Keine Begeisterung für Mehrweggeschirr

Burgdorf

Ab der nächstjährigen Solätte und Kornhausmesse müssen Besucher für Trinkbecher und Geschirr ein Depot bezahlen. Die Organisatoren von Anlässen auf öffentlichem Grund sind von den neuen Vorschriften nicht begeistert.

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Urs Egli

«Es wird sicher eine Aufgabe und Herausforderung für uns werden», sagt Beat Jakob, Präsident des Ausschusses Solennität. Er antwortet auf die Frage, wie er die vom Stadtrat beschlossene Vorschrift, dass in Burgdorf an bewilligungspflichtigen Anlässen auf öffentlichem Grund ab 1. Januar 2016 nur noch Mehrweggeschirr verwendet werden darf, in die Praxis umsetzen werde.

Namentlich die logistischen Abläufe beim Einsatz des Depotgeschirrs müssten im grossen Ausschuss der Solätte noch vertieft diskutiert werden, betont Jakob. Denn am grössten, stets am letzten Montag im Juni stattfindenden Anlass in der Stadt, gibt es verschiedene von Wirten geführte Festbeizen. Probleme erkennt Beat Jakob bei der Umsetzung der neuen Vorschrift jedoch nicht, «sondern nur Lösungen».

Das Hoffen auf die Stadt

Wie die Lösung bezüglich Mehrweggeschirr für künftige Kornhausmessen konkret aussehen wird, kann sich Heinz Schwarz noch nicht genau vorstellen. Der OK-Präsident der Messe in der unteren Altstadt, die in diesem Jahr von 25'000 Personen besucht wurde, ist zwar grundsätzlich bereit, einen Beitrag zur Lösung des Abfallproblems zu leisten: «Die Stadt hat mit uns einen verlässlichen Partner. Wenn wir das Mehrweggeschirr einführen müssen, werden wir uns nicht dagegen wehren.»

Allerdings müsse dies in einem vertret- und bezahlbaren Rahmen bleiben. Er befürchtet gar, dass der logistische Aufwand die personellen Ressourcen der Kornhausmesse sprengen könnte. «Als Nonprofitorganisation wäre es für uns unmöglich, eine grosse Vorinvestition für das Geschirr zu leisten», betont Schwarz. Wenn die Stadt das neue System an der Solätte aber praktiziere und die nötigen Vorinvestitionen leiste, «sind wir vom Organisationskomitee der Kornhausmesse bereit mitzuziehen».

Hoher Aufwand befürchtet

«Nicht glücklich» ist Stefan Aebi, Verwaltungsratspräsident der Burgdorfer Gasthausbrauerei AG, mit dem Entscheid des Stadtrates. Bereits vor einigen Jahren habe die Brauerei Mehrwegbecher eingekauft, im Einsatz hätten sich diese jedoch nicht bewährt. Zum einen seien die Bierbecher optisch nicht schön, zum anderen verursache deren Reinigung einen hohen Aufwand, weil zusätzlich Leute und Equipment nötig seien.

Stefan Aebi sagt gar, man werde sich überlegen müssen, ob sich die Investition in Mehrwegbecher für einen einzigen Grossanlass in Burgdorf – die Kornhausmesse – für die Brauerei noch lohne. Die zweite grosse Veranstaltung für die Gasthausbrauerei AG ist deren Generalversammlung, die jedoch nicht öffentlich ist. Somit können die Aktionäre ihr Bier weiterhin aus Einwegbechern trinken.

Entscheidet das Volk?

Gross war die Skepsis gegenüber der Einführung des Mehrweggeschirrs bereits bei der Reglementsänderung im Stadtrat. Die BDP-Fraktion verlangte gar die Rückweisung des Geschäfts, die FDP kritisierte die Reglementsänderung. Dass diese letztlich doch gutgeheissen wurde, sticht dem Burgdorfer Bürger Fritz Bösiger dermassen in die Nase, dass er das Referendum ergriffen hat (siehe Box).

Was in Burgdorf jetzt kontrovers diskutiert wird, ist in Bern und Thun, aber auch in St.Gallen längst Tatsache. Daran, dass man für Becher oder Teller ein Depot von zwei Franken bezahlen muss, haben sich auch die Besucher von Open Airs gewöhnt.

Gute Erfahrungen in Thun

«Die Schwierigkeit in der Praxis liegt bei der Differenzierung der kleinen und grossen Anlässe. Bei uns sind grundsätzlich alle ‹mehrwegpflichtig›», erklärt der Thuner Gemeinderat Konrad Hädener auf Anfrage. Heute stehe dieser Grundsatz nicht mehr zur Diskussion. Der Stadtrat habe sich nicht weniger als dreimal für die generelle Mehrwegpflicht ausgesprochen. In Thun habe sich die Opposition gegen das Mehrweggeschirr vor allem bei den kleinen Anlässen manifestiert. An der Fasnacht und am Thunfest sei das Depotgeschirr kein Problem. Selbst die Seespiele setzten die Vorschrift gut um, betont Hädener.

Grösste Ausnahme bleibe der Stadtlauf mit der Läuferverpflegung für die rund 2300 Teilnehmer. Dort sei eine sinnvolle Umsetzung schwierig. Diese Ausnahme gilt übrigens auch am GP von Bern. Für den Thuner Baudirektor zählt das Ergebnis: «Seit der Mehrwegpflicht sind die Feste sauberer, und es fallen zum Teil massiv weniger Abfälle an. Dies hat auch einen positiven Einfluss auf die Sicherheit an Veranstaltungen.»

Berner Zeitung

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