Shrimps vom Emmentaler Hof

Burgdorf

Die hofeigene Garnelenzucht der Familie Kunz ist ein schweizweites Pioniersprojekt. Nach jahrelanger Arbeit ist die erste Generation der Ämme Shrimps nun bereit zum Verzehr.

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Die offene Scheune der Familie Kunz präsentierte sich von ihrer besten Seite: Die hofeigenen Erzeugnisse - Kartoffeln, Mais und jede Menge Äpfel – liegen feinsäuberlich in Kisten bereit und mehrere Tische, belegt mit Getränken und Snacks, luden zum verweilen ein.

Die Aufmerksamkeit der geladenen Gäste galt jedoch keineswegs dem, was es in der Scheue zu sehen gab, sondern eben genau jenen Dingen, die sich hinter schweren Chrom-stahltüren verbargen.

Nach mehreren Jahren Vorbereitung stellte die Burgdorfer Familie ihre Shrimps-Zucht der Öffentlichkeit vor. Irene, Fritz und Christian Kunz sind schweizweit die ersten Landwirte, welche eine Garnelenzucht in den Landwirtschaftsbetrieb integrieren.

Hinter dem Pilotprojekt steht die Firma Aquafuture, welche ebenfalls von Familie Kunz, zusammen mit Bruder Matthias Kunz und dessen Frau Stacy Ciulik, gegründet wurde. Aquafuture will das Konzept weiteren Betreiben schmackhaft machen – gleichzeitig soll die eigene Produktion gefestigt und vergrössert werden.

Garnele statt Schwein

Mit dem einzigartigen Konzept in Berührung gekommen ist die Familie bereits vor vielen Jahren: 1997 investierte sie in eine kalifornisches Start-Up Firma, die im Bereich Indoor-Shrimps tätig war. «Obwohl die Firma keinen Erfolg hatte, haben wir die Idee nicht mehr aus unseren Köpfen bekommen», erzählt Irene Kunz.

2013 suchte die Familie dann nach einer Alternative zum Schweinemastbetrieb und nahm die Idee wieder auf. Irene Kunz und ihre Schwägerin Stacy Ciulik reisten in die USA und besuchten dort einen Landwirtschaftsbetrieb, der bereits erfolgreich Shrimps heranzog. Ein Jahr später mussten Kunz’ Schweine weichen.

Der Stall musste gegen Lärm, Licht und Wärme isoliert, die nötige Elektronik installiert und mehrere grosse Becken angeschafft werden. Die Familie bewies dabei viel Kreativität:

Als Zuchtbecken wurden handelsübiche Aussenpools verwendet, bei denen die Zugangsleiter abmontierten und die nötigen Wasserpumpen installiert wurden. Den Kostenpunkt der Umbauarbeiten will die Familie jedoch nicht verraten.

Die gute, braune Brühe

Die grösseren Tiere, welche aktuell auch verkauft werden, lagern in drei grossen Pools. Die neuste Generation der Aemme Shrimp verweilt jedoch noch in den Aufzugsbecken im Nebenraum: In den kleineren, quadratischen Behältern schwimmen die gerade einmal 11 Tage alten Shrimps.

Die Jungtiere bezieht Familie Kunz übrigens aus der weltweit einzigen Larvenzucht in Florida – die Garnelen in Burgdorf zur Fortpflanzung zu bringen, wäre viel zu aufwendig.

Dass das Wasser in den Becken trüb und bräunlich ist, hängt mit der sogenannten Biofloc-Technologie zusammen: Das ursprüngliche Emmenwasser wird mit Salz und Bakterien angereichert, wobei Letztere die Ausscheidungen und Schalen der Tiere – Garnelen häuten sich alle zwei Tage – zersetzen.

In den Becken entsteht somit ein in sich geschlossenes Biotop. Entsprechend muss auch das Wasser nie gewechselt werden. Wichtig sei es nur, die täglichen Tests durchzuführen, wie Christian Kunz erklärt: «Eigentlich sind wir nicht Garnelenzüchter, sondern Wasserwarte.»

«Ruhe bitte!»

Dass sich Shrimps wohl fühlen, ist gar nicht so einfach: Sie brauchen genügend, aber nicht zu viel Platz. Deswegen wird die Wassermenge jeden Tag der aktuellen Grösse der Shrimps angepasst.

Auch beim Fütterungsverhältnis sind Shrimps anspruchsvoll: Gibt man ihnen zu viel, stimmt das Gleichgewicht im Biotop nicht mehr und gibt man ihnen zu wenig, können sie zum Kannibalismus neigen.

Ausserdem sind Garnelen sehr stressanfällig und reagieren auf übermässige Geräusche, zu helles Licht und sogar den Vollmond mit nervösem Rumspringen. Deswegen galt auch während dem Rundgang die Devise: «Ruhe bitte!»

Nicht im Grosshandel

Sechs Monate dauert es, bis die Garnelen ausgewachsen sind. Mit zwei Generationen pro Jahr – jede umfasst ungefähr 7000 Tiere – kommt die Familie auf einen Jahresertrag von maximal zwei Tonnen. Zum Vergleich: Die Schweiz importiert jährlich 9000 Tonnen Shrimps.

Sobald Kunz Garnelen mehr als 25 Gramm wiegen, werden sie an verschiedene Gastrobetriebe der Region geliefert. Die Shrimp werden also weder gefroren, noch über weite Strecken transportiert.

Im Supermarkt zu kaufen gibt es sie übrigens nicht – wer probieren will, muss die gewünschte Menge online oder telefonisch direkt bei Familie Kunz bestellen. Preislich liegen sie bei 10 Franken pro 100 Gramm.

Berner Zeitung

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