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Kunstrasen löst den gordischen Knoten

Der Gemeinderat Burgdorf will die Fussballfelder in der Neumatt umfassend sanieren, unter anderem mit einem Kunstrasen. Am Montag entscheidet der Stadtrat über das gut 3,5 Millionen Franken teure Projekt.

So sind alle zufrieden: Der FC Burgdorf erhält ein Kunstrasenfeld und die Burger Platz zum Bauen.
So sind alle zufrieden: Der FC Burgdorf erhält ein Kunstrasenfeld und die Burger Platz zum Bauen.
Thomas Peter

Es sieht ganz nach einer Win-win-Situation aus für alle Direktbetroffenen: für den Sportklub, für die Schulen und für die Burgergemeinde. Aber auch die Stadt profitiert von einem Image­gewinn und hat, wie sich der Gemeinderat in seinem Bericht an den Stadtrat ausdrückt, «jedes Interesse an einem aktiven Fussballleben». Dies bedinge allerdings die entsprechenden Infrastrukturen, die nun «fit gemacht» würden: «Die Voraussetzungen dafür sind jetzt geradezu ideal.»

Die Ausgangslage für das nun vorliegende Projekt war vielschichtig: Da war das Interesse der Fussballer, die inzwischen stark verdichteten und deshalb bei schlechtem Wetter oft gesperrten Spielfelder aus dem Jahr 1952 total zu sanieren. Zudem braucht der Sportklub mehr Platz für Trainings. Ein Ausdehnen der Spielfelder in Richtung des ­ehemaligen Areals der Kunsteisbahn (KEB) lief aber diametral gegen die Interessen der dortigen Landbesitzer: der Burger.

Seit dem Rückbau der KEB möchte die Burgergemeinde die attrak­tiven Grundstücke überbauen. Das bedingt allerdings ein frühzeitiges Auflösen der bis 2065 geltenden Baurechtsverträge zwischen Burger- und Einwohnergemeinde, beziehungsweise der für die Fussballfelder zuständigen Sportplatzgenossenschaft.

Drei Varianten

In dieser blockierten Situation brachte sich der Gemeinderat ins Spiel, indem er durch einen externen Experten einen Überblick über alle Allwetterplätze und ­Rasenspielfelder von Burgdorf und schliesslich ein «Konzept Freianlagen» erarbeiten liess. Und dieses Konzept brachte die Lösung des gordischen Knotens: ein Kunstrasenfeld in Normgrösse, das ganzjährig und wetterunabhängig bespielt werden kann. Das erlaubt dem Sportklub einen deutlich intensiveren Trainingsplan als bisher, sodass er auf das jetzige, von den Burgern für ihre Gesamtüberbauung ins Auge gefasste Trainingsfeld verzichten kann. Aber auch die Primarschule Neumatt und die anderen Schulen dürften von einem Kunstrasen profitieren, indem sie das Spielfeld tagsüber ebenfalls nutzen können.

Trotz übereinstimmender Präferenzen von Fachleuten und ­Gemeinderat blieb auch eine ­Variante im Gespräch, die einzig eine Sanierung der Naturrasenfelder vorsah. Denn gemäss den Berechnungen der Berner Sportstättenplaner Müller Wildbolz Partner GmbH kostete diese Variante mit 1,1 Millionen Franken rund ein Drittel der Lösungen mit Kunstrasen. Die jetzt vom Gemeinderat und von der Sportkommission vorgeschlagene ­Variante wird 3,53 Millionen Franken kosten. Dafür wird es zwei für Meisterschaftsspiele ­(1. Liga) taugliche Normfelder geben, eines aus Kunst- und eines aus Naturrasen. Eine weitere Option, die auf ein Vergrössern und Einebnen des bestehenden Naturrasenfeldes zu einem Normfeld verzichtet, würde 3,16 Millionen Franken kosten. «Angesichts der relativ geringen Zusatzkosten, des klaren Mehrwertes des totalsanierten Feldes» spricht sich der Gemeinderat für die teurere Variante aus. Damit liege «eine gute, gangbare Lösung vor».

Kostenbeteiligung der Burger

Den happigen Millionenbetrag muss die Stadt allerdings nicht ­allein tragen. So haben die Burger bereits im Mai 2013 eine bedeutsame Kostenbeteiligung von einer Million Franken zuge­sichert. Wobei es sich jedoch um einen Bruttobeitrag handelt: Nach Abzug der Beträge der Mehrwertabschöpfung, die durch die Umzonungen für ihre geplante Überbauung entstehen, bleibt ein Beitrag von 241 703 Franken. Ob die Burger diesem Deal zustimmen, entscheidet sich zwei Tage nach der Stadtratssitzung: Das Geschäft ist für die Burgergemeindeversammlung vom 25. Mai traktandiert.

Aber auch der Sportklub engagiert sich finanziell: Einerseits stellt er die eigenen Tore und Spielerkabinen für das neue Naturrasenspielfeld vor dem Schulhaus zur Verfügung, was Einsparungen von rund 35 000 Franken ermöglicht; andererseits ist der SC Burgdorf bereit, 90 000 Franken aus der Klubkasse lockerzumachen, falls die gewünschte teurere Variante ausgeführt wird. Nach Abzug des Beitrages von 250 000 Franken aus dem Lotteriefonds bleiben der Stadt unter dem Strich Kosten von 2,19 Millionen Franken.

Beim anvisierten Projekt handle es sich um «keine Luxus-variante im Vergleich mit der Einwohnerzahl der umliegenden Gemeinden», hält die Burgdorfer Sportkommission fest und verweist auf Oberdiessbach mit seinen 3500 Einwohnern und einer identischen Sportanlage mit je einem neuen Kunststoff- und ­Naturrasenspielfeld.

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