Sie turnen hinter den Kulissen

Oberburg/Burgdorf

Anfang September werden sich auf der Schützenmatte 3000 Turnerinnen und Turner messen. Ein solcher Gross­anlass will geplant sein: von den Übernachtungsmöglichkeiten bis zur Festwirtschaft.

Franco Digiro­lamo (rechts) zusammen mit anderen OK-Mitgliedern an einer Planungssitzung.<p class='credit'>(Bild: Thomas Peter)</p>

Franco Digiro­lamo (rechts) zusammen mit anderen OK-Mitgliedern an einer Planungssitzung.

(Bild: Thomas Peter)

An Ringen schwingen sie sich durch die Lüfte, bauen Pyramiden aus Menschen und machen Verrenkungen, die den Normalsportlichen nur schon beim Zuschauen Schmerzen bereiten. 3000 Turnerinnen und Turner werden im kommenden Herbst in Burgdorf um den Titel in ihrer Disziplin kämpfen.

Und zwar um einen mit nationaler Bedeutung, jenen des Schweizer Meisters im Vereinsturnen. Auf der Schützenmatte werden nebst den Turnern auch gegen 2000 Besucher erwartet. Ein Grossanlass, den es minutiös vorzubereiten gilt, bis es dann am 8. und 9. September losgeht.

Mittendrin ist die Familie Digirolamo. Alle sind sie nämlich Mitglieder des Oberburger Turnvereins, der die Schweizer Meisterschaften organisiert. Tochter Riana kämpft als Turnerin um den Titel, Sohn Dario und Mutter Madeleine engagieren sich als freiwillige Helfer, und ­Vater Franco ist im Organisationskomitee (OK).

Flexibilität zeigen

Dieses ist in den nächsten Monaten besonders gefragt. An einem Februarabend trifft es sich im Hotel Berchtold in Burgdorf. Bevor die acht OK-Mitglieder mit der Sitzung beginnen, gilt es noch die Tische zu richten. Hin und her werden sie geschoben, bis alle zufrieden sind. «Das musst du nicht schreiben», sagt einer zur Journalistin. «Doch, doch, das zeigt unsere Flexibilität», erwidert Franco Digirolamo und lacht.

Alles andere als planlos läuft dann die Besprechung ab. Stellen wir Bancomaten auf? Braucht es Funkgeräte? Wo findet die Rangverkündigung bei Regen statt? Zack, zack hakt Präsident Bruno Schmidiger Pendenz für Pendenz ab. Man merkt, hier ist ein eingespieltes Team am Werk.

Eines, das schon verschiedene Feste organisiert hat. So holten sie das Verbandsturnfest 2012 nach Oberburg: 3200 Turner, 500 Helfer – auch dies ein Grossanlass. «Danach haben wir uns überlegt, wie wir einen draufsetzen können», sagt Franco Digirolamo. Bald war klar, toppen kann man das nur mit den Schweizer Meisterschaften.

Zwar nicht von der Anzahl Leute her, aber punkto nationaler Ausstrahlung. Nur sollte diesmal nicht Oberburg, sondern Burgdorf Schauplatz sein. Denn in der kleinen Gemeinde hat es zu wenig Platz, zu wenig Turnhallen, zu wenig Unterkünfte.

«Beim Turnfest ­haben die Leute in Zelten übernachtet, das ist bei den Schweizer Meisterschaften nicht erlaubt.»Franco Digirolamo

Zudem gilt es diesmal strengere Vorgaben zu berücksichtigen: Die Regeln macht der Schweizerische Turnverband (STV). «Beim Turnfest haben die Leute in Zelten übernachtet, das ist bei den Schweizer Meisterschaften nicht erlaubt», sagt Franco Digirolamo. Er ist im Organisationskomitee für die Infrastruktur zuständig.

Kaum Zeit zum Essen

So werden 1600 Schlafplätze benötigt. In Turnhallen und Zivilschutzanlagen werden nun Massenlager aufgeschlagen. Erst gilt es aber, die Schlafstätten gewissen Standards anzupassen (siehe Kasten). Auch sonst sieht Digirolamo Unterschiede. Etwa bei der Trinkfestigkeit: Bei einem Turnfest würde jeweils bis tief in die Nacht gefeiert.

«Bei diesem Anlass hingegen handelt es sich um Spitzenbreitensport.» Die Sportler würden vor den Wettkämpfen mehr auf Erholung und weniger aufs Feiern setzen, hebt er hervor. So ist zwar eine Bar vorgesehen, aber auf ein Unterhaltungsprogramm wie an einem Turnfest wird verzichtet.

Damit alles abläuft, wie es soll, erhält das Oberburger Komitee Unterstützung von höchster Stelle. Martin Hebeisen vom STV ist an den OK-Sitzungen dabei. Marbach, Widnau, Schaffhausen: Er bringt Erfahrung aus den Meisterschaften der vergangenen Jahre ein. Etwa, dass die Wettkampfrichter kaum Zeit hätten, sich Essen zu holen. Oder dass man nach 16 Uhr keine Eintrittskasse mehr brauche.

Kleine Tipps, grosse Wirkung

Was nach kleinen Hinweisen klingt, kann grosse Wirkung haben. Denn ob die Schweizer Meisterschaften gelingen oder nicht, liegt an den Details. Von diesen gibt es noch einige zu klären. In den nächsten Monaten werde er jede Woche an Sitzungen sein, so Franco Digirolamo. Woher kommt die Motivation?

«Ich will das Vereinsturnen bekannter machen», sagt er. Schliesslich war er früher selbst Aktivturner. Viermal holte er mit seinem Team den Schweizer-Meister-Titel in der Kleinfeldgymnastik nach Oberburg. Ob Tochter Riana im September ebenfalls als Gewinnerin vom Platz geht, wird sich zeigen.

Berner Zeitung

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