Nach Rekordjahr warteten die Hebammen an Silvester vergebens

Burgdorf

In der Silvesternacht blieb es auf der Geburtenabteilung des Spitals Emmental überaus ruhig. Das war aber im abgelaufenen Jahr nicht immer so. Das Spital verzeichnete 2016 einen Geburtenrekord.

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Während draussen die Silvesterböller knallen, ist es fast gespenstig ruhig auf der Abteilung für Geburtshilfe im Spital Burgdorf. Die Schiebetür zum Trakt der Gebärsäle steht offen. Nur ein Weihnachtsstern erhellt diesen Teil der Abteilung. «Es ist im Moment keine Geburt geplant», sagt San­dra Vögeli. «Die Situation kann aber schlagartig ändern.»

Sie und Melissa Tom, beide diplomierte Hebammen, versehen zusammen den Nachtdienst. Aktuell seien vier Frauen mit ihren Neugeborenen auf der Abteilung, sagen sie. Darunter befindet sich auch Sophia Wittwer, das letzte im 2016 geborene Kind. Die Väter seien bereits nach Hause gegangen. Den Jahreswechsel feiern die frischgebackenen Familien somit nicht zusammen. «Wir sind froh, dass die Frauen jetzt nicht Silvester feiern», betont Sandra Vögeli. Es sei wichtig, dass sich die Mütter und Kinder jetzt er­holen.

Sie stossen mit Rimuss an

Nach Mitternacht meldet sich ein Baby kurz, ansonsten bleibt es still. Hansjörg Keller, der stellvertretende Chefarzt, kümmert sich um einen gynäkologischen Notfall. Gynäkologie und Geburtshilfe werden in Burgdorf auf derselben Abteilung geführt. «Ich schätze den Austausch sehr. In grösseren Kliniken sind die beiden Fachbereiche getrennt», sagt Sandra Vögeli.

Das Nachtteam stösst mit Rimuss auf das neue Jahr an. Die Hebammen haben zudem Snacks mitgebracht. «Wir müssen etwas essen», erklärt Melissa Tom. Denn die Nachtschicht dauere von 22.30 bis 7 Uhr morgens. Hansjörg Keller verlässt kurz nach Mitternacht das Spital, damit er noch mit seiner Frau anstossen könne. Die Assistenzärztin Marlene Serak deckt den Rest der Nacht ab.

Melissa Tom versieht heute den dritten Nachtdienst in Folge. Zwei weitere hat sie noch vor sich. Sie decke während ihrer sechsjährigen Karriere im Spital Burgdorf nun schon den fünften Silvesterdienst ab. «Das mache ich aber freiwillig», fügt sie rasch hinzu. Einmal sei es vorgekommen, dass die Mütter gemeinsam Silvester gefeiert hätten. Normalerweise bleibe es aber ruhig.

Für alle Fälle gewappnet

Doch die Nachtschichten seien unterschiedlich. «Wir haben schon einmal in einer Nacht ­während zweier Stunden sieben Frauen aufgenommen», erzählt sie. Eine weitere Fachperson hat für solche Fälle Pikettdienst und wäre bei Bedarf rasch auf der Abteilung. Im soeben zu Ende gegangenen Jahr stellte das Spital Emmental mit 611 Geburten einen Rekord (siehe Kasten) auf.

Das Spital in Burgdorf verfügt über drei Gebärsäle und ein Familienzimmer. «Die Hilfsmittel für Geburten sind alle mobil», erklärt Sandra Vögeli. In Notfällen werde auch das Hebammen-sprechzimmer in ein Gebärzimmer umfunktioniert. Im Wickelzimmer stehen sieben Babybettchen bereit. «Die sind für die Kinder, die heute Nacht noch kommen könnten», bemerkt Melissa Tom lächelnd.

Heutzutage schlafen die Babys bei den Müttern im Wochenbettzimmer und nicht mehr in se­paraten Räumen hinter grossen Fensterfronten. Das verlange das Qualitätslabels «babyfreundliches Spital» der Unicef, mit welchem das Spital Emmental aus­gezeichnet wurde. Nach dem Umbau vor rund zwei Jahren sind nun auch die neun Wochenbettzimmer auf dem neusten Stand und jedes verfügt über eine ei­gene Nasszelle. «Das Stillzimmer dient den Wöchnerinnen als zusätzliches Wohnzimmer», sagt Sandra Vögeli.

Büroarbeit statt Geburtshilfe

Insgesamt kümmern sich in Burgdorf 25 Hebammen, vier Pflegefachfrauen und drei Pflegeassistentinnen um das Wohl der Frauen und Kinder. In den Gebärsälen, Untersuchungsräumen und auch im Gang sind Laptops installiert, obwohl die Abteilung über ein grosses Büro verfügt. «Bei einer normalen Geburt benötigen wir rund eine Stunde für die elektronische Dokumentation», erklärt Melissa Tom. Da sei es wichtig, dass rasch auf ein Gerät zugegriffen werden könne.

Die Hebammen nutzen die ruhige Silvesternacht zum Erledigen aufgelaufener Büroarbeiten. Aber Sandra Vögeli hofft, nachdem sie die erste Stunde des Jahres 2017 im Büro verbracht hat, dass in dieser Nacht «schon noch etwas mehr passiert».

Berner Zeitung

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