Nur das Schleifen der Räder macht Lärm

Worblaufen

Was in Worblaufen in verschiedenen Depots rund um den Bahnhof gemacht wird, soll in einigen Jahren in einer grossen Halle in Bätterkinden geschehen: das Abstellen, Warten und Reinigen von RBS-Zügen. Ein Augenschein.

  • loading indicator
Tobias Granwehr

Auf dem Rundgang über das Areal des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) in Worblaufen fällt etwas sofort auf: Die Lage der vier Depots (siehe Situationsplan) und die Platzverhältnisse darin sind nicht ideal. Zwar sagt Felix Hofer, Leiter Rollmaterial und Mitglied der RBS-Geschäftsleitung, das sei nicht die eigentliche Motivation für einen Depotneubau in Bätterkinden. Dass Verbesserungen in den Arbeitsabläufen nötig sind, ist für ihn aber ebenso klar.

In Worblaufen werden Züge des RBS abgestellt, wenn sie ge­rade nicht im Einsatz sind. Zudem werden dort Wartungs-, Unterhalts- und Reinigungsar­beiten erledigt. Weil die Nach­frage im Personenverkehr stetig ansteigt, auch der RBS sein An­gebot erhöhen muss und es künftig längere Züge geben wird, braucht das Transportunternehmen mehr Platz. Deshalb will es in Bätterkinden ein neues Depot bauen (siehe Kasten).

Die Hauptachse überqueren

In Worblaufen befinden sich je zwei Depots auf beiden Seiten des Bahnhofs. Laut Hofer bedeutet das: Wird ein Fahrzeug vom Depot 4 ins Depot 1 verschoben, muss die Hauptlinie des RBS passiert werden. «In den Stosszeiten am Morgen und am späten Nachmittag ist das fast nicht möglich», sagt der Leiter Rollmaterial. Ein weiterer Nachteil: Es können nicht alle Depots direkt von vorne angefahren werden.

Um ins Depot 2 zu gelangen, muss ein Zug zuerst Richtung Depot 1 gefahren werden, danach muss er wieder die Richtung wechseln und kann dann ins Depot 2 rollen. Diese zusätzlichen Manöver seien ineffizient und somit auch ein Kostenpunkt, so Hofer.

Das Problem der Zufahrt könnte sich zwar auch in Bätterkinden stellen. Je nachdem, wo das Gebäude genau gebaut würde, müssten die Züge ebenfalls zuerst hinter das Depot fahren, um dann hineinrollen zu können. Doch rechnet Hofer damit, dass in Bätterkinden deutlich weniger Manöver nötig wären. Derzeit sei geplant, das Depot in den Windschatten der Kartoffelzentrale zu bauen. Die Zufahrten seien aber noch Gegenstand von Abklärungen. «Das möchten wir auch zusammen mit der Gemeinde und allenfalls mit der Interessengruppe diskutieren.»

Wenn das Wasser gefriert

Doch zurück nach Worblaufen: Bei der Waschanlage stutzt der Besucher kurz: Sie ist zwar überdacht, aber nicht auf allen vier Seiten geschlossen. Depotleiter Erwin Läderach bestätigt, dass das im Winter durchaus zum Problem werden kann: «Ist es sehr kalt, können wir die Waschanlage nicht brauchen.» Das Wasser würde während der Reinigung gefrieren. Es sei auch schon vorgekommen, dass die Züge deshalb über längere Zeit hinweg nicht mehr gewaschen werden konnten. Das beeinträchtige zwar den Betrieb des RBS nicht, doch störend sei es allemal, sagt Läderach. In einem neuen Depot wäre die Waschanlage natürlich komplett geschlossen, stellt Felix Hofer klar.

Depot 1 ist das Kernstück

Weiter geht es ins Depot 1 – das eigentliche Kernstück des Areals. Hier werden die Züge gewartet. Erstaunlich ruhig ist es in der Halle. Wer lärmintensive Tätigkeiten erwartet, täuscht sich. ­Jeweils zwei Angestellte arbeiten fast unbemerkt an einer Zug­komposition. Dabei gibt es laut Läderach drei Ebenen: das Dach, das Fahrzeuginnere und die Unterseite. Einer der Mechaniker an diesem Morgen ist Philipp Gerber. Er kontrolliert auf dem Dach die Batterien und Kompressoren. Diese brauche es zum Beispiel für die pneumatische Federung oder zum Heben der Stromabnehmer, so Läderach.

Später führt Gerber die Sicherheitskontrolle des Führerstandes durch. Funktionieren die Bremsen und das Licht? Lassen sich ­alle Türen öffnen, sind die Lautsprecherdurchsagen richtig eingestellt? Funktioniert das Zug­sicherungssystem, das entscheidend ist für die Sicherheit auf der Strecke? «Geht zum Beispiel bei einem Bahnübergang eine Schranke nicht runter, sorgt das System dafür, dass der Zug automatisch angehalten wird», erklärt Läderach.

Sand auf den Schienen

Schliesslich wird auch der Unterbau der Züge genau kontrolliert. Gerber muss zum Beispiel Sand nachfüllen. Was einen eher an Sommerferien denken lässt, ist gerade in dieser Jahreszeit von grosser Bedeutung. Läderach: «Wenn die Blätter von den Bäumen fallen und auf den Schienen liegen bleiben und es dazu noch feucht ist, wirkt das wie Schmierseife.»

Was die Autofahrer kennen, ist auch dem Zugführer ein Graus. Doch mit dem Sand kann er Abhilfe schaffen. Mittels Knopfdruck kann er ihn auf die Schiene streuen, um ein Rutschen des Zuges zu verhindern.

Im Depot 1 fallen die engen Platzverhältnisse sofort auf. Ursprünglich wurden nur sogenannte Gruben gebaut, weil sich die Kontrolle früher fast ausschliesslich auf den Unterboden beschränkt habe, so Läderach. Weil die neue Generation der Züge aber Niederflur ist – das Einsteigen ist so ohne zusätzliche Stufen möglich –, befinden sich die Fahrzeugkomponenten auf dem Dach.

Damit dort gearbeitet werden kann, braucht es eine Hocharbeitsbühne. Diese musste im Depot nachträglich eingebaut werden. Dadurch ist es aber noch enger geworden. Zudem wurden laut Läderach auch die Züge breiter, was zwischen den Gleisen ebenfalls zu Platzmangel führt.

Die Unterflurdrehmaschine

Die technisch interessanteste Anlage befindet sich in Depot 4: die Unterflurdrehmaschine. Damit werden die Räder der Züge «reprofiliert», wie Felix Hofer sagt. So werden Flachstellen an Rädern ausgebessert. Er erklärt, wie es dazu kommen kann: «Züge haben ähnlich wie Autos ein Antiblockiersystem, das verhindern soll, dass sie ins Rutschen geraten.

Es kann aber trotzdem passieren, dass die Bremsen blockieren und der Zug rutscht. Dann gibt es Flachstellen am Rad.» Das höre man, wenn der Zug fahre: Es sei aber kein Quietschen, sondern ein Klopfen, so Hofer. «So etwas wollen wir natürlich möglichst schnell korrigieren.» Deshalb werden betroffene Kompositionen ins Depot 4 beordert.

Seit mehr als hundert Jahren ist der RBS in Worblaufen stationiert. Weil der Platzbedarf immer weiter gestiegen ist, wurde Halle um Halle erweitert. Nun ist es aus Sicht des RBS Zeit für den nächsten Schritt. Ziel ist es, all die beschriebenen Arbeiten in einem neuen, modernen Depot ausführen zu können – möglichst auf der Leimgrube in Bätterkinden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt