Kita-Gutscheine: Abrechnung als Knackpunkt

Die ersten Emmentaler Gemeinden haben sich dazu entschieden, künftig Betreuungsgutscheine auszustellen. Eine echte Alternative haben sie ohnehin nicht.

Eltern können künftig wählen, wo ihr Kind betreut wird. Möglich machen das Gutscheine, für welche ab 2020 die Gemeinden zuständig sind.

Eltern können künftig wählen, wo ihr Kind betreut wird. Möglich machen das Gutscheine, für welche ab 2020 die Gemeinden zuständig sind. Bild: iStock

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Noch bestimmen die Gemeinden, in welchen Kindertagesstätten sie subventionierte Plätze anbieten wollen. Die Eltern, die aktuell abhängig von ihrem Einkommen einen Tarif bezahlen, haben künftig Wahlfreiheit.

Gutscheine machen möglich, dass sie ihre Kinder in jeder Kita und bei jeder Tagesfamilienorganisation betreuen lassen können. Theoretisch, denn in der Praxis ergibt Betreuung je nach Ausgangslage ausserhalb der Wohngemeinde wenig Sinn.

Auch herrscht kein Überangebot an Plätzen, vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Und schliesslich sind nicht alle Einrichtungen diesem Betreuungsgutscheinsystem – ein ohnehin grässlicher Begriff – angeschlossen.

Ab 2020 für alle verbindlich

Fakt ist: Der Kanton zahlt über den Lastenausgleich an die Gutscheine. Überzeugt von den Vorzügen, die das Pilotprojekt in der Stadt zutage förderte, hat die Regierung dieses neue System für verbindlich erklärt.

Ab August 2020 können die Gemeinden ausschliesslich Gutscheine ausstellen. Eine echte Wahl haben sie ­dabei allerdings nicht – bedeutete die Alternative nämlich, dass sie familienergänzende Betreuung gar nicht mehr alimentieren könnten.

Die Administration auslagern

Den Grundsatzentscheid hat Wynigen als eine der ersten Gemeinden gefällt und mitgeteilt. Voraussichtlich werde man die administrativen Arbeiten an den Tageselternverein (TEV) Koppigen und Umgebung auslagern, teilte der Gemeinderat mit.

Der Verein, unter dessen 154 Mitgliedern auch mehrere Gemeinden sind, will ab Januar 2020 mit Gutscheinen operieren. Noch seien die Rückmeldungen nicht zahlreich, sagt TEV-Geschäftsstellenleiterin Pia Frey. Rumendingen vertrete dieselbe Haltung wie Wynigen, Kernenried möchte ebenfalls auf Gutscheine setzen, behält sich vor, selbst abzurechnen. Koppigen habe bisher mündlich Interesse bekundet.

2,5 Stunden mehr pro Familie

Eine Vereinfachung bedeuteten die Gutscheine für die Eltern, sagt Frey. Nicht für die Gemeinden, die mit der Subventionierung mehr Verantwortung trügen. «Die Abrechnung ist der Knackpunkt», so Frey. Zumal noch nicht im Detail klar sei, wie diese genau funktionieren werde.

Abhängig von diesen Unklarheiten sei der effektive Aufwand noch nicht messbar. Beim TEV rechnet sie mit rund 2,5 Stunden mehr pro Betreuungsverhältnis, sprich: pro Familie, die ihr Kind oder mehrere Kinder in diesen Strukturen betreuen lässt. Diese Annahme stützt der Verein auf den Erfahrungen der Stadt Luzern ab, die seit neun Jahren Gutscheine für die Betreuung abgibt.

Aufwand zum Abrechnen

Den grösseren Aufwand, um Gutscheine direkt auszustellen und mit dem Kanton abzurechnen, scheut die Geschäftsstellenleiterin nicht. Auch, weil ein Teil des zusätzlichen administrativen Aufwands bereits heute über den Verein abgewickelt wird, wie Wynigen argumentiert. Anhand des Einkommensnachweises wird berechnet, wie gross die Unterstützung ausfällt. Daran ändert sich im Grundsatz nichts.

Wenn die Eltern selber die ­Institution wählen, sind alle dem Wettbewerb ausgesetzt – auch der TEV. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.05.2018, 17:25 Uhr

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