Hindelbank

Pläne, die nicht alle gut finden

HindelbankDie Flurgenossenschaft möchte im Moos am Erliweg das Drainagesystem erweitern und damit die Fruchtfolgeflächen aufwerten. Doch die Umweltgruppe Hindelbank und Pro Natura sind damit nicht einverstanden.

Vom Brunnen hinüber zum Wald, parallel zur Strasse, würde der vorgeschlagene Graben verlaufen.

Vom Brunnen hinüber zum Wald, parallel zur Strasse, würde der vorgeschlagene Graben verlaufen. Bild: Andreas Marbot

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Die Zuckerrüben sind geerntet und auf dem Feld zu grossen Haufen geschichtet. Auf dem Land daneben wächst die Pflanze Phacelia als Gründüngung. Etwas weiter weg zeigt eine Gehölz­hecke ihre Herbstfärbung, und Steinhaufen bieten Kleintieren und Insekten Unterschlupf.

Die Rede ist vom Moos am Erliweg in Hindelbank. Landwirt Beat Niklaus bewirtschaftet einen Grossteil des Gebiets als Besitzer in zweiter Generation. Wie es eben heute ist, mit entsprechenden Landwirtschaftsmaschinen. Doch das ist heute auf Teilflächen nicht mehr möglich. So steht es nun auch in einer Baupublikation der Flurgenossenschaft Hindelbank, deren Mitglied Beat Niklaus ist.

Wert erhalten

Projektiert ist ein Bauvorhaben, das die Rekonstruktion und die Erweiterung des Drainagesystems im Moos vorsieht und damit die vom Landwirt bewirtschafteten Fruchtfolgeflächen aufwerten soll. «Es geht um die Werterhaltung des Landes und darum, die nassen Stellen wieder befahrbar zu machen», sagt Werner Lehmann, Präsident der Flurgenossenschaft Hindelbank. Vorgesehen sind auf einer Fläche von rund zehn Hektaren unterschiedliche Massnahmen.

So wurden zum Beispiel die bestehenden Sammelleitungen aus Beton mit Kanalfernsehen kontrolliert und als in Ordnung befunden. Insbesondere auch der eingedolte Moosbach, in den schon heute ein Grossteil des Drainagewassers eingeleitet wird. «Diese Aufnahmen machen es erst möglich, weitere Massnahmen zu ergreifen», erläutert der Präsident.

1800 Meter neue Leitungen

Um die Funktion der Drainage im Moos auch in Zukunft sicherzustellen, ist nebst der Reinigung der bestehenden Sammelleitungen der Ersatz der gegen 90-jährigen Entwässerungsrohre wie auch deren Erweiterung geplant. «Insgesamt rechnen wir mit rund 1800 Meter neuen Leitungen», erklärt Werner Lehmann.

Zudem ist vorgesehen, grossflächig sogenannte Drainageschlitze, die mit Rundkies und Splitt gefüllt werden, 60 bis 70 Zentimeter tief einzupflügen. Damit sei es möglich, dass bei zukünftiger maschineller Bewirtschaftung die Drainage intakt bleibt. Zudem beinhaltet das Projekt weiter 290 Meter neue Sammelleitungen sowie zwei zusätzliche Kontrollschächte.

Die Kosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 250 000 Franken. «Wir rechnen im Rahmen der Fruchtfolgeflächen mit Subventionen von Bund und Kanton in Höhe von 50 Prozent», sagt Lehmann. Den Rest wird die Flurgenossenschaft Hindelbank selber aufbringen.

Nicht wirklich begeistert ob der genossenschaftlichen Pläne zeigt sich die Umweltgruppe Hindelbank. «Uns ist es ein Anliegen, dass im Rahmen des Projektes ein Teil des Moosbaches zur Förderung der Biodiversität ausgedolt und renaturiert wird», hält deren Sprecher Martin Bachmann auf Anfrage fest.

Die Umweltgruppe wie auch die Organisation Pro Natura haben deshalb je eine gleichlautende Einsprache gegen das Vorhaben beim Regierungsstatthalteramt Emmental eingereicht. «Unser Vorschlag ist präventiv und wäre mittels Renaturierungsfonds auch finanzierbar», sagt Bachmann. Die Einsprecher können sich auch vorstellen, einen Teil des Moosbachs im Rahmen einer allfälligen Renaturierung an den Erliweg zu verlegen.

Besitzer ist enttäuscht

Enttäuscht über das Vorgehen der Umweltgruppe zeigt sich Landwirt Beat Niklaus. Zumal er selbst Mitglied der Umweltgruppe Hindelbank ist und mitgeholfen hat, auf dem Moos Gehölz­hecken, Blühstreifen und Steinhaufen zur Förderung der Biodiver­sität zu realisieren, und acht Hektaren extensive Wiesen pflegt. «Ich wurde vom Vorstand über die Einsprachepläne nicht informiert», bedauert er. Und weiter: «Als Mitglied hätte ich erwartet, dass vor der Einsprache praktische Lösungsansätze besprochen werden könnten, statt das Projekt nun zu verzögern.»

Beat Niklaus ärgert sich über seine Vereinskollegen.

Es reichte zeitlich nicht

«Leider hat uns die Flurgenossenschaft vorgängig nicht über die Pläne informiert», entgegnet Martin Bachmann von der Umweltgruppe. Weil es galt, die Termine einzuhalten, habe es zeitlich nicht mehr gereicht für vorgängige Gespräche mit dem Landbesitzer.

Wie es nun weitergeht, bleibt derzeit offen. «Von den beteiligten kantonalen Amtsstellen haben wir Signale, dass das Projekt bewilligungsfähig ist», betont Werner Lehmann, Präsident der Flurgenossenschaft.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 10.10.2018, 20:00 Uhr

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