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Nur die Wasserräder drehen noch

Bis ins 20. Jahrhundert trieb der Kappelenbach Wasserräder an, die von Müllern, Wagnern und Sägern gewerblich genutzt wurden. Heute dienen die Anlagen noch zur Stromproduktion, wenn sie nicht stillgelegt oder abgebaut wurden.

Das Wasserrad der Sägerei Kappelen wird heute nicht mehr zur Produktion genutzt, sondern treibt zur Stromerzeugung einen Generator an.
Das Wasserrad der Sägerei Kappelen wird heute nicht mehr zur Produktion genutzt, sondern treibt zur Stromerzeugung einen Generator an.
Thomas Peter
Mehreren Wagnern war dieses Wasserrad zuhinterst im Tal am Kappelenbach während Jahrzehnten eine Arbeitshilfe.
Mehreren Wagnern war dieses Wasserrad zuhinterst im Tal am Kappelenbach während Jahrzehnten eine Arbeitshilfe.
Thomas Peter
Wann die Mühle Wynigen den Betrieb einstellte, ist nicht bekannt.
Wann die Mühle Wynigen den Betrieb einstellte, ist nicht bekannt.
Thomas Peter
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«Ein ‹Millionenbach› war der Kappelenbach nie. Aber er gab denjenigen, die ein Gewerbe betrieben, Arbeit und Verdienst», resümiert Trudi Kohler. Sie schrieb für das «Burgdorfer Jahrbuch 2016» einen Beitrag zum Thema «Alte Mühlen in und um Wynigen».

Der Wasserlauf, der sein Quellgebiet bei Eggerdingen in der Gemeinde Affoltern hat, ist wahrlich nicht mit dem Aabach im Zürcher Oberland vergleichbar. «Millionenbach» wurde Letzterer wegen der vielen reich gewordenen Textilbarone genannt, welche die Maschinen ihrer Fabriken mit Wasserkraft betrieben. Der Kappelenbach aber hat kaum einen Wyniger Handwerker zum Millionär gemacht.Voraussetzungen für den Bau einer Mühle waren eine Konzession sowie die Gewissheit, dass ein Bach während des ganzen Jahres genügend Wasser führte.

Doch bereits im Jahr 1470 kam es zu einem Streitfall. Entschieden wurde, dass von der Wassermenge des Kappelenbachs zwei Drittel in den Wynigenbach zur Mühle nach Koppigen und ein Drittel durch die Önz abfliessen sollte. 45 Jahre später stritten sich die Nutzer des Wassers erneut. Sebastian von Diesbach, Berner Schultheiss zu Burgdorf, bemühte sich nach Wynigen, um die Auseinandersetzung zwischen den Mühlebesitzern von Alchenstorf und Koppigen sowie den Wyniger Bauern zu schlichten.

Letztere hatten verbotenerweise Wasser zum Bewässern ihrer Wiesen abgezweigt. Die Bauern seien daraufhin ange­wiesen worden, schreibt Trudi Kohler, «sowohl bei Trockenheit wie auch bei ‹Gfrörne› das Wasser ungehindert zu den Mühlen Ober- und Niederösch abfliessen zu lassen».

Das Veto des Müllers

Bei ihrer Suche nach Mühlen am Kappelenbach ist die in Wynigen heimatberechtigte Autorin Trudi Kohler mehrfach fündig geworden. Ganz zuhinterst im Tal, unterhalb des Hofes Chrusen, wurde während Jahrzehnten eine Wagnerei betrieben. Erster Konzessionsnehmer war im Jahr 1897 der Küfer Christian Bracher. In der Folge wurde das Wasserrad am Kappelenbach von mehreren Wagnern als Arbeitshilfe genutzt. Die 1989 renovierte Anlage wird heute von Besitzer Max Wälchli nicht mehr für den Maschinenantrieb, sondern zur Stromproduktion für den Eigenbedarf ­genutzt.

