Lauperswil

Raritäten, Ringe und ein Rehgeweih

LauperswilAn den Chumm-u-lueg-Märit kommen die Leute nicht nur zum Schauen. Denn an den 60 Ständen werden Waren verkauft, die auf Dachböden oder in Kellern gelagert wurden.

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«Ich zahle zehn Franken, und das auch nur, weil so schönes Wetter ist», märtet eine Frau. Eigentlich wollte Ruth Mühlemann die sieben kleinen Parfümfläschchen für zwölf Franken verkaufen, aber sie willigt ein.

Nebst Boss, Joop und Chanel-Miniaturen zum Aufstellen stehen auch Teller, Glasschalen, Tassen und zwei noch originalverpackte Pfannen samt Deckeln im Angebot. Letztere möchte Verena Moser, die gemeinsam mit Ruth Mühlemann am Stand steht, an den Koch bringen. «Ich habe die Pfannen gratis bekommen und keine Verwendung dafür.»

Am Sonntag nach Ostern

Die beiden Frauen wohnen in Münsingen und haben für den Markttag in ihren Garagen und Estrichen rumgestöbert, treu der Philosophie des Chumm-u-lueg-Märit in Lauperswil. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung im Jahr 2000, damals unter dem Namen Useputzete. Die Idee dahinter: Gegenstände zu verkaufen, die man selbst nicht mehr benötigt.

Doch Eveline Dubach räumt ein, dass es mittlerweile auch andere Ware zu kaufen gibt. Dubach ist Sekretärin des Ortsvereins Lauperswil, der den Markt organisiert. Der Anlass findet jedes Jahr am Sonntag nach Ostern statt. Aufgestellt sind die Stände, die man jeweils in Langnau holt, beim Schulgebäude und entlang eines Strässchens, das zum Schulhaus führt.

Geld im Voraus

Waren es vor 18 Jahren 15 Stände, sind es aktuell deren 60. «Damit ist das Limit erreicht. Für mehr haben wir nicht Platz», sagt Eveline Dubach, die für die Vermietung der Marktstände zuständig ist. 60 Franken Standmiete stellt der Ortsverein den Händlern in Rechnung.

«Heuer haben wir den Betrag erstmals im Vorfeld per Überweisung eingefordert.» Bislang wurde das Geld jeweils erst am Anlass eingezogen. «Bei schlechtem Wetter kamen die Leute nicht; wir hatten jedoch die Auslagen und die Arbeit mit Aufstellen und Abbrechen gleichwohl», erklärt Dubach, warum jetzt im Voraus eingezogen wird.

Doch heuer herrscht am Markttag schönes Frühlingswetter. Und Eveline Dubach weiss aus Erfahrung, dass bis zum Abend un­gefähr 2500 Besucherinnen und Besucher in Lauperswil gewesen sein werden.

Hunderte Personen besuchten den Märit. Video: Jacqueline Graber

Leere Schnapsflasche

Diese Zahl könnte sogar noch übertroffen werden. Obwohl der Markt offiziell erst um 9 Uhr ­öffnet, füllt sich schon vorher die Marktgasse; denn der frühe Vogel fängt den Wurm. Manch einer hofft auf ein Schnäppchen oder darauf, dass er ein wert­volles Sammelobjekt ergattern kann.

«Mit 60 Markt-ständen ist das Limit erreicht. Für mehr haben wir nicht Platz.»Eveline Dubach, Sekretärin Ortsverein

Susanna Dürig aus Schönbühl wartet gar nicht erst darauf, dass die Kunden ihre Kostbarkeit erkennen, sondern preist sie gleich selbst an. «Meine Trou­vaille ist diese gläserne Schnapsflasche für 50 Franken.» Im Innern steht ein Teufel auf einer Leiter. Je nachdem, wie viel Hochprozentiges sich darin befindet, klettert der Höllenfürst nach oben oder nach unten.

Die Flasche habe einst ihrem Grossvater und danach ihrem Bruder gehört. Doch ihr Bruder sei im letzten Jahr verstorben. Ein Teil der Ware, die sie verkaufe, stamme aus der Wohnungsräumung, erklärt Dürig.

Auch bei Walter Fuhrer aus Schüpbach, der gemeinsam mit seiner Tochter Ursula einen Marktstand betreibt, ist ein Schnäppchen zu machen. Geknüpft an die Bedingung, dass man Kaffeerahmdeckeli sammelt. Ganze vier Ordner hat er mitgebracht. Auch Gläser, Tischlampen, ein Homekino, ein Rehgeweih und einen weissen Teddybären, der rote Kissen mit der Aufschrift «I love you» in den Pfoten hält, bieten sie an.

Zimmer aufgeräumt

Stofftiere hat auch Jamie Schneider aus Signau im Sortiment. Drei Stück hat sie bereits verkauft, plus ein Puzzle und einen Koffer. Das Teuerste, was sie dabeihabe, sei ein Rucksack für 10 Franken. «Bei der Festlegung der Preise hilft mir meine Mama», sagt die Schülerin, die den Stand gemeinsam mit ihrer Kollegin Leana Baumann führt.

«Ich habe extra mein Zimmer aufgeräumt», sagt Jamie, und ihre Mutter Petra Schneider verrät, dass ihre Tochter just am Markttag ihren elften Geburtstag feiern kann. Petra Schneider selber hat den Stand nebenan gemietet und verkauft selbst gemachte Magnete, Ohrschmuck, Halsketten und Buchzeichen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.04.2018, 14:41 Uhr

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