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Mit der Kraft der Emme

Bereits zwei Kleinwasserkraftwerke betreibt die Firma Adev an der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Solothurn. Nun will sie im Grenzgebiet ein weiteres bauen – und ­damit ihre Produktion ­markant steigern.

Bernhard Schmocker zeigt die Stelle am Emmekanal, wo die Firma Adev das neue Kleinwasserkraftwerk bauen will.
Bernhard Schmocker zeigt die Stelle am Emmekanal, wo die Firma Adev das neue Kleinwasserkraftwerk bauen will.
Thomas Peter

Mitten im Naherholungsgebiet, umgeben von Wald und Grün­flächen und abseits der grossen Strassen, betreibt eine Firma aus dem basellandschaftlichen Liestal zwei Kleinwasserkraftwerke. Sie befinden sich am Emmekanal im Grenzgebiet der Gemeinden Wiler, Zielebach und Gerlafingen – und somit auch an der Grenze der Kantone Solothurn und Bern. Deshalb sind auch beide Kantone involviert in die Baupläne der Adev Wasserkraftwerk AG, die ein zusätzliches Kraftwerk bauen will. Dieses soll zwar auf Gerla­finger Boden erstellt werden, doch die Gemeinde Zielebach ist ebenfalls vom Vorhaben betroffen. Denn das Wasser im Emmekanal wird bis auf die Berner Seite eingestaut. Dafür muss auch ei­ne kleine Ufermauer auf Ziele­bacher Gemeindegebiet gebaut werden.

Der Emmekanal fliesst in der Nähe des Fabrikgebäudes der Stahl Gerlafingen AG in die Emme. Dort gab es früher schon ein Kraftwerk, welches das Stahlwerk nutzte. Vor zwei Jahren hat sich Adev Land beim Emmekanal erworben, um dort selber ein Kraftwerk zu erstellen. Teil dieses Kaufs waren auch die beiden bestehenden Anlagen auf Wiler Boden.

Finanzierung ist noch unklar

Das geplante Kleinwasserkraftwerk in Gerlafingen soll zur Stromproduktion einen Höhenunterschied von etwa drei Metern nutzen, erklärt Bernhard Schmocker. Er ist Leiter Planung und Bau sowie Geschäftsleitungsmitglied der Firma. Je grösser der Höhenunterschied, umso mehr Leistung erbringt ein Kraftwerk, und entsprechend höher ist die Stromproduktion. Beim Kraftwerk Moosbrunnen 1 in Wiler beträgt das Gefälle vom Eintritt des Wassers bis zum Austritt zum Beispiel fast 4,90 Meter, bei Moosbrunnen 2 etwas weiter fluss­abwärts sind es noch 2,65 Meter.

«Wir verändern die Natur nicht direkt. Das Bauvorhaben ist keine Belastung für die Natur.»

Bernhard SchmockerGeschäftsleitungsmitglied Adev

Für die neue Anlage liegen sowohl die nötigen Konzessionen der beiden Kantone wie auch die Baubewilligung vor. Trotzdem ist laut Bernhard Schmocker noch unklar, wann mit dem Bau be­gonnen wird. Dies hänge mit der Finanzierung zusammen. Denn die Adev erhoffe sich für die Anschubfinanzierung Gelder aus dem Topf der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Ohne diese Bundesgelder sei die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben. Denn ein Kleinwasserkraftwerk könne ohne diese Mittel zumindest in der Anfangszeit nicht rentabel betrieben werden. Derzeit befindet sich das Projekt in Gerlafingen und Zielebach auf der KEV-Warteliste.

Die Planung werde auf jeden Fall fortgesetzt, sodass 2017 gebaut werden könnte. «Wir wollen das Kraftwerk möglichst schnell realisieren», so Schmocker. Denn die Investition sei sinnvoll. Mit dem dritten Kraftwerk am Emmekanal will die Adev ihre Stromproduktion dort um 30 Prozent steigern. Ob die Gelder nächstes Jahr gesprochen werden, weiss er allerdings nicht. Kosten wird der Bau etwa 4,5 Millionen Franken. Dabei werde der bestehende Kanal genutzt. «Wir verändern die Natur in diesem Gebiet nicht direkt. Das Bau­vorhaben ist keine Belastung für die Natur.» Es müssen zwar Bäume gerodet werden, dafür hat das Unternehmen aber einen Ersatzaufforstungsplan erstellen müssen. Und auch eine Hütte des Hundesportvereins Gerlafingen muss weichen, kann aber in unmittelbarer Nähe ersetzt werden.

Auf bis zu 100 Jahre ausgelegt

Es habe keinen Widerstand ge­gen das Projekt gegeben, sagt Schmocker erfreut. Wasserkraft hat in diesem Gebiet Tradition – immerhin bestehen die Kraftwerke Moosbrunnen 1 und 2 seit über hundert Jahren. Gebaut wurden sie 1910. 1957 wurden sie ein erstes Mal umgebaut, in den Neunzigerjahren ein zweites Mal. Nun sollen die beiden be­stehenden Kleinwasserkraft­werke modernisiert werden. In Moosbrunnen 1 werde derzeit die Steuerung erneuert und die Turbine optimiert, führt Schmocker aus. Gleiches sei später im zweiten Kraftwerk geplant.

Solche Kraftwerke seien sehr langlebig. «Die Technik und das Material sind auf sechzig bis sogar hundert Jahre ausgelegt», sagt der Bau- und Planungsleiter. Wichtig seien heute die Effizienz der Anlagen und auch Sicherheit und Fischschutz. Denn die Kraftwerke müssen so laufen, dass es nicht zu Überschwemmungen kommen kann, weil etwa die Klappen nicht rechtzeitig öff­neten. Die Fische müssten die Anlage zudem jederzeit problemlos passieren können, so Schmocker weiter. Auf diesen Aspekt muss die Adev besonders auch beim neuen Kraftwerk achten. Deshalb wird für die Tiere speziell ein Feinrechen installiert, damit sie nicht in die Turbine gelangen können. Neben dem Rechen wird ein Fischabstieg gebaut, damit für die Fische ein gefahrloser Abstieg möglich ist.

106 Produktionsanlagen

Die Adev Wasserkraftwerk AG gehört zur Adev-Gruppe mit Sitz in Liestal, die Wasserkraft, Solarstrom, Windkraft und Ökowärme produziert. Die Firmengruppe besitzt gemäss eigenen Angaben landesweit 106 Produktionsan­lagen und wird von über zwei­tausend Genossenschaftern und Aktionäre getragen.

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