Der Bau der Mühle in der Grossmatt ging nicht so schnell vonstatten, wie sich die Initianten dies vorgestellt hatten. Als die Bauern von Breitenegg im Jahr 1642 ein Gesuch für einen Mühlenbau in Kappelen stellten, «weil der Weg ins Dorf zu mühsam sei», wehrte sich der Müller der Mühle Wynigen, Hans Bösiger, gegen die Konkurrenz am gleichen Bach.

Für den Verzicht auf die alleinige Nutzung des Wassers erhielten die Besitzer der Mühle Wynigen vom Staate Bern eine Entschädigung von 2000 Franken, sobald die Mühle von Johann und Ulrich Brand in Kappelen den vollen Betrieb aufnehme. Bis etwa 1987 wurde Futtermehl hergestellt. Das Wasserrad und der Kanal sind heute nicht mehr vorhanden. Die ­ehemalige Turbine funktioniert nicht mehr, und das Wasserrecht wurde im Jahr 2001 gelöscht. Noch vorhanden ist laut Trudi Kohlers Recherche das Mühlengeschirr.

Strom für Warmwasser

Wo die Bäche Gitzer und Chemmeribach zusammenfliessen, wurde die Wasserkraft einst ebenfalls genutzt. Andreas Friedli, Wagner in der Haselmatt, war der erste Konzessionsnehmer. Als Folge der Bestimmungen zur Restwassermenge musste die Stromproduktion mittels Generator allerdings eingestellt werden. Die Konzession wurde im Jahr 1998 gelöscht. Der alte ­Mühlenkanal und die Zuleitung zum Wasserrad sind zwar noch heute sichtbar, das Wasser fliesst jedoch ungenutzt in den Kappelenbach.

Wuchtig und noch immer in Betrieb ist das Wasserrad der Sägerei Kappelen. Dieses ist 93 Zentimeter breit, hat einen Durchmesser von 4,75 Metern und treibt einen Generator zur Stromproduktion für den Eigenbedarf an. Das Rad dreht sich zwar nur viereinhalb Mal pro Minute, mittels Übersetzung werden jedoch 750 Umdrehungen erreicht. Besitzer Fritz Schäfer nutzt den erzeugten Strom zur Warmwasseraufbereitung. Die ersten Konzessionen wurden 1626 und 1737 erteilt, 1871 bewilligte der Regierungsrat eine Sägekonzession. Die Anlage wurde im Jahr 2001 renoviert.

In welchem Jahr die Mühle Wynigen den Betrieb aufnahm, konnte Lokalhistorikerin Kohler nicht genau eruieren. In den Urkunden von 1470 und 1515 werde keine Mühle genannt, die Wasser gebraucht hätte. Sicher werde die Mühle Wynigen aber im Jahr 1582 bestanden haben. 1643 wurde eine Konzession für eine Reibe und 1705 eine weitere für eine Öle erteilt. Ein Teil der Wasserkraft wurde ab 1915 zur Beleuchtung der Mühle sowie der Nachbarhäuser genutzt. Seit 1978 wird auf die Nutzung des Wasserrechts verzichtet. Wann die Mühle Wynigen letztmals in Betrieb war, ist nicht bekannt.

Turbine statt Mühlerad

Aus dem Dorfbild verschwunden ist die Sägerei Hug. In den Jahren 1774 und 1865 erhielt diese Konzessionen für den Betrieb einer Säge, zweier Fräsen und einer Hobelmaschine. 1948 erklärte sich Gottfried Hug mit der Löschung des Wasserrechts an der Önz einverstanden. Die Sägerei stand dort, wo sich heute der Parkplatz des Friedhofs befindet.

Teil der Recherche von Trudi Kohler ist auch die Geschichte der Mühle Alchenstorf, die in der Urkunde zum Wasserstreit von 1515 erwähnt wurde. Den heutigen Bau hatte der Gemeindepräsident von Höchstetten, Ulrich Kaderli, im Jahr 1623 erstellen lassen. 1919 musste das Mühlerad einer Turbine weichen. Noch heute wird in der ehemaligen Mühle Strom produziert und ins Netz eingespeist.

Quelle:«Burgdorfer Jahrbuch 2016»

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