Pro Velo fährt ins Ungewisse

Zum ersten Mal seit Jahren keine Velobörse in Burgdorf, rückläufige Einnahmen und mehrere Wechsel im Vorstand: Der Verein der Radfahrer muss in nächster Zeit wichtige Entscheidungen treffen.

<b>Auch das war Teil der jährlichen Börse:</b> Die Kantonspolizei kontrolliert die Fahrräder.

Auch das war Teil der jährlichen Börse: Die Kantonspolizei kontrolliert die Fahrräder.

(Bild: Andreas Marbot)

Die Einladung zur Mitgliederversammlung verspricht einiges: «Pro Velo Emmental steht an einem Wendepunkt», schreibt der Verein. Das Präsidium und weitere Vorstandsposten müssen neu besetzt werden.

Die Verkäufe an den Velobörsen seien weiter zurückgegangen. «Ohne diese Projekterträge fehlen die Mittel für eine fest angestellte Geschäftsführung im bisherigen Umfang», teilt Pro Velo im Vorfeld der Versammlung vom 21. Februar mit. Wie steht es um den in der Region seit Jahren etablierten Verein wirklich?

Die abtretende Präsidentin Andrea Rüfenacht nimmt zu den aktuellen Herausforderungen von Pro Velo Emmental Stellung. Zuerst ist da die Führung des Vereins: Nach zehnjähriger Vorstandstätigkeit – davon sechs als Präsidentin – tritt Rüfenacht ebenso zurück wie der nicht mit ihr verwandte Ernst Rüfenacht, der sogar zwölf Jahre mitwirkte. Und bereits 2018 hat es einen Abgang gegeben.

Damit verbleiben im Vorstand noch Susanne Deierlein und Fabian Glötzner. Deshalb habe man im vergangenen Jahr begonnen, neue Personen zu suchen. «Wir haben zwei gefunden, die sich zur Wahl stellen», sagt Rüfenacht. Mehr will sie im Vorfeld nicht verraten.

Zu wenig Leute

Wer ihre Nachfolge als Präsidentin oder Präsident antritt, wird erst nach der Mitgliederversammlung geklärt. Denn: Die Statuten von Pro Velo Emmental seien so formuliert, dass die Versammlung den Vorstand wähle, das Gremium sich dann aber selber organisieren könne, erklärt sie.

«Wir sind immer an der Grenze des Machbaren.»Andrea Rüfenacht, Präsidentin Pro Velo Emmental.

Auch wenn sich neue Personen zur Verfügung stellen, betont Andrea Rüfenacht: «Um alle Aufgaben im Verein bewältigen zu können, bräuchten wir noch mehr Leute.» Auf politischer Ebene sei zum Beispiel einiges im Gang, an dem sich Pro Velo beteiligen wolle. «Mit vier Vorstandsmitgliedern sind wir immer an der Grenze des Machbaren.» Je mehr sich engagieren würden, desto besser könnten die Aufgaben verteilt werden.

Das Pensum reduziert

Der zweite Punkt, mit dem die Mitglieder an der Versammlung konfrontiert werden, sind die rückläufigen Einnahmen des Vereins. Geschäftsführerin Franziska Schwab kümmert sich nebst der Administration des Vereins vor allem um Projekte wie die Velofahrkurse und die Velobörse. Die Verkäufe an der jährlichen Börse aber gehen kontinuierlich zurück.

Dieser Trend sei schweizweit festzustellen, sagt Rüfenacht. Und auch bei den Kursen, die Pro Velo Emmental anbiete, seien die Erträge abnehmend. Durch die geringeren Erlöse fehlen immer mehr die Mittel dafür, die Geschäftsführerin zu bezahlen.

Denn bisher sei es so gewesen, dass die 20-Prozent-Stelle durch die Einnahmen der Börsen und Kurse finanziert worden sei und nicht durch die Mitgliederbeiträge, so die Präsidentin. 2018 habe das aber erstmals nicht mehr funktioniert.

Und künftig müsse die Stelle wohl mehr und mehr durch die Obolusse bezahlt werden. «Doch ist das wirklich Sinn und Zweck der Mitgliederbeiträge?», fragt Rüfenacht. Das müsse an der Versammlung diskutiert werden. Als erste Reaktion hat der Vorstand das Pensum um zehn Prozent reduziert.

Rüfenacht sagt, der Vorstand müsse wahrscheinlich im Verlaufe dieses Jahres nochmals diskutieren, wie es ab 2020 weitergehen solle. Sprich: Kann sich Pro Velo Emmental auch künftig eine Geschäftsstelle leisten? Falls nicht, braucht es ihrer Meinung nach mehr Leute, die sich im Vorstand engagieren.

Sie gibt ein Beispiel: Für die Velofahrkurse, die bisher die Geschäftsführerin leitet, braucht es eine Grundausbildung, die vom Dachverband Pro Velo Schweiz angeboten wird. Personen, die also bei den Kursen mithelfen wollen, müssen diese Ausbildung absolvieren.

Fürs Klima

Klar ist im Übrigen: 2019 wird es in Burgdorf erstmals seit vielen Jahren keine Velobörse von Pro Velo geben. Ob später wieder eine durchgeführt wird, kann Andrea Rüfenacht nicht sagen. «Warten wir jetzt einmal die Reaktionen ab.» Wenn viele Leute wieder eine Börse wollten, werde man sie «packen».

Denn es bräuchte deutlich mehr Freiwilligenarbeit, um den Anlass zu organisieren. Rüfenacht findet es auf jeden Fall schade, dass sie dieses Jahr ausfällt, denn «sie ist gute Werbung für den Verein». Immerhin: In Langnau wird Pro Velo zusammen mit der Stiftung Intact am 6. April eine Velobörse durchführen.

«Wir wollen die Sache darstellen, wie sie ist, und nichts beschönigen.»Andrea Rüfenacht, Präsidentin Pro Velo Emmental

Die abtretende Pro-Velo-Vorsitzende hofft angesichts des eher hohen Altersdurchschnitts der Vereinsmitglieder, durch die aktuelle Klimawandeldebatte die nächste Generation für den Verein gewinnen zu können. «Velofahren ist sehr klimafreundlich. Vielleicht können wir davon profitieren und bei dieser Diskussion einsteigen.»

Dabei hat Pro Velo laut Andrea Rüfenacht erstmals in dieser Dringlichkeit auf kommende Herausforderungen hingewiesen. Sie ist nun gespannt auf die Reaktionen an der Versammlung.

«Wir wollen die Sache darstellen, wie sie ist, und nichts beschönigen. Nun hoffen wir, dass möglichst viele Mitglieder kommen und mitdiskutieren, was der Verein künftig noch machen soll und wie.»

Mitgliederversammlung: Donnerstag, 21. Februar, 19 Uhr, Wartsaal-Café, Bahnhof Steinhof, Burgdorf.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt