Langnau

Drei Hebammen ohne Geburten

LangnauAls die Geburtenabteilung im Spital Langnau geschlossen wurde, waren drei Hebammen kurz ratlos. Dann machten sie sich selbstständig und eröffneten eine Praxis an der Dorfstrasse 5. Nach 13 Jahren wurde es ihnen dort zu eng.

Vor und nach der Geburt mit Rat und Tat zur Stelle: Karin Stalder, Corinne Brechbühler und Prisca Rindisbacher (von links) beziehen mit ihrer Hebammenpraxis grössere Räume.

Vor und nach der Geburt mit Rat und Tat zur Stelle: Karin Stalder, Corinne Brechbühler und Prisca Rindisbacher (von links) beziehen mit ihrer Hebammenpraxis grössere Räume. Bild: Thomas Peter

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Das Kurslokal ist bereits eingerichtet. Nur die passenden Lampen fehlen noch. «Wir sind noch unschlüssig, wie die Beleuchtung aussehen soll», sagt Prisca Rindisbacher. Die Hebamme steht in ihrem neuen Kurslokal im Emmentalhaus in Langnau. Vorher war in den Räumen ein Kiefer­orthopäde eingemietet. Nun werden Prisca Rindisbacher, Karin Stalder und Corinne Brechbühler Mitte April mit ihrer Hebammen- und Gesundheitspraxis ins Obergeschoss der Raiffeisenbank einziehen.

Bislang waren sie an der Dorfstrasse 5 zu Hause. «Dort wurde es uns zu eng», begründet Rindisbacher den Umzug.Gegründet haben die drei Frauen ihre Praxis im Sommer 2003. Denn damals ging die Geburtenabteilung im Spital Langnau zu. «Die Schliessung kam unerwartet und war ein ziemlicher Schock für uns alle.»

Als Alternative habe man ihnen zwar eine Anstellung im Spital Burgdorf angeboten, erzählt Prisca Rindisbacher. Doch sie sei damals gerade mit ihrem ersten Kind schwanger gewesen, und auch ihre beiden Arbeitskolleginnen Corinne Brechbühler und Karin Stalder hätten den Wechsel abgelehnt.

Geburten in der Notaufnahme

Stattdessen wagten die drei Frauen gemeinsam den Weg in die Selbstständigkeit. Sie hätten jedoch nicht bei null anfangen müssen. «Wir haben bereits während unserer Anstellung im Spital Langnau auf eigene Rechnung Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse angeboten und Wöchnerinnen daheim begleitet.» Zudem hätten Ärzte, Kinderärzte und auch Politiker sie in ihrem Vorhaben, in Langnau eine eigene Hebammenpraxis aufzubauen, bestärkt, erinnert sich die heute 46-Jährige.

In den Anfangsjahren arbeiteten sie zusätzlich als Beleghebammen in den Spitälern Münsingen und Burgdorf. Mit anderen Worten: Sie begleiteten die Frauen nicht nur während der Schwangerschaft und nach der Geburt, sondern waren auch bei den Geburten in den beiden Spitälern dabei. «Manchmal ging es aber so schnell, dass es nur noch in die Notaufnahme des Spitals Langnau reichte und das Kind dort zur Welt kam», erinnert sich Rindisbacher.

Weil alle drei im Laufe der Zeit selber Mütter wurden und sie als Beleghebammen rund um die Uhr hätten zur Verfügung stehen müssen, stellten sie ihre Begleitung während der Geburten in den Spitälern ein. Leicht machten sie sich diesen Entscheid nicht: «Wir fragten uns schon, wie unsere Arbeit ohne Geburten aussehen soll. Denn schliesslich sind wir Hebammen», sagt Rindisbacher.

Die Krankenkasse bezahlt

Obwohl sie nicht mehr im Gebärsaal stehen, haben die Frauen den Entscheid nie bereut. Das Hebammensein habe «viele weitere schöne Seiten», sagt Rindisbacher. So beinhaltet es unter anderem auch die Betreuung der Familien, die sich nach der Geburt des Babys zu Hause eingewöhnen. «Seit letztem Jahr zahlt die Krankenkasse in den ersten acht Wochen bis 16 Hausbesuche. Beim zweiten Kind sind es bis 10.» Diese Regelung sei vielen Frauen gar nicht bekannt, stellt Prisca Rindisbacher fest.

Weiter bieten die Hebammen Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse, Babymassage und Yoga an, unterstützen die Frauen beim Stillen und der Ernährung der Babys. Zudem können die werdenden Mütter Schwangerschaftskontrollen in der Hebammenpraxis durchführen lassen. Und nicht selten begleiten die Hebammen Frauen, die Beschwerden haben, während der Schwangerschaft. «Dieses Angebot basiert auf einer guten Zusammenarbeit mit den Ärzten», betont Rindisbacher.

In den letzten Jahren haben die drei Frauen ihre Hebammen- zur Hebammen- und Gesundheitspraxis erweitert. Denn inzwischen bieten sie auch Massagen, Craniosakraltherapie und Akupunktur an. Die Angebote würden rege genutzt, sagen sei. Deshalb sei das ursprüngliche Dreierteam vergrössert worden.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 07.04.2016, 21:41 Uhr

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