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Sorgenkind Mühliacher

Seit 2009 versucht die Gemeinde Rüegsau, das Bauland Mühliacher zu verkaufen. Nur ein einziger Investor zeigt noch Interesse. Derweil denkt die Gemeinde trotzdem immer noch laut über eine Rückzonung nach.

Ein schöner Flecken Erde, den niemand kaufen will. Die Hang­lage und die schwierige Erschliessung haben so manchen Deal platzen ­lassen.
Ein schöner Flecken Erde, den niemand kaufen will. Die Hang­lage und die schwierige Erschliessung haben so manchen Deal platzen ­lassen.
Thomas Peter

Das Gebiet Mühliacher liegt leicht oberhalb des Rüegsauer Dorfzentrums. Von hier aus reicht der Blick in die Ferne, weit über die sanften Hügel des Emmentals. Ein schöner Fleck Erde, eigentlich. Nur will ihn niemand.Seit fast zehn Jahren versucht die Gemeinde nämlich, das rund 11 000 Quadratmeter umfassende Bauland in Eigenregie zu verkaufen. Der Preis: rund 1,2 Millionen Franken. Angesichts der 17 Millionen Franken, die die Gemeinde bald in ihre Schulhausanlagen investieren muss, wäre diese Million aus dem Mühliacher-Verkauf ein willkommener Zustupf in die Gemeindekasse.

Aber eben: Irgendwie will das nicht so recht klappen. Das zumindest schreibt Gemeindepräsident Fritz Rüfenacht (SVP) im Editorial der «Rüegsauer Nachrichten»: Die Bebauung erweise sich als Herausforderung, heisst es da. Wie schon vor rund drei Jahren überlegen sich die Gemeindevertreter, das 2009 in Bauland umgewandelte Gebiet wieder in die Landwirtschaftszone zurückzuführen.

Untergrund besteht aus Nagelfluh

Wieder zurück auf Feld eins also. Was läuft da schief? Es habe Interessenten gegeben, sagt Fritz Rüfenacht auf Anfrage. Aber gepasst habe es nie. Er erklärt auch gleich, wo die Schwierigkeiten liegen. Bei der Topografie etwa: Das Gebiet liegt am Hang. Der Untergrund besteht aus Nagelfluh. Dann sind da Stromleitungen, die über das Land führen.

Dazu kommt, dass das Gebiet nicht gerade nahe am öffentlichen Verkehr liegt. Und der wichtigste Punkt: die Zufahrt. Gerade jene Parzellen, die am Hang lägen, seien aufwendig und teuer in der Erschliessung. Das rechne sich kaum, erklärt Rüfenacht weiter. Bei einem geschätzten Marktwert von 250 Franken pro Quadratmeter würden sich Erschliessungskosten von 185 Franken pro Quadratmeter ergeben. Dass diesen Deal niemand ein­gehen will, überrascht daher nicht.

Stillschweigen vereinbart

Und doch gibt es Hoffnung. Der Gemeindepräsident lässt nämlich durchblicken, dass es seit ein paar Jahren immerhin einen Investor gebe, der noch nicht abgesprungen sei. Die Gemeinde habe letztes Jahr einen Projektentwicklungsvertrag unterschrieben. Involviert sei ein Berner Planungsbüro, das daran sei, ein Projekt auszuarbeiten. Wieso dann im Editorial trotzdem laut über eine Rückzonung nachgedacht wird, erklärt Rüfenacht so: «Bisher wurde uns kein brauchbares Projekt präsentiert.»

«Bisher wurde uns kein brauch­bares Projekt ­präsentiert.»

Fritz Rüfenacht Gemeindepräsident

Was der Investor oder das zuständige Planungsbüro dazu meinen, ist nicht zu erfahren. Sie wollen laut Gemeindepräsident Rüfenacht nicht genannt werden. «Wir haben mit den Parteien Stillschweigen ausgehandelt», sagt er. «Wir dürfen nichts sagen.» Nur so viel: Geld sei noch keines geflossen.

Mehrere Varianten möglich

So schwebt auch 2017 ein grosses Fragezeichen über dem Mühli­acher. Klar ist nur, dass sich die Gemeinde spätestens im Rahmen der Ortsplanungsrevision entscheiden muss, was sie mit dem Gebiet tun will. Laut Rüfenacht gibt es mehrere Möglichkeiten: Die erwähnte Rückführung ist eine davon. Oder die Realisierung von zwei, drei Häusern am unteren Rand des Gebiets, wo bereits eine Parzelle überbaut worden ist. Dort wäre zumindest auch die Erschliessung bereits geregelt. Ebenso könnte der Gemeinderat den Antrag stellen, eine Ersatzfläche einzuzonen. In jedem Fall wird die Bevölkerung das letzte Wort haben. Und unter Umständen wird auch der anonyme Investor noch ein Wörtchen mit­reden wollen.

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