Mit, für, aber auch gegen die Flüchtlinge

Burgdorf

Auf dem Fussballplatz traten am Samstag in Burgdorf einheimische Teams gegen Flüchtlinge an. Am «Refugees Welcome»-Turnier stand mehr als nur das Siegen im Vordergrund.

  • loading indicator
Sheila Matti

Fünf Burgdorfer Jungs haben am vergangenen Wochenende gelernt, dass es gar nicht so einfach ist, ein Fussballturnier zu organisieren. Besonders dann nicht, wenn die Hälfte der Teams aus Flüchtlingen besteht, die erst seit kurzem in der Schweiz leben.

Einer aus dem Organisatorenquintett hat verschlafen, eine der Mannschaften hat kurzfristig abgesagt, und einige Spieler aus den Durchgangszentren Lindenfeld und Balmberg sind zuerst zum falschen Fussballplatz gefahren.

Mit einer Viertelstunde Verspätung erreichen die jungen Männer den Fussballplatz Neumatt in Burgdorf auf ihren Fahrrädern. Die Begrüssung fällt kurz, aber freundlich aus; die Spieler wollen mit dem Aufwärmtraining beginnen, und die Organisatoren müssen das fehlende Team ersetzen und den Spielplan anpassen.

YB-Match für Gewinner

Beim «Refugees Welcome»-Turnier am Samstag verstanden sich die Spieler und Spielerinnen auch ohne Worte. Auf dem Platz traten acht Teams gegeneinander an, vier bestanden aus Einheimischen, und vier wurden von den Asylbewerbern gestellt. Die fünf Jugendlichen, welche die Idee für das gemeinsame Fussballturnier hatten, standen jedoch nicht selbst auf dem Feld.

Michel Jost, Stefan Schwander, Dominik Beutler, Mischa Brunner und Valery Rauch kümmerten sich ganz um den reibungslosen Ablauf der Spiele. Sie versorgten die Spieler mit Schuhen und Leibchen, moderierten das Turnier und verteilten Getränke- und Essensbons. Der Platz wurde vom Sportclub Burgdorf zur Verfügung gestellt, und die Preise – die Gewinner dürfen einen YB-Match besuchen – sponserte die Stadt.

Mit viel Training zum Sieg

Egal, welche Herkunft die Spielenden hatten, für ein schönes Tor oder eine gute Parade wurden alle gleichermassen von den wenigen Zuschauern gefeiert. Eine der applaudierenden Nichtfussballerinnen war Anette Vogt. Sie ist für das «Offene Haus» der reformierten Kirche Burgdorf tätig und bietet den Flüchtlingen jeden Dienstagmorgen die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern oder über Probleme zu reden.

Vogt kennt die Bewohner der Asylheime und weiss, wie viel ihnen ein solcher Tag bedeutet: «Die Asylbewerber haben sich sehr auf das Turnier gefreut. Einige kommen nicht oft aus den Durchgangszentren raus, deshalb sind sie auch eher schüchtern.»

Von Schüchternheit war auf dem Platz indes nichts zu merken. Die Asylbewerber setzten die Burgdorfer vom ersten Spiel an unter Druck und schossen viele Tore. Yirgaalem Tewelde, Captain des Teams Red Sea aus dem Zentrum Lindenfeld, erzählte, dass sie viel trainiert hätten, und präsentierte stolz die T-Shirts, welche sie extra für diesen Tag gekauft hatten – passend zum Teamnamen natürlich in Rot.

Die Burgdorfer Mannschaften machten es Tewelde und seinen Teamkameraden aber nicht einfach: Besonders das Team Schär, welches erst kurz vor Beginn der Spiele zusammengestellt wurde, war stark und schaffte es bis ins Finale, wo es Teweldes Team gegenüberstand.

Die Mannschaften waren sich ebenbürtig und liessen bis in die Verlängerung keine Tore zu. Schliesslich konnten die Flüchtlinge das entscheidende Goal schiessen. Yirgaalem Tewelde freut sich nun auf den Besuch im Berner Stade de Suisse – selbst interessiert er sich nämlich auch für den Schweizer Fussball und hat schon mehrere Spiele im Fernsehen verfolgt.

Der Pfarrer half mit

Einer der Burgdorfer Spieler war Pfarrer Roman Häfliger. Er trat gemeinsam mit dem Team Alpensegler an, welches grösstenteils aus Amateurfussballern und Mitarbeitern der Kirchgemeinde bestand. Weil einige der fünf Organisatoren ehemalige Konfirmanden von Häfliger sind, war er erster Ansprechpartner für die Jugendlichen: «Ich fand es super, dass die Jungs etwas für die Flüchtlinge tun wollten, und war natürlich sofort bereit, ihnen bei der Organisation zu helfen.» Häfliger war es dann auch, der die Idee den Asylsuchenden präsentierte und die Teamanmeldungen entgegennahm.

Fussball statt Kleider

Den Grossteil der Arbeit übernahmen jedoch die fünf jungen Burgdorfer. Anfangs hatten sie eher an eine Art Kleidersammlung gedacht, das Fussballturnier sei aber besser dazu geeignet, mit den Asylsuchenden in Kontakt zu treten. Inspiriert wurden die Jungs von ähnlichen Projekten, wie sie etwa in Bern oder Deutschland schon öfters veranstaltet worden sind. Nächstes Jahr möchten sie das Turnier wiederholen und dann vielleicht sogar selbst gegen die Flüchtlinge antreten.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt