Langnau

Sie halfen den Bauern beim Bauen

Langnau Sie wollten ein Heim mit dazugehörendem Gutsbetrieb führen. Doch es kam besser: Margreth und Fritz Gerber übernahmen die Geschäftsführung der GLB.

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Das Telefon hing im Gang an der Wand. In der Stube der Drei­zimmerwohnung im Langnauer Eygässli, abgetrennt durch ein Büchergestell, befand sich ein Schreibtisch. Darauf standen eine Hermes Baby und eine halb automatische Rechenmaschine.

So sah die Geschäftsstelle der Genossenschaft für landwirtschaftliches Bauen (GLB) vor 50 Jahren aus. Sitzungen fanden am Küchentisch statt. Das Personal bestand aus Geschäftsführer Fritz Gerber, seiner Frau Margreth im Sekretariat und einem Maurer.

Ein Materiallager existierte nicht, die Lieferanten brachten Zement, Armierungseisen, Backsteine und was es zum Bauen bei den Landwirten brauchte, direkt auf die Bauernhöfe. Auch einen Werkhof gab es nicht, die Maschinen wurden direkt von Baustelle zu Baustelle gezügelt.

Für Baufirmen nicht lukrativ

Unter Anleitung des gelernten Maurers bauten zusammengetrommelte Gruppen von Landwirten. Das war der Sinn der vor 50 Jahren gegründeten GLB: dass sich die Bauern selber helfen konnten. Denn zu Zeiten des Baubooms hätten die Baufirmen kein Interesse an wenig lukrativen Aufträgen aus der Landwirtschaft gehabt, erinnert sich Fritz Gerber.

«Das war eine Arbeit, die uns interessierte und die nötig war.»Margreth Gerber

Weil schlicht niemand bereit war, neue Ställe und Jauchegruben zu bauen, erhielt die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete vom Bund den Auftrag, Landwirte bei der Gründung von Selbsthilfeorganisationen zu unterstützen. So wurde vor 50 Jahren auch die GLB aus der Taufe gehoben.

Als Geschäftsführer war ein Bankbeamter vorgesehen, der die Arbeit im Nebenamt übernehmen sollte. Doch seine Chefs liessen das nicht zu. So kam Fritz Gerbers Name ins Spiel. Der ­junge Mann aus der Gohl hatte soeben in Zürich das Agronomiestudium beendet und in einem 50-Prozent-Pensum an der ETH eine Dissertation in Angriff genommen.

Er wollte den Wandel im ländlichen Leben anhand einer Befragung in fünf Gemeinden des oberen Emmentals un­tersuchen. Seine Frau hatte zwar geplant, sich zur Sozialarbeiterin ausbilden zu lassen. Daraus wurde nichts, weil ihr Vater, Käser in der Gohl, früh verstarb und sie der Mutter beistehen musste. Dabei hatte das junge Paar doch davon geträumt, einmal ein Heim mit dazugehörenden Gutsbetrieb zu führen.

Als nun das Angebot der GLB eintraf, kam das den beiden gerade recht. Denn das erste Kind war unterwegs, und Margreth Gerber musste das Redaktions­sekretariat beim «Emmenthaler Blatt» ohnehin aufgeben.

Wieder dort, wo alles begann

So übernahm das Paar statt eines Heimes die nebenamtliche Geschäftsführung der GLB. «Das war eine Aufgabe, die zu uns passte, die uns interessierte und die nötig war», sagt die heute 78-Jährige. Sie und ihr Mann wohnen übrigens seit ein paar Jahren wieder am gleichen Ort im Eygässli, wo vor 50 Jahren alles begann – jetzt in einem von der GLB gebauten Mehrfamilienhaus.

Jene im oberen Emmental war damals schweizweit die 57. Selbsthilfegenossenschaft, die von bauwilligen Landwirten gegründet wurde. Etwa ein Drittel sei heute noch aktiv, weiss Fritz Gerber. Doch keine entwickelte sich zu einem Bauunternehmen, das heute von der Planung bis zur Inneneinrichtung alles abdeckt.

«Wie bei einem Baum Ast um Ast dazukommt, hat sich in unserem Leben und in der Geschichte der GLB alles wie von selber entwickelt», sagt Margreth Gerber. Der bauliche Nachholbedarf in der Emmentaler Landwirtschaft war gross, die GLB wuchs rasant.

Der Vater zog aus

Fritz und Margreth Gerber, die innert 3 Jahren drei Kinder be­kamen, stiessen an Grenzen. Der Vater war fast rund um die Uhr beschäftigt mit der GLB und kam nicht dazu, die 400 Befragungen auszuwerten, die er für die Dissertation durchgeführt hatte. Als er drauf und dran war, seine Doktorschrift aufzugeben, bot ihm der Chefberater des heutigen Inforamas Rüti zur Überbrückung die Hilfe seines Sohnes an.

