Mist kann auch Strom liefern

Acht Prozent der in der Region verbrauchten Energie könnten aus Biomasse wie etwa Jauche und Gülle produziert werden.

Der Fermenter ist oberirdisch gar nicht  sichtbar. Raoul Knittel erklärt morgen, wie das Biogas auf Ober Hüsere in Trub entsteht.

Der Fermenter ist oberirdisch gar nicht sichtbar. Raoul Knittel erklärt morgen, wie das Biogas auf Ober Hüsere in Trub entsteht. Bild: Thomas Peter

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«Jeder Miststock, an dem Sie vorbeifahren, ist brachliegendes Potenzial», sagt Raoul Knittel. Der Umweltingenieur wüsste, wie man aus Hofdünger Energie erzeugen könnte. Er arbeitet im Büro «Weichen stellen» in Trubschachen und hat für die Energieregion Emmental die Leitung eines Projekts übernommen. Dieses will die Emmentaler Landwirte mit dem Nutzen von Biogasanlagen vertraut machen. Denn aus dem, was in Güllegruben und auf Misthaufen lagert, könnte Energie gewonnen werden.

Heute fünf Anlagen

2010 hat das Büro «Weichen stellen» für die Region eine Studie durchgeführt, die aufzeigen sollte, wie gross das Potenzial für Biogasanlagen im Emmental ist. «Heute werden nur vier Prozent genutzt», fasst Knittel das Resultat zusammen. Gerade fünf Landwirte haben im Verwaltungskreis eine Anlage installiert. Doch viel mehr könnten auf ihrem Betrieb Strom und Wärme produzieren, wenn sie Gülle und Mist in einem Fermenter vergären lassen würden.

Dabei entstehen Gase, die in einem Blockheizkraftwerk verbrannt werden. Auf diese Weise werde Wärme erzeugt, die dem Betrieb diene, und es entstehe Energie, die ins Netz eingespeist werden könne, erklärt Knittel. Der Bauer würde also zum Energieproduzenten, wenn er den Mist erst 30 Tage lang in einem Fermenter seine Wirkung entfalten lassen würde. Nachher könnte der Mist wie gewohnt als Dünger auf dem Feld ausgebracht werden. «Gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen ist die Düngewirkung im Boden nicht anders, als wenn Gülle ausgebracht wird», betont Knittel und erwähnt einen weiteren positiven Nebeneffekt: «So stinkt der Hofdünger nicht mehr.»

«Jetzt wollen wir den Landwirten zeigen, was möglich ist.»Raoul Knittel, Projektleiter
Biogas im Emmental

Was verlockend klingt, hat Haken. Damit der Landwirt eine solche Anlage konstant mit Material beschicken kann, muss sein Betrieb eine gewisse Grösse aufweisen. Es muss mindestens so viel Mist anfallen, wie 40 Kühe produzieren. Doch auch Abfälle aus der Lebensmittelindustrie könnten den Anlagen beigegeben werden, sagt Knittel. Fritz Beer in Trub beispielsweise kippt auch Kaffeesatz in den Fermenter. Die Wärme, die entsteht, nutzt er laut dem Projektleiter für die Aufzucht seiner Schweine.

Teure Investition

Niemand erwartet, dass die Emmentaler Landwirte jetzt massenweise solche Anlagen bauen. «Denn dabei handelt es sich um eine kapitalintensive Infrastruktur», sagt Knittel. Doch er hofft, dass die Politik deren Potenzial zur Gewinnung erneuerbarer Energie erkennt und weiterhin über die kostendeckende Einspeisevergütung auch Biogasanlagen fördern wird.

Knittel ist überzeugt, dass die Bauern nicht nur Geld verdienen könnten, wenn sie aus ihrem Mist Strom machen würden. «Auch zur Erreichung der Klimaziele sind landwirtschaftliche Biogasanlagen prädestiniert.»

Fritz Beers Anlage ist die letzte, die im Rahmen einer Informationskampagne der Energieregion Emmental morgen ihre Tore öffnet. Bei der Aktion handelt es sich um ein Projekt der neuen Regionalpolitik in Zusammenarbeit mit Ökostrom Schweiz, verschiedenen Planungsbüros und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. «Wenn dieses Energiepotenzial genutzt wird, schaffen wir einen Mehrwert für die Region», sagt Knittel. «Jetzt wollen wir den Landwirten zeigen, was möglich ist – damit sie einsteigen können, sobald der Zeitpunkt günstig ist.»

Besichtigung der Biogasanlage in Ober Häusern, Trub: morgen Samstag, von 14 bis 17 Uhr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2018, 22:17 Uhr

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