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Mit Vollgas zurück in die Jugendzeit

Für ihren Firmenanlass liess sich die Agria Landmaschinen AG etwas einfallen: eine Töfflitour von Aefligen nach Affoltern. Dabei kamen wohl dem einen oder anderen Touren aus der Jugend in den Sinn.

Das bisschen Regen kann die Töfflitouristen nicht erschüttern. Der 15-jährige Nils hat keinen Ausweis und muss strampeln.
Das bisschen Regen kann die Töfflitouristen nicht erschüttern. Der 15-jährige Nils hat keinen Ausweis und muss strampeln.
Marcel Bieri
Gut eingepackt gehts in Aefligen los.
Gut eingepackt gehts in Aefligen los.
Marcel Bieri
Kenner packen ihre Schuhe ein.
Kenner packen ihre Schuhe ein.
Marcel Bieri
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Die Agria Landmaschinen AG gibt sich anlässlich ihrer Jubiläumsfeier nicht mit einem Essen zufrieden. Drei Angestellte sind zusammen bereits 90 Jahre für den Betrieb tätig. Doch bevor die Belegschaft den kulinarischen Teil geniessen kann, ist noch ein bisschen Einsatz gefragt: Der Weg vom Geschäft in Aefligen bis zur Schaukäserei in Affoltern wird mit dem Töffli zurückgelegt. Wie in den wilden Jugendzeiten durch die Emmentaler Landschaft kurven.

Darauf freut sich auch der Gast von der Zeitung. Aber bereits während der Anfahrt mit dem Auto kommen erste Zweifel auf: Es regnet in Strömen. Mit Regenhose und -jacke ausgerüstet, stehen die Teilnehmer schliesslich auf dem Firmengelände bereit. Schnell ist klar, dass auch Profis dabei sind: Sie haben sich mit bunten Overalls eingekleidet und die Schuhe mit Kehrichtsäcken umwickelt. «Nach zwölf Töfflitouren weiss man, was bei diesem Wetter nötig ist», meint ein bestens vorbereiteter Mitarbeiter.

Auch die Mofas stehen bereit: Tomos Sprint mit 2-Gang-Auto-matikgetriebe. «Man muss nur Gas geben, es schaltet selbst», erklärt Felix Berger. Er ist Ge-schäftsführer der Berger Event GmbH, die die Fahrzeuge vermietet (siehe Kasten). Mit Transporter und Anhänger hat er die Mofas nach Aefligen geliefert, sie vor Ort nochmals kontrolliert und vollgetankt. Nebst Regenpelerinen führt er auch die obligatorischen Schutzhelme mit, die er an die Teilnehmenden verteilt. Dass man aber besser den eigenen, alten Helm im Keller ausgegraben hätte, weiss man zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Mühe mit dem Motor

Nach den restlichen technischen Instruktionen durch Felix Berger heisst es: Aufsteigen! Doch wie funktionierte das noch mal? Bei den eher tiefen Tem­peraturen ist es nicht jedem ­gegönnt, dass der Motor sofort anspringt. Nach ein paar angestrengten, aber nicht sehr professionellen Versuchen übernimmt der Vermieter und startet den Motor souverän. Es bleibt nur zu hoffen, dass er unterwegs nicht mehr abgestellt werden muss. Felix Berger wäre zwar sofort mit einem Reservetöffli zur Stelle, doch sein Piketttelefon ist wohl nur für ernstere Fälle gedacht.

Jedenfalls brummen jetzt ein Dutzend Motoren, und der Konvoi startet hupend. Darunter zwei Frauen. Der 15-jährige Wochenplatzarbeiter Nils fährt auf einem E-Bike mit. «Hat jemand keinen Führerausweis, kann er auch ein E-Bike von uns mieten», erklärt Berger. Ausser dass der Fahrradfahrer mehr treten muss, hat er keine Nachteile. Mit der Geschwindigkeit kann er fast bis zum Schluss mithalten.

Gas, Bremse, Gleichgewicht

Schon nach den ersten paar Hundert Metern weiss man wieder, dass man zum Töfflifahren nicht viel mehr braucht als Gas, Bremse und etwas Gleichgewicht. Und so geht es mit Vollgas in die erste, übersichtliche Strecke Richtung Burgdorf. Der Motor surrt, und das ganze Gehäuse vibriert, doch der Tacho zeigt gerade mal 35 Kilometer pro Stunde an. «Nein, die Dinger machen locker 45 km/h», behauptet ein Agria-Mitarbeiter. Offenbar ist auf den Tacho nicht restlos Verlass, jedenfalls hat der Hintermann noch nicht überholt.

Die Gruppe wird angeführt von Geschäftsführer Reto Stalder, der bei Kreuzungen den Verkehr regelt und schaut, dass der Konvoi zusammenbleibt. Der erste Stopp kommt manchem Fahrer sehr gelegen. Vor allem wenn die Handschuhe noch im Rucksack mitfahren und die Finger nach zehn Minuten Fahrt schon fast steif sind.

Der Dreck des Vordermannes

Stalder leitet seine Töffli-Gang schon bald einmal in einen Waldweg entlang der Emme. Bald wächst die Einsicht, dass es auch für Mofafahrer wichtig ist, genügend Abstand zu halten. Wer das nicht macht, schmeckt plötzlich den Dreck auf den Lippen, den die Räder des Vordermanns nach oben spritzen.

Während man sich fragt, weshalb der Helm wohl kein Visier hat, geht die Fahrt an wunderschönen Wald- und Flussplätzchen vorbei. Bei schönem Wetter könnte die Gruppe hier anhalten und ein – natürlich alkoholfreies – Apéro geniessen.

Nach der Hälfte der Fahrt sind dann nicht nur die Kleider unter dem Regenschutz komplett durchnässt, sondern auch die Handschuhe. Bei solchen Temperaturen ist sich die Fahrerin nicht sicher, ob sie möglichst schnell fahren möchte, um das Ziel zu erreichen oder doch eher langsam, um den kühlen Fahrtwind zu mildern. Die Hand am Gashebel funktioniert zwar noch wie gewünscht, doch bremsen mit links wird zunehmend schwieriger, denn die Finger sind fast starr vor Kälte. Glücklicherweise ist beim Schlussspurt die Bremse nicht mehr nötig. Steil führt die Strasse nach oben zur Schaukäserei Affoltern.

Bisher fuhr die Gruppe brav ihrer Startaufstellung entsprechend. Doch nun müssen die Mofas Leistung zeigen, Fahrer mit etwas höherem Gewicht sind nun klar benachteiligt, und auch der E-Biker muss kräftiger in die Pedale treten. Es kommt deshalb zu einigen Überholmanövern, bevor schliesslich alle Fahrer unfallfrei an ihrem Ziel ankommen. Durchnässt und fröhlich begibt sich die Belegschaft der Agria Landmaschinen AG nun zu ihrer eigentlichen Feier in der Schaukäserei. Wahrscheinlich wäre die eine oder der andere einer vorgängigen warmen Dusche jedoch nicht abgeneigt.

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