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Sie lernten sich im Chat kennen

Wegen der mutmasslichen Vergewaltigung einer 14-Jährigen steht derzeit ein 24-jähriger Mann aus Langenthal vor Gericht.

Eine damals 14-Jährige lernte 2014 auf einer Datingplattform einen 21-Jährigen kennen. Ob es danach zu einer Vergewaltigung kam, verhandelt derzeit das Regionalgericht Emmental-Oberaargau.
Eine damals 14-Jährige lernte 2014 auf einer Datingplattform einen 21-Jährigen kennen. Ob es danach zu einer Vergewaltigung kam, verhandelt derzeit das Regionalgericht Emmental-Oberaargau.
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Auf der Datingplattform Badoo lernten sie sich im Jahr 2014 kennen. Er, damals 21 Jahre alt, aus Langenthal mit mazedonischen Wurzeln. Nach zwei abgebrochenen Lehren arbeitete er in der Gastronomie.

Sie, zu der Zeit 14 Jahre alt, aus dem Emmental, war noch Schülerin. Erst chatteten sie eine Weile. Immer wieder gab es sexuelle Anspielungen. Am 14. Juli 2014 kam es dann zum ersten Treffen. Der Beschuldigte holte die Schülerin mit seinem Auto ab. Sie unterhielten sich, küssten sich, es folgten erste Berührungen.

Als das Mädchen ihn bremste, akzeptierte dies der junge Mann und brachte sie nach Hause. Zum zweiten Mal trafen sie sich gleich am darauffolgenden Tag. Hier gehen die Schil­derungen des Angeklagten und des mutmasslichen Opfers jedoch deutlich auseinander.

Während sie sagt, sie habe Berührungen im Intimbereich zurückgewiesen, ist es laut ihm zum Oralverkehr gekommen. Beim dritten Treffen kam es dann im Auto zum Geschlechtsverkehr.

Ob es sich dabei um eine Vergewaltigung handelte oder ob der sexuelle Verkehr in gegenseitigem Einvernehmen stattgefunden hatte, wird derzeit am Regionalgericht Emmental-Oberaargau verhandelt. Die Schülerin sei in ihn ­verliebt gewesen, habe den Geschlechtsverkehr gewollt, ja gar forciert, sagte er.

Anders klingt die Aussage der Verteidigerin des mutmasslichen Opfers. Er habe die damals 14-jährige gewaltsam zum Geschlechtsverkehr gezwungen, sprich vergewaltigt. Das Opfer selbst erschien nicht vor Gericht. Nach einer stationären psychiatrischen Behandlung gehe es ihr psychisch nach wie vor nicht gut, so die Verteidigerin.

Nacktbilder auf dem Handy

Aber eine andere Bekanntschaft des Beschuldigten erschien vor Gericht. Die junge Frau hatte den Angeklagten zwar nie getroffen. Doch chattete sie mit ihm über Facebook. Das war im August 2014.

Er forderte sie dann auf, ihm Nacktbilder zu schicken, was sie auch tat, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Vor Gericht stritt die Zeugin die Aussagen, die sie gegenüber der Polizei gemacht hatte, ab. Sie habe keine Bilder von sich geschickt.

Und die Nachrichten mit sexuellem Inhalt, die dem Gericht in einem Chatprotokoll vorlägen, seien nicht von ihr. Der Beschuldigte hingegen bestritt nicht, dass er mit der jungen Frau Nacktfotos ausgetauscht hatte.

Sein Verteidiger machte aber geltend, dass der Angeklagte nicht gewusst ­habe, dass es illegal sei, solche Bilder einer 17-Jährigen auf dem Handy zu haben.

Im Schutzalter

Erschwerend kam auch beim mutmasslichen Vergewaltigungsopfer die Minderjährigkeit hinzu. Sie befand sich mit 14 Jahren im Schutzalter. Und der Angeklagte ist mehr als 7 Jahre älter als sie.

So wird ihm nebst der Vergewal­tigung denn auch die sexuelle Handlung mit einem Kind vorgeworfen. Auch hier sagte der Verteidiger, sein Mandat habe nicht gewusst, dass der sexuelle Verkehr mit einer 14-Jährigen nicht legal sei.

Dem entgegnete die Staatsanwältin, dass er in der Schweiz aufgewachsen, hier zur Schule gegangen sei und dies ­somit wissen sollte. «Zudem schützt Unwissenheit vor Strafe nicht», sagte sie.

Zudem wurden auf dem Laptop des Angeklagten Fotos mit kinderpornografischen Inhalten gefunden. Diese habe er nicht selbst heruntergeladen, sagte der Angeklagte. Die Staatsanwältin und die Verteidigerin bezweifelten seine Aussage.

Die Staatsanwältin plädierte auf eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Die Verteidigerin forderte eine unbedingte Gefängnisstrafe von drei Jahren sowie eine Genugtuung von 12'000 Franken.

Nebst der mutmasslichen Vergewaltigung habe der Oralverkehr unter Anwendung von Gewalt stattgefunden, so die Verteidigerin des mutmasslichen Opfers. Der Vertei­diger des Beschuldigten plädierte auf Freispruch. Das Urteil wird am Donnerstag gesprochen.

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