Schön geschmückte Kühe, neue Uniformen und volle Ränge

Am «Emmentalischen» wurde nicht nur geschwungen, es gab auch einen Alpaufzug und eine Uniformweihe.

Der Alpaufzug lief wie am Schnürchen. Die Tiere blieben ruhig auf der Route von Wittenbach hinunter nach Zollbrück und zurück.

Der Alpaufzug lief wie am Schnürchen. Die Tiere blieben ruhig auf der Route von Wittenbach hinunter nach Zollbrück und zurück. Bild: Thomas Peter

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«Es ist eine Pracht», sagte eine Frau zu ihrer Begleiterin. Und wahrlich, es war eine Augenweide, wie die schön herausgeputzten Kühe unter den gleichmäs­sigen Klängen ihrer Treicheln ­angelaufen kamen. Angeführt wurde der Tross von Simmentalern. Zwischen den Hörnern war ein Melkstuhl befestigt, geschmückt mit einem Tännchen und bunten Blumen.

Aufwendig war auch der Treichelschmuck der anderen Kühe. Bei ihnen zierten farbenfrohe Blumen den Riemen der Treicheln. Die Helferinnen und Helfer trugen passend zum Alpaufzug Chüjermutze, Edelweisshemden oder Trachten. Eben: eine wahre Pracht.

Der Alpaufzug am Vortag der sportlichen Wettkämpfe in Zollbrück. Video: Jacqueline Graber

Ein «Hoopeler»

Der Alpaufzug, mit rund 60 Tieren, fand am frühen Samstagabend im Rahmen des Emmentalischen Schwingfestes in Zollbrück statt. Die Idee dafür hatte der Bauernsohn und gelernte Landwirt Ueli Rüegsegger, der in Lauperswil aufgewachsen ist und jetzt in Gysenstein wohnt. Er fragte Walter Hutmacher, OK-Präsident des Schwingfestes, ob Interesse vorhanden sei. «Ich bin halt ein ‹Hoopeler›», sagte der 23-Jährige und meint damit, einer, der Freude an Kühen hat.

Doch seine Leidenschaft gilt nicht nur der Viehzucht; von Kindesbeinen an steht er auch im Sägemehlring. Angefangen hat er im Schwingklub Langnau, seit vielen Jahren ist er Mitglied beim Schwingklub Zäziwil.

Training im Vorfeld

Begeistern für den Alpaufzug konnte Ueli Rüegsegger seinen Onkel Res Rüegsegger aus Obergoldbach. Ebenso die Landwirte Andreas Rothenbühler und Gerhard Wyss, beide aus Lauperswil. Die Vorbereitungen für den Anlass waren gross; schon allein den prächtigen Blumenschmuck zu gestalten, gab viel zu tun. Zudem wurden im Vorfeld alle Tiere geschoren. Hantiert mit der Tondeuse hat auch Ueli Rüegsegger. Ferien nehmen habe er aber deswegen nicht müssen, sagt er: «Ich arbeite als Betriebshelfer und kann mir die Zeit einteilen.»

Doch wurde den Tieren nicht nur der passende Haarschnitt verpasst, auch ein Trainingslauf stand auf dem Programm. Jeder Landwirt hat mit seinen Tieren geübt. «Die Kühe hatten heuer noch nicht so viel Weidegang, und sie mussten sich auch erst an das Tragen der Treicheln gewöhnen», so Rüegsegger.

Die ganze Mühe hat sich gelohnt: Der Anlass lief wie am Schnürchen, ruhig liefen die Tiere die Strecke von Wittenbach, dem Hof von Andreas Rothenbühler, hinunter nach Zollbrück. Unter den Augen vieler begeisterter Zuschauer ging es vorbei am Festgelände bis kurz vor das Sekundarschulhaus. Danach führte die Route, die insgesamt rund fünf Kilometer betrug, zurück nach Wittenbach. Dort standen die Viehtransporter bereit, um die Tiere zurück in die heimischen Ställe zu bringen.

Nicht schnurstracks nach Hause hingegen zog es einen Grossteil der Zuschauer, die das Spektakel mitverfolgten; sie machten noch einen Abstecher aufs Gelände, kehrten in der Festwirtschaft ein, warfen einen Blick auf die Preise im Gabentempel oder liefen beim Stall mit den Lebendpreisen vorbei.

