Rückblick auf turbulente Zeiten

Die Emmentaler Fleckviehzüchter wählten mit ­Rudolf Sommer einen neuen Präsidenten. In seinem letzten Amtsjahr sorgte der Bisherige Walter Lüthi für einigen Wirbel in der Welt der Züchter.

Der Emmentalische Fleckviehzuchtverband wählte Rudolf Sommer als neuen Präsidenten.

Der Emmentalische Fleckviehzuchtverband wählte Rudolf Sommer als neuen Präsidenten. Bild: Marcel Bieri

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Am Samstag wählten die Delegierten des Emmentalischen Fleckviehzuchtverbandes in Obergoldbach den bisherigen ­Vize Rudolf Sommer aus Wynigen zu ihrem neuen Präsidenten. Walter Lüthi stand nicht mehr zur Verfügung.

Der Verdacht liegt nahe, dass dies etwas mit den Querelen zu tun haben könnte, über die er die Emmentaler Delegierten vor einem Jahr ins Bild gesetzt hatte. Dabei ging es allerdings nicht um ein emmentalisches, sondern um ein nationales Problem. Walter Lüthi war Mitglieder der Verwaltung des Schweizerischen Verbands Swissherdbook.

An einer ihrer Sitzungen verliess ihn offenbar die Geduld mit Vertretern der Freiburger Züchter, die für sich spezielle Regeln beanspruchen wollten. Als sich nach fünf Viertelstunden keine Einigung abgezeichnet habe, sei Lüthi aufgestanden mit der Bemerkung «Jetz isch gnue», habe die Türe geöffnet – und die Freiburger seien gegangen, erzählte er.

Damit habe der Vertreter der Berner Fleckviehzüchter die weiteren Verhandlungen untergraben, monierten die übrigen Verwaltungsmitglieder und drängten Lüthi zum Rücktritt. Doch dieser weigerte sich – mit Erfolg: Er hatte eine Mehrheit hinter sich, als die nationalen Delegierten im Frühling 2017 den Antrag auf Abberufung ablehnten.

Im kommenden April stellt sich Walter Lüthi nun aber nicht mehr zur Wiederwahl in die Verwaltung des schweizerischen Verbands. Die Zusammenarbeit im Gremium sei «nicht mehr so wie vorher» gewesen, aber doch «recht gut» geblieben, sagt er.

«Aber das Grundproblem, dass einzelne Freiburger Züchter nicht wissen, was sich gehört und meinen, sie könnten sich über Regeln hinwegsetzen, ist nicht vom Tisch.» Lösen müssen das nun andere.

Dafür, dass die Emmentaler Fleckviehzüchter einen neuen Präsidenten wählen mussten, sind nicht die Differenzen mit den Freiburgern verantwortlich, sondern die Amtszeitbeschränkung. Acht Jahre war Walter Lüthi Präsident. Vorher war er kraft seines Amtes als Viehschau­experte bereits Mitglied im rund 30-köpfigen Vorstand.

Umzug der Starparade

Der wichtigste Beschluss, der während Lüthis Präsidium gefällt wurde, war jener, die Emmentaler Starparade nicht mehr in der Markthalle in Langnau, sondern im umgebauten Pendant in Burgdorf durchzuführen.

«Mir wurde erst im Nachhinein richtig bewusst, was dieser Umzug für einige Züchter im Oberemmental bedeutet hat», sagt er. Obwohl nicht so viele Helfer hätten eingespart werden können, wie man sich das ursprünglich erhofft hatte, habe sich der Wechsel jedoch bewährt, ist Lüthi überzeugt.

Er spricht damit nicht nur die Infrastruktur an, die in Burgdorf idealer sei. Zur Änderung habe insbesondere die Parkplatzsituation gedrängt, die in Langnau zunehmend Probleme bereitet habe.

Doch der scheidende Präsident schliesst nicht aus, dass auch im oberen Emmental wieder Starparaden durchgeführt werden – wenn die Markthalle wie geplant von Langnau nach Schüpbach verlegt werden kann.

Stichproben mit Ultraschall

Zu reden gab unter den Züchtern in den letzten Jahren auch das Problem mit übervollen Eutern ausgestellter Kühe. «Im Emmental hatten wir das recht gut im Griff», findet Lüthi. Es gebe zwar auch hier einzelne Bauern, «denen wir den Mahnfinger aufhalten mussten».

Als Organisator der Emmentaler Schauparade musste der Fleckviehzuchtverband jeweils ein Kontrollorgan stellen, das die Euter begutachtete. «Doch weil nicht messbar, ist es immer auch Ansichtssache, ob ein Euter überladen ist oder nicht», gibt Lüthi zu bedenken.

Ab diesem Jahr werden Ultraschallmessungen objektiv darstellen, ob eine Kuh zu lange nicht gemolken wurde und nur deshalb ein schön pralles Euter vorweisen kann.

Die Geräte werden vorab an nationalen Schauen eingesetzt, Stichproben können aber laut Lüthi durchaus auch an der kleinen Starparade durchgeführt werden. «Es ist gut, dass heute jeder Züchter weiss, dass er der Kuh Sorge tragen muss», so Lüthi. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.01.2018, 17:08 Uhr

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