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Kein Betty-Bossi-Rezept für die Bauern

Sie waren gebeten, Perspektiven der Emmentaler Landwirtschaft aufzuzeigen. Doch weder der Volkswirtschaftsdirektor noch der neue Chef des kantonalen Landwirtschaftsamts nannten am Bäreggforum ein Patentrezept.

Letzte Retuschen am Manuskript: Christian Hofer und Christoph Ammann (rechts) hatten aber nirgends konkrete Lösungsansätze notiert.
Letzte Retuschen am Manuskript: Christian Hofer und Christoph Ammann (rechts) hatten aber nirgends konkrete Lösungsansätze notiert.
Hans Wüthrich

Nach zwei Stunden hatten die Landwirte viel gehört. Aber offenbar wenig, das ihnen wirklich weitergeholfen hätte. Walter Sutter, der Langnauer Gemeindepräsident und Landwirt, stellte fest, dass immer wieder der Begriff «weiterentwickeln» gefallen sei. Was denn darunter zu verstehen sei, wollte er von den Referenten wissen. «Wie soll sich ein 15-Hektaren-Betrieb mit Hanglage weiterentwickeln?», wollte er vom Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) und von Christian Hofer, dem neuen Vorsteher des Amtes für Landwirtschaft und Natur (Lanat), wissen. «Wenn es darauf eine Betty-Bossi-Antwort gäbe, hättet ihr das ­alle schon längst umgesetzt», sagte Ammann. Ideen seien gefragt, aber diese könne nicht der Regierungsrat liefern.

Das Bäreggforum, das am Freitagnachmittag im Inforama Emmental stattfand, hatte grosse Hoffnungen geweckt, stand es doch unter dem Titel «Perspek­tiven der Emmentaler (Land-) Wirtschaft. Es ärgere ihn ja selber, sagte Christoph Ammann, dass Bern als grösster Agrarkanton nur einen relativ kleinen Spielraum habe in der Landwirtschaftspolitik. Er verwies auf das Berner Pflanzenschutzprojekt und auf die Berner Bio-Offensive – auf zwei Projekte also, bei denen die Landwirte freiwillig mitmachen und allenfalls etwas dazuverdienen können.

Ammann will «Originalton»

Doch ein Patentrezept, nach dem sich die Emmentaler Landwirte «weiterentwickeln» könnten, habe er nicht, sagte Ammann. Der Volkswirtschaftsdirektor versicherte den nicht eben in grosser Zahl versammelten Emmentaler Bauern, dass er ein offenes Ohr habe für ihre Anliegen. «Sagt mir, was nicht gut läuft. Ich muss euren Originalton hören», ermunterte Ammann.

Einer, der diese «Originaltöne» wohl zuerst hören wird, heisst Christian Hofer. Am 1. Februar trat er seinen Posten als Lanat-Chef an. Der gebürtige Oberaargauer hatte damit auf der Bäregg seinen ersten öffentlichen Auftritt. Organisiert wurde das Forum vom Ehemaligenverein Schwand-Bäregg und vom Inforama. Gemäss ihren Vorgaben hätte sich Hofer dazu äussern sollen, wie sein Amt die Emmentaler Landwirtschaft fördert. Doch ­dazu sah sich der ehemalige Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft nach so kurzer Einarbeitungszeit noch nicht in der Lage.

Von unten, nicht von oben

Auch Christian Hofer spielte den Ball den zuhörenden Landwirten zu: «Sie müssen das Steuer selber in die Hand nehmen», sagte er. Er verspricht sich grösseren Erfolg, wenn die Strategien an der Basis entwickelt würden, als wenn die Landwirte Empfehlungen von oben übernehmen müssten. «Vielleicht hat sich die Landwirtschaft in der Vergangenheit zu stark auf die Agrarpolitik verlassen und zu wenig Mut zur Emanzipation vom Staat gezeigt», sagte Hofer und doppelte später nach: «Es ist aus meiner Sicht falsch, wenn der Staat für die Landwirtschaft eine Zukunftsstrategie erarbeiten oder als Problemlöser für alle Schwierigkeiten in der Verantwortung stehen soll.» Wer die Herausforderungen proaktiv angehe, ziehe meist als Gewinner vom Feld, konstatierte Hofer. Dabei verwies er auf das Beispiel aus dem Entlebuch, wo man der Hochmoorinitiative mit dem Biosphärenreservat begegnete.

Die dynamischen Jungbauern

Ein Blick in die Statistik zeigte dem Lanat-Chef, wie sich die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe im Emmental entwickelt hat. Von 2000 bis 2017 sank sie von 2788 auf 2080. Das entspricht einer Abnahme um 25 Prozent, während der Wert im Kanton Bern bei 29 Prozent lag. Stieg die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Betrieb im kantonalen Mittel um 38 Prozent, wuchs sie im Emmental um 30 Prozent. Das bedeute, gab ein Votant zu bedenken, dass der einzelne Bauer mehr Fläche bewirtschaften müsse und die Arbeitsbelastung somit zunehme. «Das hängt von der Person ab und davon, wie sie sich organisiert und ihren Betrieb ausrichtet», hielt ihm Hofer entgegen. Zusammenarbeitsformen und der technologische Fortschritt könnten helfen, das Wachstum «sozialverträglich» zu machen. Wenn er die jungen Landwirte betrachte, die heute am Inforama ausgebildet würden, «sehe ich eine grosse Chance für die Berner Landwirtschaft», sagte Hofer. «Sie sind flexibel und dynamisch. Sie können mit den Veränderungen umgehen und die neuen Herausforderungen annehmen.» Die Generation, auf die Hofer seine Hoffnungen setzt, war am Bäreggforum jedoch kaum vertreten.

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