Behütetes Geheimnis

Viel Betrieb herrschte auch schon am Vorabend auf dem Festgelände. Am Freitag um 21 Uhr wurde ein gut behütetes Geheimnis gelüftet – die Musikgesellschaft Zollbrück präsentierte erstmals ihre neue Uniform: himmelblaue Jacke, schwarze Hose, Krawatte und einen Hut.

Die neuen Uniformen der Musikgesellschaft Zollbrück. Bild: Olaf Nörrenberg

Bislang trugen die 44 Musikantinnen und Musikanten bordeauviolette Anzüge. «Diese stammen aus dem Jahr 1993. Viele Hosen und Jacken hatten Gebrauchsspuren», erklärte Vereinsmitglied und OK-Präsident der Einweihungsfeier Markus Lanz. Es ist die fünfte Uniform in der 120-jährigen Vereinsgeschichte. Die erste wurde 1921 angeschafft und war eine Occasion. Danach gab es 1946, 1970, 1993 neue. «Die jetzige Uniform kostet 2000 Franken pro Stück», erklärt Lanz und fügt hinzu, dass sie jedem Mitglied auf den Leib geschneidert wurde.

Bei den Gilets wurde zudem bei den Nähten eine Reserve von 8 Zentimeter Stoff einberechnet. «Das gibt ein bisschen Spielraum», so Lanz. Denn tritt ein Mitglied aus dem Verein aus, wird die Uniform weitergegeben. «Zudem haben wir ziemlich viel Reservestoff gekauft, dieser reicht noch für einige neue Uniformen.»

Vier Trägervereine

Die neue Kleidung ist auch der Grund, wieso das Schwingfest nach 2008 erneut in Zollbrück stattgefunden hat. «Wir hatten die Idee, aus der Uniformweihe einen Grossanlass zu machen», erklärte Markus Lanz. Und so hätten sie den Schwingklub Langnau angefragt, ob die Durchführung des «Emmentalischen» eine Option sei. Das Ja sei ganz spontan gekommen. Und auch die Hornussergesellschaften Unterfrittenbach-Emmenmatt und Zollbrück, die nebst der Musikgesellschaft Zollbrück und dem Schwingklub Langnau als Trägerverein mitmachten, hätten rasch ihre Hilfe zugesichert.

Eine Marschmusikparade

«Die Schwingfestidee war auch ein bisschen eigennützig», gab Markus Lanz zu. «Wir rechneten uns aus, dass wir dadurch mehr Publikum für unseren Anlass gewinnen können.» Und das Konzept ging auf: Nicht nur der Festakt, sondern bereits die Marschmusikparade fand Anklang. 13 Musikgesellschaften aus dem Emmental plus die Stadtkapelle Trochtelfingen aus Deutschland konnten am Freitag, vor der Uniformweihe, auf der Lauperswilstrasse an gut gesäumten Strassenrändern vorbeischreiten.

Weitere Auftritte hatten die Mitglieder der Musikgesellschaft Zollbrück auch am Samstag und Sonntag. Doch diesmal trugen sie nicht ihre nigelnagelneuen Uniformen, sondern gelb-grüne Shirts. Sie packten als Helfer in diversen Funktionen mit an. Auch Ueli Rüegsegger, der Alpaufzugorganisator, hatte am Sonntag noch einen weiteren Auftritt. Er gehörte zu den rund 190 Schwingern, die in der Arena zusammen gegriffen haben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.05.2018, 06:44 Uhr

Bilanz

Für Walter Hutmacher, Präsident des Organisationskomitees, gab es am Emmentalischen Schwingfest nicht nur ein Highlight. Das ganze Wochenende sei ein voller Erfolg gewesen, sagt er. «Wir haben drei reibungslose Tage verbringen können.» Das sei für ihn der Höhepunkt. Laut dem Präsidenten sind 5800 Besucher nach Zollbrück gepilgert. «Wir waren mehr als nur ausverkauft», sagt Hutmacher. Trotz des schlechten Wetters hätte es noch viel zusätzliches Fussvolk gegeben. Es sei zwar trocken geblieben, aber kalt sei es gewesen, deshalb habe es am Mittag einen regelrechten Ansturm auf die Festhütte gegeben. «Wir waren aber gut vorbereitet.» Auch der Samstag war gut besucht. Laut Hutmacher kamen mehr als 2000 Menschen an die Veranstaltungen. Von allfälligen Zwischenfällen unter den Zuschauern weiss der Präsident nichts zu berichten. Nur ein paar Schwinger hätten sich verletzt. (mbu)

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