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Mit frischem Wind und Drive

Als Quer­einsteiger ist Beat Lauber seit Anfang Jahr parteiloser Gemeindepräsident von Krauchthal. Der 49-jährige Architekt ist überzeugt, etwas zum Wohl seiner Gemeinde beitragen zu können. Er will dafür seine Führungserfahrung nutzen.

Die Gemeinde soll vernünftig weiterfunktionieren: So lautet eines der Ziele von Beat Lauber.
Die Gemeinde soll vernünftig weiterfunktionieren: So lautet eines der Ziele von Beat Lauber.
Thomas Peter

«Schau, die finden nicht einmal einen Gemeindepräsidenten», habe er lachend und spottend zu seiner Frau gesagt, als er im ­lokalen Anzeiger ein Inserat mit dem Titel «Dringend gesucht: Gemeindepräsidentin/­Gemeindepräsident» gelesen habe, erinnert sich Beat Lauber. Das war Mitte September vergangenen Jahres. Doch dann habe ihm, der mit seiner Familie erst seit zweieinhalb Jahren in Krauchthal wohnt, der eine oder andere gesagt: «Du, das wäre doch ein Amt für dich.»

So habe es in seinem Kopf zu drehen begonnen. Er machte sich Gedanken, diskutierte mit seiner Frau. Sie habe ihn nicht gedrängt, nur ermutigt und gesagt, er soll das Amt übernehmen, das sei eine gute Sache. «Wir sagten dann: Warten wir einmal ab, ob sie einen Gemeindepräsidenten finden. Gelingt es, ists gut, andernfalls rede ich einmal mit dem Verwaltungsleiter», sagt der 49-jährige selbstständige Architekt.

Das habe er dann gemacht, und auch das Gespräch mit den Parteipräsidenten von SVP, FDP und SP gesucht. Von Anfang an habe er klar gesagt, dass für ihn der Beitritt zu einer politischen Partei keine Option sei. Denn: «Um den Gemeinderat zu führen, ist es völlig irrelevant, ob man einer Partei angehört.»

Fakt ist: Am 24. Oktober 2016 wurde Beat Lauber von der Exekutive als Gemeindepräsident bestätigt.

Willkommene Parallelen

Als Mehrheitsaktionär einer Firma, die in den Bereichen Sicherheit, Architektur sowie Unternehmens- und Organisations­beratung tätig ist, ist Lauber ­gewohnt zu führen. Doch kann er als Quereinsteiger ohne politische Erfahrung einfach Präsident einer 2300-Seelen-Gemeinde sein? «Einfach ist das sowieso nicht, aber man kann es. Dem einen gelingt es besser, dem anderen etwas weniger gut», antwortet der Vater zweier Kinder. Man müsse lernen, doch das tue er, seit er arbeite, jeden Tag. ­

Ohnehin sei er überzeugt, dass es zwischen der Führung eines privatwirtschaftlichen Unternehmens und einer Gemeinde viele Parallelen gebe. Nicht inhaltlich, aber in der Art und Weise, wie man ein Gremium leite. «Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich ein Gremium von sieben Personen führen kann, auch wenn ich keine politische Erfahrung habe», sagt Lauber, der zwei Ver­waltungsräte präsidiert und zwei Geschäftsleitungen angehört. Deshalb hat er keinerlei Zweifel, «dass es gut kommt».

Für andere da sein

Wo liegt der Reiz, neben einem Job, der ihn zu hundert Prozent fordert, noch einen Gemeinderat zu führen? «Reiz ist für mich das falsche Wort», sagt der Mann, der als Hobbys seine Familie, seinen Beruf und das Töfffahren nennt. Für ihn stehe etwas anderes im Vordergrund, etwas, das auf der Welt zunehmend verloren gehe: das Gemeinschaftsdenken, die Haltung, auch für andere da zu sein. «Dass jeder nur für sich schaut, ist keine gute Entwicklung», sinniert Lauber.

Gerade auch globalpolitisch betrachtet gebe es Tendenzen, die ihn nachdenklich stimmten. Der Krauchthaler Gemeindepräsident denkt dabei beispielsweise an die Art und Weise, wie in den USA der Wahlkampf geführt worden sei. «Dass Weltmächte so funktio­nieren, darf doch bei gesundem Menschenverstand nicht sein», moniert Lauber, der auch Russland sowie die Türkei in seine Kritik miteinschliesst. Sorgen bereiten ihm ebenso Vorgänge in der Schweiz: «Von der politisch linken bis zur rechten Seite gibt es sicher mehr als eine Handvoll Leute, zu denen man sagen müsste: So darf man sich nicht auf­führen.»

Die Steuern und die Schule

Als Weltverbesserer versteht sich Beat Lauber nicht. Aber: «Weil diese Entwicklung im Kleinen beginnt, will ich mich in der Gemeinde engagieren und zu deren Wohl beitragen.» Selbst wenn er sagt, das Ressort Präsidiales sei wahrscheinlich das einfachste der sieben Departemente im Gemeinderat, so wird er doch ab und an mit den Sorgen und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger seiner Gemeinde hautnah konfrontiert werden. Zum Beispiel beim Thema Steuern.

Dass man in Krauchthal zu viel Steuern be­zahle, höre er immer wieder. ­Natürlich sei man in Muri, wo Lauber lange gelebt hat, besser dran, in der Nachbargemeinde Oberburg dagegen weit schlechter: «Mit 1,79 Einheiten sind wir im Emmental im vorderen Mittelfeld.» Übrigens: In Oberburg sind es 1,94, in Muri 1,2 Einheiten.

Erleichtert ist Beat Lauber, dass der bisherige Gemeinderat die Organisation der Oberstufenschule noch vor seinem Amts­antritt geregelt hat: Krauchthal strebt ein erneutes Zusammengehen mit Hindelbank an. «Die Übergangsverträge sind unterschrieben, sodass wir in einem vernünftigen Turnus weiterfahren und unsere Oberstufen­schüler weiterhin nach Hindelbank zur Schule gehen können», zeigt sich Lauber erleichtert.

Weit mehr zu reden geben dürfte in der laufenden Legislatur das Thema Baulandreserven, zumal diese in Krauchthal nur noch marginal vorhanden seien. Zu klären gebe es die Frage: «Müssen wir eine Ortsplanungsrevision durchführen, um unser inneres Wachstum sicherzustellen?»

Aussensicht einbringen

Und welche Ziele hat sich Gemeindepräsident Beat Lauber für seine erste Legislatur gesetzt? «Ich will, dass die Gemeinde gut und vernünftig weiterfunktioniert. Jede und jeder im Ge­meinderat soll das Bestmögliche leisten, um Krauchthal Kontinuität zu garantieren. Erreichen will ich dies, indem ich frischen Wind und Drive sowie eine gewisse Aussensicht aus der Privatwirtschaft in die Exekutive bringe.»

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