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Not-OP für den «Gugu-rilla»

Vielerorts gibt es bereits Repair-Cafés – nun können auch in der Emmestadt defekte Gegenstände gratis repariert werden lassen. Initiiert hat das Projekt die Gymnasiastin Natalie Stalder im Rahmen ihrer Maturarbeit.

Albert Ernst hat sich eines Patienten aus Plüsch angenommen.
Albert Ernst hat sich eines Patienten aus Plüsch angenommen.
Olaf Nörrenberg

Konzentriert beugt sich Albert Ernst über den offenen Bauch eines braunen Spielzeugaffen und sucht nach lockeren Drähten am Motor. «Das ist mein ‹Gugu-rilla› und er kann singen und eigentlich dazu das Maul auf und zu machen», erklärt sein Besitzer, der achtjährige Andreas Zuber.

Eigentlich – denn genau diese Fähigkeit ist dem kuscheligen Liebling von Andreas abhandengekommen. Deshalb gibt sich der ehemalige Elektroingenieur Albert Ernst sehr viel Mühe mit dem Billigimport aus Asien.

Nach langem Pröbeln und Werkeln mit neu fixierten Drähten und verbesserter Aufhängung des Motors im Affenbauch ertönt tatsächlich eine Arie samt «Mundbewegungen». Andreas hat die Reparatur interessiert mit einem Stück Schoggikuchen als Verpflegung mitverfolgt.

IT-Spezialisten gesucht

Der junge Andreas Zuber war einer der Besucher des neu geschaffenen Repair-Cafés. So heisst der Reparaturservice, der von Natalie Stalder im Rahmen ihrer Maturarbeit auf die Beine gestellt worden ist. Die junge Frau hat beschlossen, konkret gegen Abfallberge und Ressourcenverschleiss vorzugehen und es zu ermöglichen, defekten, aber nichtsdestotrotz geliebten Alltagsprodukten neues Leben einzuhauchen.

In nur drei Monaten suchte und fand Natalie Stalder den kostenlosen hellen Raum vom Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) an der Kirchbergstrasse beim Bahnhof, handwerklich versierte Freiwillige und Helfer für die Administration und die Kaffeestube.

Noch sucht die junge Frau Softwarespezialisten sowie Laptop- und Handykenner. Werkzeuge und Maschinen werden von den Fachleuten gebracht, Flickmaterial muss besorgt und bezahlt werden. Die Arbeit ist gratis, doch ein Kässeli steht bereit.

Für jede Reparatur werden die Artikel samt Defekt erfasst, und Erfolg oder Misserfolg wird vermerkt. Dieses Vorgehen entspricht schweizweit demjenigen der übrigen Repair-Cafés, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Konsumentenschutz in den letzten Jahren entstanden sind.

An der Pfaff-Nähmaschine lässt die junge Sarah Rüegg einen schwarzen Wintermantel unter dem Nähfüsschen durchflitzen. Besitzerin Rahel Kobel wollte eigentlich nur wissen, wie das zerrissene Mantelfutter schön zu flicken sei. Doch da der Andrang bei der Schneiderin nicht gross ist, nimmt sich Sarah Rüegg das Lieblingsstück gleich vor.

«Das ist grossartig geworden», freut sich Rahel Kobel, die ausser neuem Futterstoff nichts hat beisteuern müssen. Sie hat noch mehr mitgebracht: einen defekten Telefonbeantworter, auf dem eine uralte Ansage ihres Göttibuben gespeichert ist, Schuhe mit abgerissener Sohle und ein havariertes Brillengestell.

Ein Dübel für den Hammer

An seinem Arbeitstisch spannt Martin Krebs einen gespaltenen Hammerstiel in die kleine Werkbank, bohrt ein Loch und setzt den richtigen Dübel – und schon ist der Hammer fachmännisch repariert. Auch die lockeren Beine eines mitgebrachten Tisches hat der Hobbyschreiner mit gezielten Schlägen verankert und arretiert.

Am Nebentisch zieht Léanne Stalder, die jüngere Schwester von Natalie Stalder, erstmals selber ihrem Velorad neue Schläuche und Pneus über. «Wir haben das Material gekauft und das benötigte Werkzeug zum Brauchen erhalten», erzählt ihr Vater.

Nächste Termine Repair-Café: Samstag, 17.Oktober, und Samstag, 6.November, jeweils von 10 bis 16 Uhr an der Kirchbergstrasse 21 in Burgdorf.

natalie.stalder@gymburgdorf.ch

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