Nach über 50 Jahren dem Ziel einen grossen Schritt näher

Jetzt ist klar, wie die Verkehrsprobleme gelöst werden sollen: Hasle und Oberburg werden teilweise in Tunneln umfahren. In Burgdorf sollen zwei Bahnunterführungen für besseren Verkehrsfluss sorgen.

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Am Donnerstagmorgen liess die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger (SP) die Katze aus dem Sack. Sie sagte, mit welchem Projekt die bereits seit mehr als 50 Jahren diskutierte Verkehrssanierung Burgdorf-Oberburg-Hasle nun in die Tat umgesetzt werden soll. Bei ihrer Entscheidung stützte sie sich auf die Ergebnisse der Mitwirkung vom letzten Oktober. «Das Interesse war überwältigend und weit grösser, als wir dies erwartet ­hatten», betonte Egger.

3922 schriftliche Eingaben wurden gemacht. Abgesehen von 200 Stellungnahmen von Gemeinden, Parteien, Verbänden und dem Gewerbe, stammte das Gros von Privaten. Diese sagten klar, welche Verkehrssanierung sie realisiert haben wollten: 87 Prozent der Mitwirkenden aus Oberburg und 70 Prozent jener aus Hasle sprachen sich für eine Umfahrung ihrer Gemeinde aus. In Burgdorf votierten nur 33 Prozent für eine Umfahrung durch das Naherholungsgebiet Meienmoos und gaben damit der Va­riante Null+ den Vorzug.

Barrieren verschwinden

Diese klaren Ergebnisse bildeten die Grundlage für Regierungsrätin Barbara Eggers Variantenentscheid: Künftig sollen jene 19 000 Fahrzeuge, die Tag für Tag durch Oberburg und Hasle zirkulieren, um die Zentren herumgeführt werden. Die Kosten für den Tunnel, mit welchem Oberburg nordöstlich unterfahren wird, betragen 238 Millionen Franken. Der Bau des Tunnels in Hasle, der den Abbruch von einigen Häusern nötig macht, soll 115 Millionen Franken kosten. Parallel zu diesen Bauten sollen die Strassennetze in Burgdorf und in Lyssach-Schachen optimiert werden.

In Burgdorf würden die Bahnübergänge beim Spital und in der Industriezone Buchmatt durch Unterführungen ersetzt. Dieses Paket von Massnahmen, das in einer ersten Etappe realisiert werden soll, bringe in Hasle, Oberburg und Burgdorf deutliche Verbesserungen für die Anwohner, Autofahrer, den Busverkehr sowie den Langsamverkehr. Zudem könne die Verkehrssicherheit erhöht werden, so Egger.

Eine erste Etappe

Verzichtet wird vorerst auf die Umfahrung des Stadtzentrums von Burgdorf, womit das Naherholungsgebiet Meienmoos nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen, dass die jetzt anvisierte Verkehrslösung zu wenig wirksam ist, könnte die Realisierung der Umfahrung durch das Meienmoos wieder ins Auge gefasst werden.

Allein der Verzicht der Umfahrung Burgdorf führt zu einer Reduktion der Projektkosten von 200 Millionen Franken. Regierungsrätin Egger rechnet für die erste Etappe der Verkehrssanierung Emmental mit Baukosten von 421 Millionen Franken. Da es sich bei diesen Zahlen erst um eine grobe Schätzung handle, könnten sich die Kosten noch um plus oder minus 20 Prozent ändern, ergänzte die bernische ­Baudirektorin. Im Vorprojekt war noch mit 647 Millionen Franken gerechnet worden.

Appell an die Grossräte

«Das ist viel Geld», betonte Egger. Doch sei sie sehr optimistisch, dass die Finanzierung gelingen werde. Der Grund für ihre Zu­versicht: «Bereits die Hälfte der benötigten Mittel, aktuell gegen 300 Millionen Franken, sind im Investitionsspitzenfonds vorhanden und explizit für die Verkehrssanierungen im Oberaargau und im Emmental reserviert.» Hinzu kämen voraussichtlich Bundesbeiträge in Höhe von einigen 10 Millionen Franken.

Dem Kanton Bern verblieben noch etwa 200 Millionen Franken, welche aus dem ordentlichen Kantonsbudget finanziert werden müssten. Allerdings machte Egger klar, dass das Kantonsparlament das in den letzten Jahren gekürzte Investitionsniveau wieder erhöhen müsse, um die Kosten von 557 Millionen Franken für die beiden Verkehrssanierungsprojekte finanzieren zu können, ohne dabei die an­deren Infrastrukturaufgaben zu vernachlässigen. «Dies werde ich den Grossrätinnen und Grossräten in aller Deutlichkeit sagen», versicherte die Regierungsrätin.

So weit ist es allerdings noch nicht. Zuerst muss Barbara Egger die beiden Projektierungskredite dem Gesamtregierungsrat zur Genehmigung vorlegen. Sie geht davon aus, dass dies im Juni der Fall sein wird. Für die Verkehrssanierung Burgdorf-Oberburg- Hasle rechnet sie mit einem Projektierungskredit in Höhe von 10 bis 15 Millionen Franken. Voraussichtlich in der Septembersession sollen dann die 160 Mitglieder des Grossen Rates zum Projektierungskredit Stellung nehmen. Dass dabei ein Nein resultieren wird, kann sich Egger nicht vorstellen.

Zu deutlich habe das Kantonsparlament entschieden, dass das Geld aus dem Investitionsspitzenfonds für die beiden Projekte verwendet werden soll. Möglich wäre jedoch, dass nach einem Ja des Grossen Rates zum Projektierungskredit das Referendum ergriffen würde. Dann müsste das Bernervolk darüber abstimmen. Ungewiss ist zudem, ob vom Projekt Betroffene im Rahmen des Strassenplanverfahrens Einsprachen erheben werden, die bis vor das Bundesgericht gezogen werden könnten.

Grosses Lob der Politiker

«Sehr erfreut» über den Entscheid der Baudirektorin zeigte sich Rita Sampogna, Gemeinderatspräsidentin von Oberburg. Sie sei stolz, dass viele Mitbürger hingestanden seien und ihre ­Meinung kundgetan hätten. ­Dieser Einsatz habe sich gelohnt. «Hoch zufrieden» ist auch Hasles Gemeindepräsident Walter Scheidegger. Er hoffe jetzt, dass mit den Besitzern jener Häuser, die dem Bau der Umfahrung weichen müssten, gute Lösungen gefunden würden.

Als «sehr pragmatischen, vernünftigen und lösungsorientierten Entscheid» lobte Burgdorfs Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch die jetzt gewählte Verkehrslösung und ergänzte: «Ich bin sehr, sehr zufrieden.» Sie, die auch Grossrätin ist, hofft, dass das Parlament dem Projektierungskredit zustimmen wird, «denn es geht um eine Frage, die für das ganze Emmental entscheidend ist».

Berner Zeitung

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