Burgdorf

Referendum erleidet Schiffbruch

BurgdorfMit einem Ja-Stimmen-Anteil von 53 Prozent stellt sich das Volk beim Alpina-Areal hinter die Planungsentscheide von Gemeinde- und Stadtrat. Das unter­legene Referendumskomitee gesteht die Niederlage ein, es will jedoch wachsam bleiben.

Die Alpina-Areal-Planung kann nach dem Volksentscheid wie vom Gemeinderat Burgdorf geplant weitergeführt werden.

Die Alpina-Areal-Planung kann nach dem Volksentscheid wie vom Gemeinderat Burgdorf geplant weitergeführt werden. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach dem Stadtrat hat jetzt auch das Burgdorfer Stimmvolk seinen Segen dazu erteilt: zur Teil­revision der baurechtlichen Grundordnung und im Speziellen zur Änderung der Vorschriften der Zone mit Planungspflicht «ZPP 25 Alpina». Bei einer Stimmbeteiligung von 44,1 Prozent votierten 2370 Personen für ein Ja, 2108 Personen sagten Nein und stellten sich damit hinter die Forderungen des Referendumskomitees. Dieses verlangte, dass auf dem Alpina-Areal explizit kein Stockwerkbonus gewährt werden dürfe, auch nicht bei besonders guter Architektur.

Allerdings, und dies war das nicht leicht erklärbare, aber entscheidende Detail der Abstimmung vom Wochenende: Ob im konkreten Fall ein Bonusgeschoss zugelassen wird oder nicht, ist nicht Bestandteil des Baureglements und war damit auch nicht Gegenstand der Abstimmung, sondern dies wird Bestandteil der Überbauungsordnung eines Areals sein.

«Häb Sorg zu dire Stadt»

Viele Burgdorferinnen und Burgdorfer dürften sich deshalb gefragt haben: Warum stimmen wir denn ab, wenn die Pièce de Résistance ausgeklammert bleibt? Vielleicht wollten sich deshalb 124 von 5067 Stimmenden nicht zu dieser Vorlage äussern. Und: Dass die Stimmbeteiligung bei gut 44 Prozent lag, war sicher nicht auf die kommunale Alpina-Vorlage, sondern auf die nationale Abstimmung über die Rentenreform zurückzuführen.

Peter Hänsenberger, Leiter der Baudirektion Burgdorf, zeigte sich auf Anfrage erfreut über den Volksentscheid: «53 Prozent sind eine klare Zustimmung.» Vor dem Hintergrund, dass in den letzten Jahren Planungsvorlagen stets sehr kritisch beurteilt worden seien, «kann man jetzt sagen, dass die Stimmberechtigten den Gemeinderat bezüglich dessen Stadtentwicklung unterstützen». Zudem habe damit auch die Mehrheit den Entscheid des Stadtparlaments gutgeheissen.

Obwohl Hansueli Dür und sein Referendumskomitee nur eine Minderheit der Abstimmenden hinter sich scharen konnten, sehen sie sich nicht als Verlierer. Bei einem Nein-Stimmen-Anteil von 47 Prozent könne der Gemeinderat das Geschäft nicht tel quel durchwinken. Eine starke Minderheit habe signalisiert, dass ihr die Devise «Häb Sorg zu dire Stadt» wichtig sei. 465 Mitstreiter und er hätten nicht nur die Faust im Sack gemacht, sondern mit dem Referendum etwas zu ändern versucht. Dies sei nun missglückt. Für die mit der Alpina-Planung Unzufriedenen ist der Zug trotz dem Volks-Nein noch nicht abgefahren. «Bei der Überbauungsordnung und der Baubewilligungsphase können wir immer noch Einsprache machen», sagte Hansueli Dür.

Einsprachemöglichkeit bleibt

Diese Aussage wird von Peter Hänsenberger gestützt. Falls das Referendumskomitee überzeugt sei, dass ein mögliches Projekt städtebaulich ungenügend sei oder dem Ortsbildschutz nicht genügend Rechnung trage, habe dieses im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens zur Überbauungsordnung Gelegenheit, Eingaben und im Verlauf des weitern Verfahrens Einsprache zu erheben.

Selbst wenn der Stockwerkbonus bei der Abstimmung vom Wochenende kein Thema war, verteidigt Hänsenberger dieses Ins­trument. Bei den Gesprächen mit Investoren stelle er immer wieder fest, dass diese eher bereit seien, einen Architekturwettbewerb durchzuführen, wenn ein Stockwerkbonus die Folge sein könnte. Dies sei also ein probates Mittel, um zusammen mit Investoren eine höhere Qualität von Bauten erzielen zu können, ist Hänsenberger überzeugt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.09.2017, 10:15 Uhr

Artikel zum Thema

«Nicht nur Nachbarn reklamieren»

Burgdorf Architekt Hansueli Dür will die geplante Überbauung auf dem Alpina-Areal verhindern. Diese sei nicht quartierverträglich und störe das Ortsbild. Er verlangt, dass der Bau weniger hoch wird. Mehr...

Schloss Burgdorf an Stiftung übergeben

Burgdorf Der Kanton Bern hat am Samstag das über 800-jährige Schloss Burgdorf einer Stiftung übergeben. Mehr...

Von Uneinigkeit und Zusammenarbeit

Burgdorf Die Burgdorfer Sozialdemokraten feiern ihr gut 100-jähriges Bestehen. Differenzen, Vereinigungen und zahlreiche Errungenschaften prägen die Parteigeschichte. Mehr...

Paid Post

Du bestimmst, wer das Zeug zum Comedian hat

Schweizer Comedy-Talente konnten sich für das Newcomer-Battle im Comedy Club 18 bewerben. Nun startet das grosse Voting!

Kommentare

Blogs

Echt jetzt? Bündner Brücke der Rekorde

Bern & so Spass mit Autos

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Die Welt in Bildern

Kunst auf dem Gesicht: Ein Rohingya Mädchen in der Nähe von Cox's Bazar in Bangladesh hat ein verziertes Gesicht. (17. Dezember 2017)
(Bild: Alkis Konstantinidis) Mehr...