Schach – eine Sportart mit Suchtpotenzial

Burgdorf

106 Personen nahmen am Schachturnier teil und stellten in fünf Runden ihr Können unter Beweis. Der Anlass war geprägt von Nervosität, Konzentration – und Erleichterung.

Alt und Jung im Denksport vereint. Keiner will seinen Zug später bereuen müssen.<p class='credit'>(Bild: Daniel Fuchs)</p>

Alt und Jung im Denksport vereint. Keiner will seinen Zug später bereuen müssen.

(Bild: Daniel Fuchs)

Tisch an Tisch, Brett an Brett, Spieler an Spieler. In der Eggstube des Burgdorfer Restaurants Stadthaus herrscht absolute ­Stille. Nur der Boden knarrt. 53 Schachpartien sind in vollem Gang. Über hundert Personen befinden sich in der mit Holz ausgekleideten Stube. Zuschauer hat es kaum.

Drei Minuten pro Spielzug

Konzentrierte Gesichter, so weit das Auge reicht. Die Anspannung ist deutlich spürbar. Hin und wieder geht ein unruhiges Geflüster durch die Menge. Die einen Spieler sitzen, die anderen gehen nervös auf und ab. Sie spielen mit ihren Stiften, rutschen auf den Stühlen hin und her, kratzen sich an Kopf, Kinn oder Hals und reiben sich die Nase.

Die Teilnehmer sind gut ausgerüstet: Neben dem hölzernen Schachbrett und Spielfiguren stehen Sportflaschen und mehrere Energieriegel bereit. «Eine Partie kann über vier Stunden dauern», sagt der Organisator René Tanner, der in seiner Freizeit beim Schachclub Kirchberg spielt. So lange gilt es, mit dem Kopf stets voll dabei sein, um unter Zeitdruck die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Neben jedem Brett steht eine Uhr. Diese misst die Bedenkzeit der Spieler. «Um einen Zug auszuführen, braucht man etwa drei Minuten», sagt René Tanner. So kommt es nicht selten vor, dass Spieler mit schnellem Schritt und konzentrierter Miene den Raum durch die Ruhezone verlassen und zur Toilette eilen.

Partie zwischen Generationen

Vom 10 Jahre alten Junior über den Grossmeister bis hin zum 70-Jährigen: Am 17. Burgdorfer Stadthaus-Open sind Spieler verschiedener Niveaus und unterschiedlichen Alters aus der ganzen Welt vertreten. Darunter vier des Schachclubs Kirchberg, der den Anlass organisiert hat.

Frauen hat es kaum. Die Sportart ist von Männern geprägt. «Ob es daran liegt, dass Schach nicht sehr sozial ist, weiss ich nicht», sagt René Tanner.

Diskussion im Parterre

Während im ersten Stock konzentriert Züge getätigt werden, wird im Erdgeschoss rege diskutiert. Dort treffen sich die Spieler zur Analyse. Manche Aktion wird noch einmal besprochen. Auch Minuten nach dem letzten Zug sind die Teilnehmer mit ihren Gedanken noch mitten in der Partie. Getroffene Entscheidungen werden kritisch hinterfragt. Doch je länger die Diskussionen dauern, desto gelöster wirken die Spieler.

«Das Adrenalin weicht nach und nach der Erleichterung», erklärt René Tanner. Während der Partie seien Nervosität und Anspannung jeweils enorm. Doch das ist genau das, was ihm am Schachspiel so gefällt. «Das Adrenalin zu spüren, fasziniert mich immer wieder von neuem», sagt er. Diese Sportart sei wie eine Sucht. Einmal in ihrem Bann, ist es offenbar schwierig, sich ihr wieder zu entziehen.

Berner Zeitung

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