Noch eine Hürde für das Casino-Theater

Burgdorf

Mit der Gesamtsanierung des Burgdorfer Casino-Theaters soll es jetzt vorwärtsgehen. Falls es gegen das nun publizierte Vorhaben keine Einsprachen gibt, kann der Umbau im Herbst beginnen.

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145 Jahre nach der Einweihung des Casino-Theaters in der Burgdorfer Oberstadt soll nun die ­Gesamtsanierung in Angriff genommen werden. Dass es vorwärtsgeht, zeigt sich im jetzt publizierten Baugesuch. Die Finanzierung des 13,2-Millionen-Franken-Projekts ist gesichert. Und mit dem Ja des Stadtrates im Dezember letzten Jahres zur Umzonung des Casinos in die neu ­geschaffene Mischzone Altstadt Kultur wurde ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einem zeitgemässen Betrieb getan.

Dies, weil dank der Zonenänderung die Lärmobergrenze von den bisher geltenden 83 Dezibel auf neu 88 erhöht werden kann. Weitere 10 Dezibel würden dem Casino-Theater gutgeschrieben, wenn die Regierungsstatthalterin das Lokal als Objekt von übergeordnetem öffentlichen Interesse einstufen und der Verwaltungsrat des Casinos glaubhaft darlegen könnte, dass der Charakter des Betriebs nach dem Umbau gleich bleiben werde.

Tatsächlich hat der Verwaltungsrat die Einhaltung der Lärmgrenzwerte als eine der Haupthürden des Sanierungsprojektes bezeichnet. Denn der bis heute geltende Lärmgrenzwert von 83 Dezibel wird bereits überschritten, wenn das Publikum klatscht.

98 Dezibel sollten es sein

Dass das Regierungsstatthalteramt Emmental die Bau- und Gastgewerbepublikation für die Gesamtsanierung des Burgdorfer Casino-Theaters jetzt veröffentlicht hat, wertet Verwaltungsratspräsident Markus Grimm als positives Zeichen. Zur Frage, ob das Casino eine Institution von öffentlichem Interesse und nach dem Umbau ein mit der bisherigen Nutzung vergleichbarer Betrieb sei, habe das Statthalteramt ein Rechtsgutachten erstellen lassen.

Grimm mutmasst: «Aufgrund des Berichts gehe ich davon aus, dass die Regierungsstatthalterin die beiden strittigen Fragen mit Ja beantwortet hat.» Die Lärmobergrenze läge damit neu bei 98 Dezibel. Bliebe die Grenze unverändert bei nur 83 Dezibel, «könnte etliches des bisherigen Programms nicht mehr durchgeführt werden».

Gibt es Einsprachen?

Bis die Sanierung des Casino-Theaters beginnen kann, gibt es noch viel zu tun: Detailplanung, Ausführungsplanung, die öffentliche Ausschreibung der Arbeiten gemäss Submissionsverordnung und danach die Vergabe der Aufträge.

Zuerst gilt es jedoch noch eine nicht zu unterschätzende Hürde zu meistern: Die Baubewilligung kann von der Regierungsstatthalterin nur erteilt werden, wenn die bis zum 20. Februar dauernde Einsprachefrist ungenutzt verstreicht. «Ich bin guten Mutes, dass wir im Oktober mit der Sanierung be­ginnen können», sagt Markus Grimm und begründet seinen Optimismus: «Nach all den Gesprächen, die wir mit Nachbarn, der Denkmalpflege, der Feuerpolizei und der Regierungsstatthalterin geführt haben, rechne ich eigentlich nicht mit Einsprachen.»

Jedenfalls wisse er von niemandem, der Einsprache machen und diese durch alle Instanzen bis vor Bundesgericht ziehen würde. Und wenn doch? «Schlimmstenfalls würde die Sanierung um etwa zwei Jahre verzögert, aber verhindert werden kann der Umbau nach menschlichem Ermessen nicht mehr», sagt der Verwaltungsratspräsident der Casino-Theater AG.

Kulturprominenz zum Ende

Bevor in der Burgdorfer Oberstadt zum letzten Mal der Vorhang fällt und das 1872 als Musik- und Tanztheater erbaute Casino auf den neusten Stand der Technik gebracht wird, geben im Juni schweizweit bekannte Künstler den in die Jahre gekommenen Brettern, die die Welt bedeuten, die letzte Ehre.

Die Namen der Künstler, die oft in Burgdorf ihre ersten öffentlichen Auftritte hatten und «immer gerne zu Aufführungen an diesen Ort zurückkommen», will Markus Grimm noch nicht verraten. Zudem warten am gleichen Tag an einer Brocante Gegenstände aus dem Casino auf Käuferinnen und Käufer.

Von der Stadt aufs Land

In der Spielsaison 2017/2018 findet das vielseitige Programm des Casino-Theaters in den Sälen von Emmentaler Gasthöfen sowie in Hallen von Fabriken und Gewerbebetrieben statt. Falls die Erfahrungen gut sein werden, seien auch künftig ab und an Vorstellungen in der Region denkbar, blickt Markus Grimm in die ­Zukunft: «Mit der durch den Umbau des Casinos bedingten Aus­lagerung von Konzerten, Schauspielen und Kleinkunstvorstellungen gehen wir zu den Leuten draussen und machen so Werbung für das Casino; danach kommen sie dann hoffentlich zurück zu uns nach Burgdorf.»

Falls die Bauarbeiten planmässig im Oktober dieses Jahres beginnen, soll die erste Aufführung im total­sanierten Musik- und Kulturhaus im Januar oder Februar 2019 über die Bühne gehen.

Berner Zeitung

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