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Seppu – ein Dorforiginal tritt kürzer

Hansulrich Bichsel ist über das Dorf hinaus bekannt für seinen Humor und seine träfen Sprüche. Heute übergibt der 68-Jährige den Sanitär- und Heizungsbetrieb seinem Sohn Sacha Bichsel.

Vom Chef zum Handlanger: Neu führt Sacha Bichsel (rechts) die Firma. Vater Hansulrich Bichsel wird weiterhin im Stundenlohn mitarbeiten.
Vom Chef zum Handlanger: Neu führt Sacha Bichsel (rechts) die Firma. Vater Hansulrich Bichsel wird weiterhin im Stundenlohn mitarbeiten.
Thomas Peter

Man nennt ihn Seppu. Sein bürgerlicher Name ist aber Hansulrich Bichsel. Den Übernamen hat er sich selber zuzuschreiben. «Ich kann mir keine Namen merken.» So habe er angefangen, jeden Seppu zu nennen – und das sei halt irgendwann auf ihn zurückgekommen, sagt er und lacht.

Hansulrich Bichsel aus Ramsei ist eine Frohnatur und ein Dorforiginal, nie um einen Spruch verlegen. Und so kennen ihn auch seine Kunden. Am Montag vor 23 Jahren machte er sich als Heizungs- und Sanitärmonteur selbstständig. Dies, nachdem sein damaliger Arbeitgeber die Firma aufgab und ihm die Stelle gekündigt wurde.

Dass er nun just am 1. Mai das Geschäft an seinen Sohn Sacha, der seit 6 Jahren im Betrieb mitarbeitet, übergibt, war nicht beabsichtigt. «Ich habe den Zufall erst im Nachhinein bemerkt», sagt der heute 68-Jährige.

Die Sache mit dem WC

Hansulrich Bichsel erinnert sich gerne an die vergangenen Jahre. Auch sein erster Auftrag als Selbstständiger ist ihm noch präsent. «Ich musste bei einem Kunden einen Wasserhahn auswechseln.» Es habe ihm vom ersten Tag an nie an Arbeit gefehlt, sagt er, ohne damit prahlen zu wollen. Bichsel vermutet, dass dies auch damit zu tun habe, dass er sowohl spätabends als auch samstags und sonntags unterwegs war.

So auch damals, als ein Hobbyhandwerker zu vorgerückter Stunde selbst ein Heizungsventil abmontiert hatte. Als Bichsel eintraf, hatte der Mann einen Finger auf die Öffnung gedrückt, und das Wasser spritzte auf alle Seiten hinaus.

Als Bichsel eintraf, hatte der Mann einen Finger auf die Öffnung gedrückt, und das Wasser spritzte auf alle Seiten hinaus.

Gerne erzählt er auch die Episode, als ein Bauernhaus an die Kanalisation der ARA angeschlossen wurde. «Ich stand in der leeren Jauchegrube und war dabei, Rohre zu ziehen.» Plötzlich habe er über seinem Kopf Schritte gehört und das Heben des Klodeckels. Da habe er laut gebrüllt. «Mit einem Kreischen ist der WC-Besucher schnell davongerannt.»

Zu Beginn seiner Geschäftstätigkeit hatte Hansulrich Bichsel vor allem in der Region zu tun, doch mit der Zeit hat sich der Radius vergrössert. Es konnte sogar vorkommen, dass er Heizungen in den Kantonen Wallis und Zürich montierte. «Das ist auf die Mundpropaganda zurückzuführen», weiss Bichsel, der all die Jahre nur eine Zeit lang einen Festangestellten beschäftigte, sonst aber auf die stundenweise Mithilfe von Kollegen zählen konnte.

Viele Nummern gespeichert

Doch nicht nur die Arbeitsorte, auch technisch hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Während man früher die Rohre zusammenschweisste, werden die Übergänge heute gepresst. Auch, sagt Bichsel, sei der Stresspegel deutlich gestiegen. «Wenn ich den Telefonanruf bekomme, sollte ich schon da sein.»

Apropos Telefon: Sein Handy, ein älteres Modell, das er privat wie auch geschäftlich nutzte, ist nun im Besitz seines Sohnes Sacha, der in Zweitausbildung Sanitär- und Heizungsinstallateur lernte. «Vor der Abgabe musste ich noch ei­nige Nummern löschen», sagt Hans­ulrich Bichsel und lacht wieder.

«Wenn AA anruft, kenne ich zwar den Namen nicht, aber ich weiss genau, um welche Person es sich handelt.»

Hansulrich Bichsel

Denn er habe viele Nummern gespeichert, wovon etliche nur mit zwei Buchstaben gekennzeichnet seien. «Wenn AA anruft, kenne ich zwar den Namen nicht, aber ich weiss genau, um welche Person es sich handelt.»

Trotz der Geschäftsübergabe hört Hansulrich Bichsel nicht ganz auf. Er werde als «Handlanger», wie er es nennt, im Stundenlohn mitarbeiten. Auch seine Frau Esther wird weiterhin die Büroarbeiten erledigen und wie bis anhin die Kundenrechnungen mit einem Tintenroller von Hand schreiben.

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