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Leben im leer stehenden Löwen

Verkauft und versteigert: Mehrere Male hat der schützenswerte Gasthof in den letzten Jahren die Hand gewechselt – zuletzt im Dezember. Die neue Eigentümerin will Wohnungen einbauen und Raum für Gewerbe schaffen. Diese Idee ist nicht neu.

Verlassenes Schmuckstück: Seit 2009 wird die stattliche Liegenschaft nicht mehr genutzt – bis 2012 war die Poststelle in der angebauten Scheune.
Verlassenes Schmuckstück: Seit 2009 wird die stattliche Liegenschaft nicht mehr genutzt – bis 2012 war die Poststelle in der angebauten Scheune.
Thomas Peter

Seit Löwen-Wirt Jürg Stalder Anfang 2009 in Pension ging, ist die Küche verwaist, das Haus steht leer. Zwar gab es durchaus Bemühungen, den mächtigen Bau im Krauchthaler Dorfzentrum zu beleben, aber daraus ist bisher nichts geworden, das von Dauer war. Auch das Postbüro im Anbau ging vier Jahre später zu, als der Betrieb in Form einer Agentur in den Volg verlegt wurde.

2012 sollte das Traditionshaus, in dem Stalder mehrere Auszeichnungen erkochte, versteigert werden. Dazu kam es allerdings vorderhand nicht, weil die Eigentümerin in Konkurs ging. Statt der Glarner Immobilienfirma suchte also das Konkursamt nach einem neuen Besitzer, den Zuschlag erhielt die Banca della Svizzera Italiana aus Lugano für 1,75 Millionen Franken.

Offen bleibt, was die Tessiner mit dem Löwen vorhatten. Keine zwei Jahre nachdem die Bank sich in der konkursamtlichen Versteigerung gegen andere Interessenten durchgesetzt hatte, war das Haus wieder zum Verkauf ausgeschrieben. Die Bank war im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um den malaysischen Staatsfonds von der Finanzmarktaufsicht Finma kaltgestellt worden.

«Im Geist der Gemeinde»

Den Auftrag der Bank, für das schützenswerte Gasthaus eine Machbarkeitsstudie auszuarbeiten und einen neuen Besitzer zu finden, erhielten Unternehmen in Kirchberg: die Massivbau Generalbau AG, die HP ag Architektur sowie die Mühlemann Immobilien AG.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre später ist der Verkauf geglückt, bestätigt Immobilientreuhänder Lorenz Mühlemann: Im Dezember wechselte der Löwen erneut die Hand. Er habe den Gasthof mit gutem Gewissen an den neuen Eigentümer vermittelt, sagt der Immobilienmakler. «Weil er nicht irgendein Käufer ist, sondern auch einer, der etwas Gutes daraus macht.» Er sei überzeugt, dass der Löwen «im Sinne und Geist der Gemeinde» betrieben werde.

Um Umnutzung ersucht

Im Kaufvertrag steht die Meimag AG aus Wohlen, deren Eigentümer Niklaus Messerli zugleich auch Verfasser des Projekts ist, für das er bereits ein Umnutzungs­gesuch eingegeben hat. Die Planunterlagen fussen mehr oder weniger auf der Machbarkeitsstudie der Vorbesitzer: In den Landgasthof sollen Wohnungen eingebaut werden, im Parterre ist Platz für Gewerbe. Messerli, Geschäftsführer der gleichnamigen Holzbau AG aus Wohlen, nimmt sich vorwiegend älterer Häuser an, wie er sagt. Der Löwen ist ihm ins Auge gestochen. «Es ist eine Schande, dass er so lange leer stand.»

Über die Details der Umnutzung erzählt er indes nur zögerlich. «Wir sind noch nicht so weit.» Auch wolle er das Vorhaben nicht an die grosse Glocke hängen. Nur so viel: In einer ersten Phase entstehen Wohnungen im Saal, die vermietet werden.

Bis zum Sommer rechnet Messerli mit vier Wohnungen. Für die zweite Phase will er sich am Markt orientieren und Gewerberaum im Parterre anbieten. Weil die Holzbauunternehmung die Arbeiten am Löwen zwischen anderen Aufträgen ausführt, habe er keinen fixen Zeitplan. Und auch kein riesiges Budget.

Widerstand vor zehn Jahren

Nicht zum ersten Mal sind Wohnungen Thema. Vier Alterswohnungen plante 2007 die damalige Eigentümerin, die St. Galler Immobilienfirma Palu Suisse AG, im Dachstock des ehemaligen Scheunenteils. Das kam bei den Vereinen, die diesen Ort rege nutzten, gar nicht gut an. Aber das gehört in eine andere Zeit; in jene, als noch Jürg Stalder in der Küche stand.

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