So soll die Versorgung fitter werden

Der Verein Healthy Emmental will Dienstleister und Patienten besser vernetzen. Um mehr als bloss gewappnet zu sein für künftige Entwicklungen.

Mehrwert für Patienten, nicht für die Industrie: Healthy Emmental will vorspuren.

Mehrwert für Patienten, nicht für die Industrie: Healthy Emmental will vorspuren. Bild: Keystone

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Das Gesundheitswesen krankt. Die Symptome sind deutlich: Die Kosten steigen, wohingegen insbesondere auf dem Land die Hausärzte weniger werden. Angesichts von Dichte und Distanzen werde es künftig nicht einfacher, den ländlichen oberen Teil des Emmentals zu versorgen.

«Für eine Gesundheits­region bietet das Emmental eine wunderbare Ausgangslage», sagt Yves O. Aeschbacher. Was er meint: Kaum eine Region wäre besser geeignet, um neue Versorgungsmodelle und technische Innovationen in die Praxis zu überführen. 530 Akteure aus dem Bereich der Gesundheitswirtschaft ortet er hier.

Aeschbacher präsidiert den Verein Healthy Emmental, der in der Gesundheitsversorgung neue Wege einschlagen will. Gegründet vor gut einem halben Jahr, tritt der Verein nun an die Öffentlichkeit. Im Vorstand figurieren ausserdem Burgdorfs Stapi Stefan Berger, Werber Dave Mürner und Patrick Roth, Geschäftsführer des Vereins B. for Health Gesundheitswirtschaft Burgdorf.

Den Austausch fördern

Die bestehenden Angebote und Leistungserbringer sowie Patientinnen und Patienten in der Region zu vernetzen: Darin sieht der Verein seine Herangehensweise, so steht es in seiner ersten Medienmitteilung.

Als «Plattform und Partner» sei er geschaffen worden, um «die regionale medizinische Versorgung für die Zukunft fitzumachen und dabei den Austausch zwischen Bevölkerung und Dienstleistern zu ­fördern». Allzu konkret fällt der Beschrieb der Initianten nicht aus.

Zwei Projekte angestossen

Zwei Projekte laufen bereits, wie Aeschbacher bestätigt. Da wäre die angedachte Plattform für Gesundheitsangebote aus dem ganzen Emmental: Gemeinsam mit Spitex-Organisationen und weiteren Partnern baut der Verein an einer Übersicht.

Auf der anderen Seite propagiert der Verein den E-Mediplan. Dabei handelt es sich um eine individuelle Übersicht über die aktuelle Medikation eines Patienten, die nicht nur den Namen eines Medikaments, sondern auch eine Abbildung der jeweiligen Tabletten enthält.

Dabei behalten die Patienten selbst und wahlweise ihre Behandler und Angehörigen den Überblick. Das Dokument enthält einen Barcode, der wiederum alle Infos enthält, die mit einem Scanner ausgelesen werden können – ­ohne zentrale Zwischenspeicherung werden die Patientendaten so in andere Systeme übernommen.

Es geht hin zur Digitalisierung

Bisher gibt es den E-Mediplan bereits in Papierform; er kann künftig aber genauso Teil eines elek­tronischen Patientendossiers sein. «Wir wollen Unterstützung bieten», stellt Aeschbacher fest. Der E-Mediplan sei jedoch nicht zwingend ein Bestandteil eines elektronischen Patientendossiers. «Und E-Health geht weiter als nur bis zum elektronischen Patientendossier.»

Mitte nächsten Jahres sollen die ersten Anbieter von digitalen Dossiers zertifiziert sein. Ein digitales Patientendossier ist ein Zusammenschluss von autonomen Projekten, sogenannten ­Gemeinschaften – oder Stammgemeinschaften, wenn die Patientinnen und Patienten ihr ­persönliches Dossier eröffnen.

Darauf, eine Stammgemeinschaft zu werden, lege es der Verein Healthy Emmental allerdings nicht an, sagt Aeschbacher. Das sei seiner persönlichen Meinung nach der Kosten wegen nicht sinnvoll. Auch die Schnittstelle zur Gesundheitswirtschaft ist nicht von der Hand zu weisen. Aeschbacher: «Wir wollen vor allem einen Mehrwert für die Leute, dazu brauchen wir aber auch die Industrie.»

Positionierung als Vorreiterin

Eine «starke Bewegung», die durch das Engagement von Ärzten, Spitex, Spitälern, Therapeuten, Apotheken und anderen entsteht, stellen sich die Vernetzer vor. Eine Bewegung, die der Region Emmental auch die Möglichkeit verschafft, «sich als Vorreiterin in der modernen Gesundheitsversorgung zu etablieren, kantonal und gesamt­schweizerisch».

Derzeit gehe es darum, herauszufinden, welche Akteure interessiert seien und mitarbeiten wollten, so der Vereinspräsident. Beim Spital Emmental verfangen die Vorstellungen des neuen ­Vereins, wie der Kommunikationsverantwortliche Markus Hächler bestätigt. «Wir begrüssen das.»

Anderswo hat man vom Engagement von Healthy Emmental noch nie gehört. Etwa beim Ärztlichen Bezirksverein Emmental, wie dessen Präsident Jean-Marc Sulliger sagt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.04.2017, 22:28 Uhr

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