Und eine Bauernfamilie in der Ey stellte ihm ein Zimmer zur Verfügung. Also zog Fritz Gerber aus, um ungestört von Frau, Kindern und der GLB «manchmal ganze Nächte lang» arbeiten zu können. Nach einem halben Jahr hatte er seinen Doktortitel.

Margreth Gerber aber lag es schwer auf dem Magen, als sie wusste, dass ein 20-Jähriger bei ihr und den Kindern einziehen und mit ihr die Geschicke der GLB führen würde. «Am Vorabend habe ich geweint. Aber dann kam da dieser junge Mann, und alles passte wunderbar – auch mit den Kindern.» Gemeinsam führten sie den Betrieb «und kamen nur für Unterschriften bei mir vorbei», erzählt Fritz Gerber.

Die grosse Krise

Eine schwere Zeit erlebte das Ehepaar 1992. Kurz vor der EWR-Abstimmung und der Einführung der Direktzahlungen «wollten ­alle abwarten, was passiert. Es kamen keine Aufträge mehr herein», erinnert sich Fritz Gerber. Da musste er die «bitterste Erfahrung» seines Berufslebens machen: Leute entlassen.

Das belastete nicht nur ihn, sondern auch die «Gluggere der GLB», wie seine Frau dank ihrer mütterlich umsorgenden Art genannt wurde. Das Ehepaar sah in seinem Einsatz für die GLB stets ein soziales Engagement. Einen besseren Job hätte es für ihn nicht geben können, ist er, der nächstes Jahr achtzig wird, überzeugt: «Ich hätte mit keinem meiner Studienkollegen tauschen wollen.»

Dass ihr Jüngster, Walter Gerber, 2003 die Unternehmensleitung übernehmen würde, war nie von langer Hand geplant. Das habe sich so ergeben, sagt Margreth Gerber. «Eben so, wie an einem Baum Ast um Ast dazukommt.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.05.2018, 12:11 Uhr

Von der Selbsthilfeorganisation zum Konzern

Bis 2003 standen die Buchstaben GLB für «Genossenschaft für landwirtschaftliches Bauen». Als die Aufträge aus der Landwirtschaft vor dem Jahr­tausendwechsel zurückgingen, führte die GLB immer häufiger auch nicht landwirtschaftliche Aufträge aus. Ab 2003 konnte dann jedermann Anteilscheine zeichnen. Fortan stand das L für «ländliches» Bauen. Als sie 2008 den ersten Auftrag in der Stadt erhielt, taufte sich die Organisation erneut um. Jetzt bedeutete das L «leistungsorientiert». «Wir haben jeweils nächtelang studiert», sagt Margreth Gerber lachend. Denn trotz der Entwicklung hin zu einer alle Bereiche umfassenden Generalunternehmung sollte die Bezeichnung GLB nicht verschwinden. Seit diesem Frühling sind die drei Buchstaben ihr offizieller Firmenname.
Die GLB entwickelte sich in den vergangenen 50 Jahren zu einem Konzern mit 17 Berufsgattungen, über 750 Mitarbeitenden, 14 000 Mitgliedern und sechs Werkhöfen an Standorten im ganzen Kanton Bern und im Zürcher Oberland (Emmenmatt, Lyss, Langenthal, Gwatt, Thörishaus, Hinwil). Der Hauptsitz befindet sich in Langnau.
Wegen Arbeitslücken im ersten Halbjahr 2017 und Investitionen am Standort Lyss ging letztes Jahr der Umsatz um 1,9 Prozent auf 122,7 Millionen Franken zurück. Wegen zusätz­licher Abschreibungen verringerte sich auch der Gewinn auf 984'000 Franken, und der Konzerngewinn ging auf 2,7 Millionen Franken zurück.
Das letzte Geschäftsjahr stand für die GLB ganz im Zeichen der Expansion. Mit der Übernahme der IP Holding AG aus Heimberg, zu der die drei Tochtergesellschaften Bauimpuls AG, BernaRoof AG und Christen Holzbau AG gehören, verstärkte die GLB ihren Bereich Gebäudehülle. Zudem wurde für die «Entgiftung» alter Gebäude die Asbest- und Schadstoffsanierung AG mit Sitz in Langenthal gegründet. Damit vergrösserte sich die GLB-Gruppe auf einen Schlag um rund 200 Mitarbeitende, und der Konzernumsatz stieg auf 168 Millionen Franken.

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