Keine kurzfristige Rückkehr

Burgdorf

Die kommende Theatersaison kann wider Erwarten im Burgdorfer Casino-Theater gespielt werden, weil sich der Umbau verschiebt. Die Krimitage und andere Veranstaltungen können und wollen jedoch nicht umdisponieren.

Tatort Casino: Lesungen wie jene mit den schwedischen Autoren Hans Rosenfeldt (2.v.l) und Michael Hjorth (3.v.l.) im November 2014 wird es an den diesjährigen Krimitagen nicht geben – zumindest nicht in der Oberstadt. Die Krimitage finden heuer im Steinhofquartier statt.

Tatort Casino: Lesungen wie jene mit den schwedischen Autoren Hans Rosenfeldt (2.v.l) und Michael Hjorth (3.v.l.) im November 2014 wird es an den diesjährigen Krimitagen nicht geben – zumindest nicht in der Oberstadt. Die Krimitage finden heuer im Steinhofquartier statt.

(Bild: Daniel Fuchs)

Philippe Müller

Sie stand bis jetzt unter keinem guten Stern, die geplante Sanierung des altehrwürdigen Burgdorfer Casino-Theaters in der Oberstadt. Seit 2014 wurde der Umbau bereits dreimal nach hinten verschoben. Vor wenigen ­Wochen informierte der Verwaltungsrat darüber, dass das sa­nierte Haus erst auf die Spielzeit 2018/2019 bezugsbereit sein werde und nicht schon im Herbst 2017. Grund dafür sind unter anderem zusätzliche Lärmmessungen, die wegen der gesetzlichen Dezibelgrenze durchgeführt werden müssen.

Das bedeutet nun, dass die ­Casino-Bühne wider Erwarten und relativ kurzfristig für die kommende Saison, die in knapp vier Monaten startet, zur Verfügung steht. Den Programmverantwortlichen ist es gelungen, ­innerhalb kürzester Zeit ein vielfältiges Angebot auf die Beine zu stellen. Auch die drei grossen Hauptveranstaltungen, die im Casino zu Hause sind, hätten theoretisch die Möglichkeit gehabt, ihre Heimbühne zu nutzen. Es sind dies die Burgdorfer Krimitage, die Emmentaler Liebhaberbühne (ELB) und die Theatergruppe Burgdorf (TGB). Doch für alle gilt: Die Ersatzspielorte sind längst organisiert, die Planung ist weit fortgeschritten, die Zeit für einen Standortwechsel zu knapp.

«Wir freuen uns»

Die Krimitage werden sich vom 29. Oktober bis zum 6. November unter dem Motto «Mord auf Verlangen – Endstation Steinhof» für einmal im Steinhofquartier abspielen. Details gibt Mediensprecherin Jessica Kobel noch keine bekannt. Sie verrät nur, dass das Wartsaalcafé, der Schopf, der Alpina-Keller sowie die Maison Pierre in die Veranstaltung miteinbezogen werden.

Von Frust darüber, dass die Krimitage quasi umsonst und mit viel Aufwand einen alternativen Standort gesucht haben, ist bei Kobel nichts zu spüren. «Wir freuen uns, dass es dieses Jahr ­anders wird. Es wird eine neue Chance sein.» Sie geht aber davon aus, dass selbst bei einer erfolgreichen Ausgabe 2016 die nächste Auflage der Krimitage wieder im Casino stattfinden wird.

«Es wird schwierig»

Als «Experiment» bezeichnet ­Ulrich Eggimann das, was die Emmentaler Liebhaberbühne dieses Jahr macht. Sie führt Dürrenmatts Stück «Der Besuch der alten Dame» nur im Rüttihubelbad in Walkringen auf. Normalerweise starten die Vorstellungen auf der ELB-Heimbühne im Ca­sino Burgdorf, ehe danach in den grösseren Saal im Rüttihubel ­gewechselt wird. «Es wird sehr schwierig für uns, den grossen Saal in Walkringen auf Anhieb zu füllen», befürchtet Eggimann.

Der künstlerische Leiter betont, dass es sich bisher bewährt habe, im kleineren Casino anzufangen. «Bis wir dann in Walkringen spielten, hatte sich dank der Mundpropaganda jeweils bereits herumgesprochen, dass die ELB wieder auf der Bühne ist.» Die Auslastung sei daher von Beginn an stets gut gewesen, sagt Eg­gimann. Dieser Vorlauf fehle jetzt. «Ich bin mir nicht sicher, ob es uns gelingen wird, mit nur einem Spielort schwarze Zahlen zu schreiben.» Eine weitere Frage sei, ob das Burgdorfer Publikum nach Walkringen gelockt werden könne.

«Das tut mir weh»

Er sei etwas frustriert, gibt Ruedi Schütz zu. Er ist Sekretär der Theatergruppe Burgdorf. «Wir sind davon ausgegangen, dass es jetzt endlich losgeht mit der Casino-Sanierung.» Deshalb habe die TGB extra ein Stück gewählt, das auf der kleinen Bühne des Theaters Z aufgeführt werden könne. «Dass wir jetzt zwei Jahre hintereinander nicht im Casino werden spielen können, tut mir weh», sagt Schütz. Er mache niemandem direkt einen Vorwurf. «Ich habe aber den Eindruck, dass der politische Einsatz fürs Schloss und für die Markthalle grösser war als jetzt beim Umbau des Casino-Theaters.»

Ein kurzfristiger Umzug ins Casino war für die TGB-Crew kein Thema. «Das Hin und Her wäre zu gross gewesen. Wir hätten aufgrund der alternierenden Veranstaltungen immer wieder die Bühne räumen müssen.» Schütz freut sich nun aufs Theater Z und die Uraufführung eines Stücks des Schweizer Autors Marco Badilatti.

Berner Zeitung

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