Kein Café mehr im Volg

Krauchthal

Mit Katharina Luder verliert der Volg-Laden in Krauchthal auch sein Tearoom.

Detailhandelsunternehmen will das Café im Volg in Krauchthal nicht weiterführen.

Detailhandelsunternehmen will das Café im Volg in Krauchthal nicht weiterführen.

(Bild: Keystone)

Ab Ende Mai wird Katharina Luder wieder mehr Zeit für sich haben. Gleichzeitig geht für sie eine Ära zu Ende, die sie mit Leib und Seele ausfüllte. Mehr als zwanzig Jahre lang führte die heute 61-Jährige den Volg-Laden in Krauchthal: mit dem Warensortiment von Volg zwar, aber auf eigene Rechnung. «Wir haben das Haus im Jahr 1998 gekauft, umgebaut und in den Laden zusätzlich ein Tearoom integriert», sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Das Café mit den zwanzig Sitzplätzen öffnete seine Pforten im März 2000. Ende Mai ist nun aber Schluss.

Zum einen aus Altersgründen, zum anderen, weil das Einkaufsverhalten der heutigen mobilen Gesellschaft sich stark in Richtung Grossverteiler verändert habe, sagt Luder. Zwar gibt es im Dorf noch eine Käserei und einen Landi-Laden. Und auch der Volg bleibt erhalten. Das gleichnamige Detailhandelsunternehmen, das den 170 Quadratmeter grossen Laden nach einem vorgängigen Totalumbau übernehmen wird, wolle das Café allerdings nicht weiterführen.

Arbeiter und Senioren

Damit fällt auch der Treff für ältere Frauen weg. Diese hätten sich während Jahren fast täglich im Café getroffen, heute meistens noch samstags, sagt Katharina Luder. Sie führt dies auf die Eröffnung des Alterszentrums Jurablick in Hindelbank zurück. «Viele ältere Leute sind dorthin gezogen.»

Regelmässige Stammgäste waren bis zuletzt auch Arbeiter, die frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit noch schnell etwas tranken. Obschon Luder eine Spielkiste für die Kleinsten zur Verfügung stellte, hätten in letzter Zeit kaum mehr Mütter den Weg in das Lokal gefunden. Die Zeiten hätten sich geändert, Zeit sei ein rares Gut geworden, sinniert die scheidende Wirtin. Offensichtlich habe das Virtuelle das Analoge abgelöst.

Weniger Spielraum

Das Geschäft bleibe erhalten, das Café allerdings werde in dieser Form nicht mehr weitergeführt, bestätigt Mario Frey, Volg-Bereichsleiter Region West. «Ein dem Laden angegliedertes Café liegt nicht im Konzept der Volg-Geschäfte», betont er. Die 60 privat geführten Filialen in der Schweiz hätten in dieser Hinsicht mehr Spielraum. Zum Mitnehmen sei Kaffee allerdings auch im neuen Geschäft zu haben.

«Ein dem Laden angegliedertesCafé liegt nicht imKonzept der Volg-Geschäfte.»Mario Frey?Bereichsleiter Region West

Rund 400 f000 Franken kostet der Gesamtumbau. Am 21. Juni wird das Geschäft wiedereröffnet. Beim Umbau berücksichtigt würden regionale Unternehmer, so Frey. Das Warensortiment bleibe gleich, dafür werde die Ladenfläche grosszügiger. Das bisherige Verkaufspersonal wird, nach bereits erfolgten Eignungsabklärungen, übernommen. Dies betrifft zwei Vollzeit- sowie vier Teilzeitangestellte. Die künftige Volg-Ladenleiterin Fabienne Burger stammt ebenfalls aus dem bisherigen Team.

Berner Zeitung

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