Nicht überall sind Rekorde gefallen

Trotz sommerlichen Temperaturen im September schlossen die Freibäder im Emmental und Oberaargau wie vorgesehen ihre Türen. Lediglich der Burgäschisee ladet noch zum Bade.

Ist immer noch geöffnet: das Strandbad am Burgäschisee.

Ist immer noch geöffnet: das Strandbad am Burgäschisee.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

«Es lächelt der See, er ladet zum Bade.» So begann Friedrich Schiller seinen «Wilhelm Tell». Diese Verse könnte man auch als Motto über diesen Herbst im Oberaargau und Emmental setzen. Denn obschon die Temperaturen nach wie vor sommerlich warm sind, schlossen die Freibäder in den letzten Tagen ihre Tore. Lediglich beim Strandbad am Burgäschisee verkündet Badmeister Rolf Nützi: «Wenn das Wetter stimmt, haben wir auch schon im Oktober noch offen gehabt.»

Nächte werden länger

Doch Rolf Nützi hat leicht reden: Er muss seinen See nicht einwintern, wie es seine Kollegen in den Freibädern tun müssen. Ein gewisses Interesse für eine Verlängerung der Saison hat zwar auch Bruno Stucki festgestellt, Betriebsleiter im Schwimmbad Koppigen, das bis zum Samstag vor Bettag offen war.

«Wir spürten, dass die Bäder rings um uns früher schlossen, indem von dort Besucher zu uns kamen.» Doch rentiert habe dies trotzdem nicht. «Die Einnahmen stehen in keinem Verhältnis zu den Personalkosten.»

Ernst Anliker, der Badmeister von Huttwil, nennt Zahlen: Im September verzeichnete er 807 Eintritte, davon entfielen 394 auf das Schwimmen der Schulen, 163 auf den Kadettenschulsport. Bleiben noch 250 Eintritte in acht Tagen.

Sättigung erreicht

Bruno Stucki ergänzt, dass die klimatischen Bedingungen trotz sommerlichen Tagestemperaturen nicht mehr die gleichen sind: Die Nächte sind länger, das Wasser bleibt deshalb kälter. Ein Freibad stillzulegen und einzuwintern, ist zudem eine recht komplexe Arbeit. «Diese Arbeiten sind terminiert», sagt Hugo Bossert, Badmeister in Roggwi.

«Sie zu verschieben, würde einen ganzen Rattenschwanz auslösen.» Ralf Rombach, Chefbadmeister in Langenthal, gibt zudem zu bedenken, dass in einem grossen Betrieb wie dem seinen das Personal Teilzeit angestellt ist. «Es geht nach Saisonschluss anderen Tätigkeiten nach und kann nicht einfach länger bei uns bleiben.»

«Für die grosse Masse war es im Mai wegen der Bise noch zu kalt.»Dieter TrachselChefbadmeister Wangen

Eine Sättigung bei den Besuchern stellten die Badmeister besonders nach dem diesjährigen Sommer fest. Er war langanhaltend warm und schön. Nicht überall schlug sich das allerdings auch in Rekordzahlen nieder. Ralf Rombach hält für Langenthal fest, dass mit 111 200 Besuchern annähernd das Resultat von 2015 erreicht wurde. Auch in Huttwil wurde das Ergebnis aus diesem Jahr nicht ganz erreicht (2018: 25 600 Besucher, 2015: 28 000).

Besonders gut frequentiert waren die Schwimmbäder im Juli. Ruedi Liechti, Leiter Hallen- und Freibad in Langnau, spricht von einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr mit 20 000 Eintritten. Verhalten war dagegen trotz bereits schönem Wetter der Saisonstart im Mai. «Es war zwar für uns angenehm zum Arbeiten, und auch die Stammgäste kamen bereits», sagt Dieter Trachsel, Betriebsleiter und Chefbadmeister in Wangen an der Aare, «doch für die grosse Masse war es wegen der Bise noch zu kalt.»

Nur einzelne Betriebe konnten den Rückstand im Verlauf des Sommers noch ganz aufholen und neue Rekordwerte verbuchen. Dazu gehört Roggwil, wo Hugo Bossert 56 000 Eintritte verzeichnete. Das waren sogar mehr als 2003 (52 900). Ein Plus von 5000 bis 9000 Besuchern gegenüber dem Durchschnitt vermeldet Paul Aebi, Badmeister in Lützelflüh: 39 000 Eintritte sind im Gotthelfdorf neuer Rekord.

Von einem Rekord im Bereich des bisherigen Spitzensommers 2003 spricht auch Therese Fink, die Präsidentin des Badivereins Melchnau, ohne bereits die genauen Zahlen zu kennen.

Konkurrenz ist härter

Mit 48 000 Besucherinnen und Besuchern verzeichnete auch Koppigen gegenüber den letzten Jahren eine Spitzensaison. An den Wert von 2003, als 76 000 Abkühlung im Koppiger Schwimmbad suchten, kommt 2018 allerdings nicht heran. Bruno Stucki führt dies nicht nur auf den kühlen Saisonstart zurück, sondern auch auf ein Konsumverhalten, das sich in den letzten 15 Jahren stark verändert hat.

Die Möglichkeiten seien heute viel grösser, die Konkurrenz viel härter. Er nennt als Beispiele das Aareböötle oder das Westside in Bern. Ins gleiche Horn stösst Ralf Rombach in Langenthal, wenn er festhält, absolute Spitzentage mit 3000 und mehr Eintritten seien selten geworden.

Zelt in Buchsi

Besonders ist die Situation heuer in Herzogenbuchsee: Seit 9. Juli wird im Hallenbad umgebaut. Das heisse Sommerwetter sei deshalb gerade rechtzeitig gekommen, sagt Patrick Kögele, Geschäftsführer der neuen Aquarena AG.

Jedoch habe dieses die Einbussen wegen der fehlenden Ausweichmöglichkeiten nicht ganz wettmachen können. So waren Beach- und Fussballfeld, Kinderspielplatz, Kinderplauschbecken, die Liegewiese beim Sprungbrett und die Sauna zeitweise geschlossen.

Das ganze Freibad wurde schliesslich bereits am 3. September geschlossen, damit das Schwimmbecken mit einem Zelt überdacht werden kann. Dieses Provisorium wird bereits am 6. Oktober wieder öffnen und im gesamten Winter zur Verfügung stehen.

Langenthaler Tagblatt

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