Burgdorf

Noch stehen die Turbinen still

BurgdorfGleich drei Baustellen sind der Grund, weshalb die acht Kleinwasserkraftwerke heuer in Burgdorf während zweier Wochen statt nur einer keine Energie produzieren. Ab Samstag laufen die Anlagen wieder auf Hochtouren.

Der Dorfbach wurde gestaut, damit die Bauarbeiten im Untergeschoss des Postgebäudes Burgdorf im Trockenen ausgeführt werden können.

Der Dorfbach wurde gestaut, damit die Bauarbeiten im Untergeschoss des Postgebäudes Burgdorf im Trockenen ausgeführt werden können. Bild: Thomas Peter

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Das 4,6 Kilometer lange Kanalnetz der Stadt Burgdorf wird einmal pro Jahr eine Woche lang von Schlamm und Müll gereinigt. Die Mitglieder der Genossenschaft Wasserkraftwerke Burgdorf nutzen den sogenannten Bachabschlag meist für Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten an Gebäuden und Maschinen. In dieser Zeit fliesst nur etwa ein Zehntel der üblichen Wassermenge von 5000 Litern pro Sekunde durch das Kanalsystem – gerade so viel, dass Fische, Krebse und andere Wassertiere überleben können.

Für die sieben Genossenschafter, welche die acht Kleinwasserkraftwerke betreiben, hat der einwöchige Bachabschlag einen ebenso langen Produktionsausfall zur Folge. In diesem Jahr ­stehen die Turbinen sogar zwei Wochen still. Der Grund: Wasserbaupflichtige Grundstückeigentümer nutzen den niedrigen ­Wasserstand für Arbeiten am Gerinne.

Obwohl es nicht einsturzgefährdet ist, saniert der Kanton Bern unterhalb des Schlossfelsens das Gewölbe des Kanals, der bei der Einmündung der Heimiswilstrasse in die Sägegasse/Emmentalstrasse unter der Kantonsstrasse durchfliesst. Gemäss Wasserbaugesetz sind Grundstücksbesitzer dann für den Unterhalt des Kanals verantwortlich, wenn dieser überdeckt ist. Bei offenen Gewässern sind die Gemeinde oder der Kanton wasserbaupflichtig.

Das Kanalnetz wird gepflegt

Zwei weitere Baustellen im Kanalbereich sind beziehungsweise waren in der Innenstadt. Auf der Höhe des Restaurants Milano Nord wurde das Wasser gestaut, damit die nötigen Arbeiten an der Post im Trockenen ausgeführt werden konnten. Gleiches traf auf die ehemalige Kraftwerkanlage der Firma Schmid & Cie. Burgdorf AG zu, die seit 1985 nicht mehr in Betrieb ist.

Nach 83 Jahren wurde die Turbine der ehemaligen Leinenweberei aus technischen sowie Betriebs- und Sicherheitsgründen stillgelegt. Dies war das Aus für das erste von neun Burgdorfer Kleinwasserkraftwerken. Übrigens: Dem 1929 erbauten Wasserkraftwerk bei der Firma Stanipac am Hasleweg hätte das gleiche Schicksal gedroht. Doch die Firma Febacom AG des Burgdorfer Unternehmers Hans Ulrich Flückiger kaufte das Kraftwerk und liess es erneuern.

Stillstand heisst Verlust

Die Stadt Burgdorf nutzt den alljährlichen Bachabschlag auch dazu, Geschiebe aus dem Kanal zu baggern. Denn aus dem Gebiet Lauterbach führt das Gewässer eine so grosse Menge Sand mit, dass mit der Zeit die Sohle des Bachbetts angehoben wird. Dadurch wäre sonst der Hochwasserschutz nicht mehr gewährleistet. Zudem werden entlang der Ufer des Bachlaufs Büsche und Bäume zurückgeschnitten. Dass es heuer gleich drei Baustellen im Bereich des Kanalnetzes gegeben habe, sei aussergewöhnlich, sagt Paul Kauz.

Gleich drei Bau­stellen in einem Jahr sind ausser­gewöhnlich.

Der Maschinen­ingenieur, der als Spezialist für Wasserkraftwerke bei den BKW arbeitet, ist seit gut drei Jahren Präsident der Genossenschaft Wasserkraftwerke Burgdorf. Wahrscheinlich sei, dass die Bauverantwortlichen aufwendigere Arbeiten koordinieren, also zur selben Zeit ausführen würden. Dies mit gutem Grund: Wenn die Turbinen statt einer Woche zwei Wochen stillstehen müssen, bedeutet dies für die Genossenschaft einen Produktionsverlust, der den Verursachern in Rechnung gestellt wird. Diese Kosten können demnach heuer auf mehrere Parteien aufgeteilt werden. Die Konzession sieht für die acht Burgdorfer Kleinwasserkraftwerke eine Leistung von 691 Kilowatt vor.

Keine Revision nötig hatte in diesem Jahr das Kleinwasserkraftwerk der ehemaligen Wollzwirnerei Bucher an der Polieregasse. Dies, weil die 1946 gebaute Kaplan-Turbine im Juni durch eine Maschine gleicher Bauart ersetzt worden war. Erstaunlich ist, dass der Wirkungsgrad der neuen Turbine nur maximal 2 Prozent besser ist als jener der vor mehr als siebzig Jahren konstruierten Anlage. Den Unterschied macht jedoch der neue Generator aus. Dieser hat einen Wirkungsgrad von rund 96 Prozent, was einem Plus von 6 bis 7 Prozent entspricht. Die Maximalleistung der Turbine kann damit von 44 auf 50 Kilowatt erhöht werden.

Bachabschlag zu Ende

Ab Samstag wird das primär mit Wasser aus der Emme und dem Lauterbach gespeiste Kanalnetz der Stadt wieder dafür sorgen, dass die acht Turbinen der Genossenschaft Wasserkraftwerke Burgdorf sauberen Strom produzieren können. Der nächste Bachabschlag wird ab Samstag, 8. September 2018, beginnen und gemäss aktueller Planung eine Woche dauern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.09.2017, 06:12 Uhr

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