Schüler erhielten Fälschungstipps

Burgdorf

Seine Unterschrift sei nachgemacht worden, behauptete ein Mann vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Für die anwesenden Schüler dürfte die Analyse interessant gewesen sein.

Jede Unterschrift hat ihre eigenen Merkmale.

Jede Unterschrift hat ihre eigenen Merkmale.

(Bild: Stefan Schaufelberger)

Johannes Hofstetter

Jetzt wissen die Schülerinnen und Schüler der Koppiger Oberstufe, worauf es beim Fälschen einer Unterschrift – jener eines Elternteils zum Beispiel – ankommt: Als Zuschauerinnen und Zuschauer bei einer Verhandlung am Regionalgericht Emmental-Oberaargau erhielten die jungen Leute am Donnerstag Tipps aus erster Hand.

Mit dem Original über­einstimmen müssten primär die Beschaffenheit des Strichs, die Grössenverhältnisse der Buchstaben und die Lage der Schrift, erläuterte ein Experte des Kriminaltechnischen Dienstes der Kantonspolizei Bern.

Die Signatur müsse «zügig geschrieben» wirken und dürfe «keine Druckschwankungen» aufweisen. Andernfalls sehe sie aus «wie gezeichnet».Die Erklärungen waren nötig, weil vor Einzelrichterin Muriel Mallepell ein Asiate sass, dem die Staatsanwaltschaft vorgeworfen hatte, einen früheren Kollegen falsch angeschuldigt zu haben. Dafür büsste sie ihn mit 600 Franken.

Geld ergaunert?

Der Mann zog den Fall weiter. Vor Einzelrichterin Muriel Mallepell blieb er dabei: Ein früherer Geschäftspartner habe seine Unterschrift auf einem Kaufvertrag für ein Auto gefälscht und sich so 25'000 Franken ergaunert.

Dieses Geld habe der Mann mit dem mehrseitigen Betreibungsregisterauszug benötigt, um ihm – dem Asiaten – einen Teil der Schulden zurückzuzahlen, die er bei ihm als Mitbetreiber einer Bar im Solothurnischen gehabt habe.

Für den Gutachter der Kantonspolizei stand «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» fest, dass die Unterschrift auf dem Dokument von dem Asiaten stammte und folglich echt war.

«‹Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit› bedeutet nicht ‹zu hundert Prozent›.»Verteidiger des Angeklagten

Der Verteidiger des Angeklagten erwiderte, «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» bedeute nicht «zu hundert Prozent». Eine Falschanschuldigung liege im Übrigen nur vor, wenn sie «wider besseres Wissen» «mit einer klaren Schädigungsabsicht» erfolge, führte der Anwalt aus. Diese Kriterien seien im vorliegenden Fall nicht erfüllt, weshalb er einen Freispruch fordere.

Nach einer einstündigen Be­ratungspause verurteilte die Richterin den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 75 Tages­sätzen à 50 Franken. 60 Tagessätze verhängte sie bedingt, deren 15 sprach sie als unbedingt zu ­zahlende Busse aus. Weiter muss der Aussendienstmitarbeiter die Verfahrenskosten von 2400 Franken berappen.

Von der Schuld überzeugt

Auch wenn es dem Gericht an belastbaren Beweisen fehle, sei sie von der Schuld des Angeklagten überzeugt, sagte Muriel Mallepell. Bei der Urteilsfindung habe sie sich in erster Linie auf das kriminaltechnische Gutachten gestützt, das ihrer Ansicht nach «fast unumstösslich» sei. Die fragliche Signatur weise dermassen viele «wertstarke Merkmalsübereinstimmungen» auf, dass sie nur vom Angeklagten stammen könne.

Motiv nicht erkennbar

Anzeichen dafür, dass sein Kollege dessen Unterschrift nachgemacht haben könnte, gebe es keine. Ein nachvollziehbares Motiv für eine solche Tat könnte sie ohnehin nicht erkennen.

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