Schau­käserei: Raus aus dem Loch

Affoltern

Am Osterwochenende weiht die Schau­käserei den vor drei Jahren geplanten neuen Wintergarten ein. Endlich. Die Chancen stehen gut, dass auch die finanziellen Schwierigkeiten bald der Vergangenheit angehören.

Testbetrieb: An Ostern eröffnet die Schaukäserei in Affoltern den lang geplanten und nun endlich fertiggestellten Wintergarten offiziell.

Testbetrieb: An Ostern eröffnet die Schaukäserei in Affoltern den lang geplanten und nun endlich fertiggestellten Wintergarten offiziell.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Die Verantwortlichen der Emmentaler Schaukäserei AG (ESK) haben ein zwiespältiges Verhältnis zu Löchern. Jene im Emmentaler führen sie selber herbei. Jene im Budget verderben ihnen immer wieder den Appetit. Seit Jahren und spätestens seit dem Frankenschock kämpfte das Ausflugsziel in Affoltern nämlich mit dunkelroten, hellroten und zuletzt ganz knapp schwarzen ­Zahlen.

Jetzt aber gibt es ein Licht am Ende des Tunnellochs. Denn an Ostern lädt die Schaukäserei zur Einweihung des neu gebauten Wintergartens ein. Ein Meilenstein, nennen es die Verantwortlichen und könnten es treffender nicht formulieren. Auf diesen Wintergarten, der in Zukunft die Ertragslage im Restaurant verbessern soll, musste man lange warten. Das Baugesuch dafür war bereits 2014 erschienen. Aber dann fehlte das Geld.

Dank dem Löwen

2013 hatte die Schaukäserei mit einem Minus von einer halben Million Franken abgeschlossen. Ende 2014 fehlten rund 200'000 Franken. Erst 2015 hatte die ESK erstmals wieder einen Gewinn geschrieben. Wenn auch nur einen knappen und auch dies nur, weil die Schaukäserei in der Gemeinde Affoltern den Gasthof Löwen verkaufen konnte. Der nun fertiggestellte Wintergarten kam dann auch nur mit dem Geld aus jenem Verkauf und einem Darlehen der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland zu­stande.

«Insgesamt war 2016 ein gutes Jahr. Die Besucherzahlen sind angestiegen, Restaurant und Fachgeschäft haben sich erholt.»Frank Jantschik, Geschäftsführer

Die Löcher im Budget sind also noch nicht alle gestopft. Wie es im Detail mit dem lieben Geld aussieht, wird erst der Geschäftsbericht 2016 zeigen, der im Mai verschickt wird. Geschäftsführer Frank Jantschik verrät nur, dass sich das operative Ergebnis gegenüber 2015 nochmals verbessert habe. «Insgesamt war es ein gutes Jahr», sagt er. Die Besucherzahlen seien angestiegen, Restaurant und Fachgeschäft hätten sich erholt und positiv entwickelt.

Das Aushängeschild

Beginnt nun der lang ersehnte Neuanfang? Ist jetzt der Moment gekommen, da sich der Schaubetrieb auf rund 800 Metern über Meer mit Blick auf die Berner Alpen endlich zum erträumten Leuchtturm der emmentalischen Tourismusbranche, zum Aushängeschild des Emmentaler Käses werden kann? Das hängt vorerst von einem einzigen Datum ab: dem 20. April 2017.

An diesem Tag findet nämlich die Delegiertenversammlung der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) statt. Ein Traktandum ist die seit einem halben Jahrzehnt kursierende Idee, die Schaukäserei zum Schaufenster für den Emmentaler Käse weiterzuentwickeln. Zu der Adresse für den Emmentaler. Dafür aber müsste die Sortenorganisation vom jetzigen Stand der Klein- zur Hauptaktionärin des Unternehmens aufsteigen. Denn nur so ist eine Zukunft ohne Löcher im Budget für die ESK überhaupt möglich.

Dieser Meinung jedenfalls sind die aktuellen Hauptaktionäre, die Milchverarbeiterin Emmi und die Schweizer Milchproduzenten. Sie sind laut Geschäftsführer Jantschik sehr daran interessiert, das Nötige zu tun, um die Bilanz der Schaukäserei endgültig wieder ins Reine zu bringen, damit diese vielleicht dereinst sogar selbsttragend wird.

Frisches Kapital

Das Nötige in dem Fall ist eine Rekapitalisierung. In einem ersten Schritt ist geplant, das Aktienkapital der AG um rund drei Millionen Franken herabzusetzen und mit frischem Kapital einen Neustart zu wagen. Aber eben, dafür muss die ES Hauptaktionärin werden und die Hälfte des neuen Aktienkapitals einbringen.

Wie ESK-Verwaltungsratspräsident Kurt Nüesch auf Anfrage sagt, stünden die Chancen gut. Der Vorstand der ES werde nächsten Donnerstag seinen Delegierten beantragen, die grössere finanzielle Beteiligung an der Schaukäserei gutzuheissen. So würde die ES nicht nur Hauptaktionärin, sondern würde auch gleich die Federführung in der Schaukäserei übernehmen.

Kommt diese Rekapitalisierung zustande, steht dem Neuanfang nichts mehr im Weg. Dann könnten auch endlich die veraltete Schnitzelheizung ersetzt, die Produktionsanlage saniert und der Besucherbereich neu gestaltet werden. So, dass der berühmteste Käse der Welt künftig auch so inszeniert werden kann, wie es ihm gebührt.

Berner Zeitung

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