Lebhafte Idylle

Röthenbach

Vom Bau einer Dorfkirche über das Schliessen von Schulen bis zum Abfackeln einer Wirtschaft: In der Gemeinde Röthenbach war immer etwas los, doch verändert hat sich die Dorfansicht nur wenig.

Die noch unverbaute Matte am Jassbach.

Die noch unverbaute Matte am Jassbach.

(Bild: zvg)

«Das Foto entstand nach 1905», ist sich der ehemalige Gemeindepräsident von Röthenbach, Rudolf Megert, sicher. Denn in diesem Jahr sei die neue Dorfkirche mitsamt dem weissen Glockenturm gebaut worden. Bis dahin besuchten die Röthenbacher noch die Gottesdienste in der alten Würzbrunnenkirche.

Der Alt-Gemeindepräsident Rudolf Megert hält Johann Schärs Foto der Dorfansicht von Röthenbach in den Händen. Megert kennt die Gemeinde wie kein anderer: Vor rund 50 Jahren, mitten im Lehrer-Semer, zog er von Steffisburg nach Röthenbach, um im Schulhaus Gauchern zu unterrichten. Seither lebt er in der Gauchern. Im Jahr 2000 schloss er sich der Gemeindebehörde an, 4 Jahre später wurde er zum Gemeindepräsidenten gewählt. Ende 2013 beendete er sein Amt.

Räumlichkeiten für Vereine

Ruedi Megert deutet auf das grosse alte Gebäude rechts im Bild. «Das alte Schulhaus steht neben der Dorfkirche», kommentiert er die Schwarzweissfotografie. 1835 erbaut, wurde das Haus durch die Errichtung eines neuen Schulgebäudes 1959 seiner Aufgabe beraubt. Lange Zeit seien die alten Zimmer als Truppenunterkunft für das Militär oder von Vereinen als Übungslokal genutzt worden, erklärt Megert.

2006 entschied sich die Gemeindeversammlung für eine «sanfte» Renovation. Seit 2008 erstrahlt das Gebäude in neuem Glanz. Die Bauarbeiten am alten Schulhaus kosteten die Gemeinde rund eine halbe Million Franken.

«Für das Röthenbacher Vereinsleben war die Renovierung ein Glücksfall», sagt Megert. So sind nun im alten Schulhaus die Samariter, verschiedene Musikgruppen und eine Spielgruppe einquartiert.

Als das Rössli brannte

«Früher nutzten die Vereine die Räumlichkeiten des Restaurants Rössli», sagt Megert und zeigt auf das grosse Haus am rechten Rand. Heute ist nichts mehr davon zu sehen. Die Besitzer wollten die Liegenschaft verkaufen, fanden aber keinen Käufer. Nachdem das Restaurant Rössli im September 2006 in Flammen gestanden war, stellte sich heraus, dass der verzweifelte Besitzer den Brand selbst gelegt hatte. Ein Verwandter hat das Grundstück erworben, heute ist der Bau eines neuen Wohnhauses entlang des Jassbachs im vollen Gange.

Ein Neubau verdeckt das alte Schulhaus, das heute von verschiedenen Vereinen genutzt wird. Bild: Marcel Bieri

Die grosse Wiese nebenan, die vor rund 100 Jahren noch unverbaut war, ist heute nur noch halb so gross. Trotzdem wird kaum gebaut. «In den letzten 50 Jahren sind nur etwa zwölf neue Häuser ­entstanden», sagt Megert. Das widerspiegle sich in den Einwohnerzahlen, die tendenziell abnehmen. «Als ich anfing, hatten wir um 1300 Einwohner, jetzt sind es rund 1180.» Neuzuzüger gebe es kaum, so versuche die Gemeinde, mit speziellen Anlässen neue Einwohner zu gewinnen.

Mit der rückläufigen Zahl der Bewohner sinkt auch jene der Jugendlichen. Im November 2011 habe sich das Röthenbacher Stimmvolk deshalb für das Zusammenführen der drei Schulstandorte nach Röthenbach Dorf entschieden. «So wurden die Schulhäuser Gauchern und Oberei geschlossen», erklärt Megert.

Wohnen in Schulhäusern

Im Gegenzug sei das neue Schulhaus umgebaut und erweitert worden. «Dieses Projekt wurde mit 203 zu 104 Stimmen angenommen», sagt der ehemalige Lehrer. Die Schulhäuser Gauchern und Oberei werden allerdings noch rege benutzt: «Beide Gebäude wurden umgebaut. Heute dienen sie Familien als Wohnungen», fügt er an.

Das Gewerbe in Röthenbach ist aktiv. So findet man dort von Käsereien und einer Metzgerei über einen Schuhladen bis zum Sägewerk und Zimmereien allerlei. Nur die Bäckerei und die Poststelle wurden geschlossen, sie blieben der Gemeinde aber in einer anderen Form erhalten: «Wir können unsere Briefe und Pakete neuerdings in der Landi abgeben», erklärt Megert. «Gebackenes erhalten wir immer noch vom selben Bäcker wie zuvor», denn dieser habe nebst seiner Backstube im Schangnau eine Filiale in Röthenbach eröffnet.

In den letzten Jahren kam es in Röthenbach zu einigen Änderungen, doch die grünen Hügel und die üppigen Wälder im Hintergrund sind geblieben.

In loser Folgestellen wir historische Fotografien aus dem Emmental Aufnahmen von heute gegenüber. Die alten Bilder stammen aus dem Fotonachlass von Johann Schär aus Gondiswil. Verwaltet wird dieser durch das Büro für Fotografie­geschichte Bern.

Berner Zeitung

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