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Polit-Veteran Dieter Widmer gibt Debüt als Krimi-Autor

Ex-BDP-Politiker Dieter Widmer gibt an den Burgdorfer Krimitagen sein Debüt als Krimi-Autor. Die Krimitage dauern vom 29. Oktober bis 6. November, «Mord auf Verlangen: Endstation Steinhof» lautet das Motto.

Schreiben statt politisieren: An den Burgdorfer Krimitagen gibt Dieter Widmer sein Debüt als Krimi-Autor.
Schreiben statt politisieren: An den Burgdorfer Krimitagen gibt Dieter Widmer sein Debüt als Krimi-Autor.
Andreas Blatter

Er war zwei Jahrzehnte lang bernischer Grossrat, galt als Strippenzieher der Kantonspolitik und wurde mitunter als «achter Regierungsrat» bezeichnet. An den Burgdorfer Krimitagen gibt Dieter Widmer nun sein Debüt als Krimi-Autor.

Nur die Geschichte ist erfunden

Die Geschichte spielt 2011 im Berner Rathaus, im Innenhof wird der Abwart von einem Gipsbrocken erschlagen. Rasch gerät eine Regierungsrätin unter Mordverdacht. Alles reine Fiktion, betont der Autor im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Nun gut: Die Geschichte mag frei erfunden sein, die Handelnden aber sind real existierende Personen.

Dieter Widmer lässt das ganze Polit-Establishment auflaufen, die Namen hat er nur leicht verfremdet. Man muss kein grosser Kenner des Politbetriebs sein, um in der Tatverdächtigen namens «Babette Eggimann» die bernische Baudirektorin Barbara Egger (SP) zu erkennen.

«Wutanfall im Berner Rathaus» erscheint erst im November - ob es Barbara Egger schon zu Gesicht bekommen hat, ist nicht bekannt. Freuen wird sie sich kaum, bei Widmer kommt sie eher schlecht weg. Sie sei dünnhäutig geworden in den letzten Jahren, und wenn sie zornig werde, könne sie sehr ungemütlich werden, heisst es da etwa.

Wer mit der Kantonspolitik vertraut ist, wird sich auch an anderen kleinen Gemeinheiten freuen. Zum Beispiel, dass sich der SP-Volkswirtschaftsdirektor mit den «häufig frisch coiffierten Haaren» rechtzeitig nach Mandaten in der Privatwirtschaft umsah, ehe er mitten in der Legislatur den Bettel hinschmiss.

Sein Parteikollege, der die Gesundheits- und Fürsorgedirektion führt, leidet derweil unter der dominant-pedantischen Baudirektorin. Und zwei Frauen im Kollegium scheinen sich spinnefeind zu sein. Im realen Berner Regierungsrat gibt es mit Barbara Egger und Beatrice Simon genau zwei Frauen, aber wie gesagt: Alles reine Fiktion.

Im Buch findet die grosse Abrechnung nicht in einem Gerichtsaal oder anderswo, sondern im Parlament statt, wenn der Grosse Rat über die Aufhebung der Immunität der tatverdächtigen Magistratin debattiert. Eigentlich schade, dass die Frau aus dem Rathaus stürmt, bevor der BDP-Sprecher das Wort ergreift. Denn dann hätte Dieter Widmer schreiben müssen, was Dieter Widmer zum Fall zu sägen hätte.

Idee von Elisabeth Zäch

In Wirklichkeit nahm Widmers Polit-Karriere 2014 ein abruptes Ende, er verpasste im Zug des BDP-Niedergangs die Wiederwahl. Heute wirkt er als Buchautor, sein erstes Werk «Das unfaire Lebenslaufrad» verkaufte sich gut.

Auf die Idee für den Polit-Krimi brachte ihn Burgdorfs Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch, die als Programmchefin der Krimitage nach Lokalkolorit suchte. Vorgestellt wird das Buch am 4. November im Gemeindesaal am Kirchbühl 9 - also am Schauplatz der Burgdorfer Stadtpolitik. Ein Abwart wurde dort nach allgemeinem Wissensstand noch nie erschlagen.

Bahnhof statt Casino

Die zwölften Krimitage starten am kommenden Samstag. Das Festivalzentrum befindet sich diesmal beim Bahnhof Steinhof. Die Organisatoren gingen bei der Planung davon aus, dass das Casino wegen des Umbaus nicht zur Verfügung stehen würde. Deshalb suchten sie nach einem anderen Spielort.

Nun gibt es Lesungen in ausrangierten Zügen, auf dem Abstellgleis und im Güterschopf. «Mord auf Verlangen: Endstation Steinhof» lautet das Motto, und der heimliche Star ist eine Lokomotive.

Der legendäre Blaue Pfeil der BLS fährt das Publikum durch den kleinen Tunnel bei Burgdorf, den Friedrich Dürrenmatt literarisch verewigt hat. Unterwegs erleben die Passagiere die berühmte Erzählung in voller Länge. Das Rumpeln und Rattern des Zugs dürfte dabei nach und nach bedrohlich und beklemmend werden.

Ungewohnte Formate

Doch nicht nur der Steinhof, ganz Burgdorf steht vom 29. Oktober bis 6. November im Zeichen des Kriminalromans. Der erste Sonntag liefert eine Art Werkschau über das aktuelle Krimischaffen in der Schweiz, unter der Woche stehen die umliegenden Länder im Zentrum, zum Abschluss richtet sich der Fokus auf Skandinavien.

Angeboten werden wie immer Lesungen und Theaterproduktionen, aber auch ungewohnte Formate. Am Regionalgericht Emmental-Oberaargau zum Beispiel zeigen echte Richter, Ankläger und Verteidiger den Ablauf eines Strafprozesses. Auch Polizeispürhunde und Gerichtsmediziner haben an eigenen Anlässen ihren Auftritt.

Weniger Tickets

Die Kehrseite der Krimitage 2016: Die besonderen Kulturlokale fassen weniger Besucher als das Casino-Theater. Es stehen also weniger Tickets zur Verfügung. Trotzdem seien auch dieses Jahr grosse nationale und internationale Namen zu finden, betonten die Veranstalter. Martin Walker, Jorn Lier Horst und Anna Grue sind einige der international bekannten Autoren, die in Burgdorf lesen werden.

Die Burgdorfer Krimitage finden vom 29. Oktober bis 6. November statt. Tickets: Buchhandlung am Kronenplatz, Quickline-Shop oder im Internet unter www.krimitage.ch.

SDA/ngg

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