Geschossfläche beträgt 13'900 Quadratmeter, was der Fläche von zwei Fussballfeldern entspricht. Etwas mehr als zwei Jahre nach der Grundsteinlegung wird die 111 Millionen Franken teure Erneuerung des Krankenhauses in diesen Tagen abgeschlossen.

Bei der Finanzierung des Baus wurde ein neuer Weg beschritten: Das Spital Emmental ist die erste öffentlich-rechtliche Klinik im Kanton Bern, welche die Investitionen auf privater Basis finanzierte. Unter der Federführung der Credit Suisse wurde eine Anleihe in Höhe von 75 Millionen Franken zu einem Zinssatz von 1,625 Prozent am Kapitalmarkt aufgenommen.

Erhöhte Kapazität

Der Neubau beherbergt neben mehreren Ambulatorien unter anderem vier Pflegeabteilungen mit insgesamt 132 Betten, die hausärztliche Notfallpraxis mit zwei Untersuchungs- und Behandlungsräumen, den Notfall mit Schock- und Gipsraum sowie die Arbeitsräume des Rettungsdienstes mit Einstellplätzen für vier Ambulanzfahrzeuge. Vier neue Operationssäle ergänzen zwei bisherige im Altbau, die bis Frühjahr 2019 ebenfalls rundum erneuert werden.

Im alten Bettenhaus entstehen zudem bis 2019 36 Psychiatriepflegeplätze. Dank dem Neubau kann die Spitalbettenkapazität im Emmental zwar von 1,4 auf 1,8 Betten pro 1000 Einwohner erhöht werden, liegt damit aber weiterhin deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt von 2,5 Betten. Bereits 2015 fertiggestellt wurde das Parkhaus.

Zwei Tage der offenen Tür

Der Neubau zeichne sich nicht nur durch eine hohe Funktionalität aus, wie der Leiter der Notfallstation Felix Nohl gestern bei einem Rundgang betonte, sondern ebenso durch helle Räume mit Tageslicht. Zudem verfügen sämtliche Ein- und Zweibettzimmer über eigene Nasszellen.

Morgen Samstag und am Sonntag kann die Bevölkerung den Neubau des Spitals jeweils von 10 bis 16 Uhr besichtigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.01.2018, 09:26 Uhr

«Die getätigten Investitionen geben uns Sicherheit»

Das Spital Emmental habe in grossem Stil investieren müssen, um nicht in eine medizinische Unterversorgung zu geraten, sagte Verwaltungsratspräsidentin Eva Jaisli.

111 Millionen Franken hat das Spital Emmental für seine Erneuerung investiert. War das Krankenhaus in einem so schlechten Zustand?

Eva Jaisli: Es war tatsächlich so, dass in die beiden Spitalstand­orte Langnau und Burgdorf seit 1982 keine grösseren Investitionen getätigt wurden. Die Fachleute am Spital mussten provisorische Lösungen entwickeln, damit sie dem Versorgungsauftrag gerecht werden konnten.

Trotzdem: Mehr als 100 Millionen Franken sind eine stolze Summe für ein Landspital.

Das stimmt. Allerdings deckt das Spital Emmental ein Versorgungsgebiet ab, das geografisch so gross ist wie der Kanton Zug. Wir müssen die medizinische Versorgung von 130 000 Personen abdecken. Deshalb braucht es Einrichtungen, um ambulant und stationär den Bedürfnissen unserer Patientinnen und Patienten gerecht zu werden. Entsprechend hoch sind die Investitionen. Investiert haben wir zum einen in die Gebäudehülle, also in den Bau des Bettenhauses sowie in jenen des Parkhauses. Zum anderen mussten medizinische und technische Geräte sowie Einrichtungen angeschafft werden. Zudem wurden die Haustechnik und weitere Infrastrukturanlagen modernisiert.

Welchen Nutzen hat die Emmentaler Bevölkerung vom Neubau und von der Gesamt­erneuerung?

Die Patienten haben eine garantierte Wohnortsnähe und können eine qualitativ hochstehende medizinische Versorgung beanspruchen. Dies sowohl für den akutsomatischen und psychiatrischen Bereich als auch und im Speziellen bezüglich Notfallversorgung. Dies ist für Patienten, zuweisende Hausärzte und nachsorgende Institutionen enorm entscheidend. Das Spital hat auch eine Ankerfunktion für die Netzwerkpartner, denn zusammen stellen wir die Versorgung für das Emmental sicher. Die getätigten Investitionen geben uns die Sicherheit, qualitativ und quantitativ den Anforderungen entsprechen zu können.

Ist dieser teure Spitalbau mit hohen Investitionen in kom­plexe medizinische Infrastrukturen auch eine Antwort auf die reale oder zumindest drohende Abwanderung von Patientinnen und Patienten zu anderen, primär Zentrumsspitäler?

Ja. Als der Verwaltungsrat 2008 vom Regierungsrat eingesetzt wurde, liefen wir Gefahr, im ländlichen Raum des Emmentals in eine medizinische Unter­versorgung zu geraten. Ent­sprechend wählten wir eine ­Vorwärtsstrategie, die darauf ausgerichtet ist, dass man den Bedürfnissen der Bevölkerung sehr klar auf die Spur kommt. Mit entsprechenden Angeboten konnten wir erreichen, dass Kranke in hohem Masse ins Spital Emmental kommen und weniger in die Zentrumskliniken abwandern.

Interview: Urs Egli

Eva Jaisli führt den Verwaltungsrat.

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