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Nur das Restaurant darf bleiben

Alles wird neu beim Bahnhof Steinhof: Was vielversprechend klingt, erfreut die Mieter der alten Liegenschaften nicht. Schliesslich werden die jetzigen Gebäude fast alle abgerissen.

Dieses Gebäude?verschwindet dank der Denkmalpflege nicht.
Dieses Gebäude?verschwindet dank der Denkmalpflege nicht.
Andreas Marbot
Die heutige Situation im Quartier.
Die heutige Situation im Quartier.
bz
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In neuem Glanz soll das Areal beim Bahnhof Steinhof erstrahlen. Q34 lautet der Name der Überbauung. Eine solche Abkürzung lässt Raum für Interpretationen und klingt modern. Ganz simpel ist aber die Bedeutung: Es ist ein Zusammenzug aus «Quartier» und der Burgdorfer Post­leitzahl. Doch soll nicht nur die Moderne Einzug halten. Auch eine geschichtsträchtige Atmosphäre mit einem gewissen Flair von Eisenbahnnostalgie werde herrschen. So schilderten es die Grundeigentümer und Architekten, als sie das Projekt am 8. November vorstellten.

Schon bald Geschichte

Ob die schimmernden Fassaden besonders geschichtsträchtig wirken werden, sei dahingestellt. Schon bald Geschichte werden jedenfalls die Gebäude sein, die heute dort stehen. Dazu gehören der Bahnhof, der Kulturschopf und die Häuser entlang der Bernstrasse (siehe Grafik). Nicht gerade erfreut darüber sind die Mieter. «Ich finde es sehr schade, dass die Gebäude abgerissen werden und Luxusbauten hinkommen», sagt Sibylle Müri. Sie ist Inhaberin des Veloegge an der Bernstrasse 73. Die Lage hier sei ideal für ihr Fahrradgeschäft. Denn es habe viele junge Familien im Quartier, die bei ihr Kunden seien.

«In der neuen Überbauung findet die Jugendarbeit keinen Platz mehr.»

Nicole Chen, Jugendbeauftragte

Luxuswohnungen wollen die BLS Immobilien AG, die Bonainvest AG und die Selvam GmbH gemäss eigenen Angaben nicht bauen. «Das Ziel der Grundeigentümer ist es, die Wohnungen im mittleren Preissegment vermieten zu können», schreibt Helene Soltermann, Mediensprecherin der BLS AG, auf Anfrage. Wie hoch die Mieten genau sein ­würden, könne man derzeit noch nicht sagen. Der Ausbaustandard und die Grundrissgestaltung würden erst in der weiteren Planung festgelegt, so Soltermann.

Ungeachtet der Mietpreise kann sich Yvonne Moser den Einzug ins neue Quartier nicht vorstellen. Sie ist Leiterin der Ludo­thek an der Bernstrasse 71. «Wir brauchen auch während der Bauphase einen Raum», sagt sie. Man suche nach einer definitiven Lösung. Dass sie rausmüssten, sei schon längere Zeit klar. «Doch wussten wir nicht, wann es so weit sein wird», sagt Moser. Jetzt liege zumindest ein ungefährer Zeitplan vor.

Im Januar 2020 soll nämlich der Bau beginnen, im Januar 2023 soll er abgeschlossen werden. «Wo es dann hingeht, wüssten wir gerne», sagt auch Martin Wälti, Geschäftsleiter der Stiftung Intact. Diese betreibt ein Restaurant mit Mahlzeitenlieferservice sowie eine Wäscherei im alten Bahnhofsgebäude. Bis das Gebäude abgerissen werde, wolle man jedenfalls noch drinbleiben. Denn der alte Wartsaal habe einen ganz besonderen Charme.

«Das Ziel der Grundeigentümer ist es, die Wohnungen im mittleren Preissegment vermieten zu können.»

Helene SoltermannMediensprecherin BLS AG

Ebenso muss der Jugendraum im Kulturschopf weichen. «In der neuen Überbauung findet die Jugendarbeit keinen Platz mehr», sagt Nicole Chen, Jugendbeauftragte der Stadt Burgdorf. 2018 wolle man nun überprüfen, ob es in dieser Ecke von Burgdorf überhaupt noch einen Jugendtreff brauche. Die Räumlichkeiten werden heute nur noch von der Jugendarbeit genutzt. Der Verein Kulturschopf hat sich bereits in diesem Sommer aufgelöst.

Nur ein Haus bleibt

Das Restaurant Steinhof hingegen bleibt stehen. Seit April wird das Restaurant von Hayri Cgrahan geführt. Der vorherige Wirt, Ismail Faraj, musste Konkurs anmelden. Cgrahan hat das Angebot trotzdem nicht gewechselt. «Wir bieten nach wie vor Pizza, Kebab und asiatische Gerichte an», sagt Cgrahan.

Besitzer der Liegenschaft ist Selvam Thuraisingam, dem der gleichnamige Mietautoservice gehört. Seine Büros befinden sich in den hinteren Räumen des ­Restaurantgebäudes. Dieses ist denkmalgeschützt und darf somit nicht abgerissen werden. Der weisse Anbau hinter dem Restaurant soll jedoch rückgebaut werden. Dort wird eine der Neubauten entstehen. Einen Teil seiner Autos plant Thuraisingam dann in seine unterirdische Garage zu verlagern. «Wir werden den Standort in Burgdorf nebst jenem in Langnau weiter betreiben.»

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