Kaufen kann man damit nichts

Der Glücksrappen gilt als Symbol für Reichtum. Wer ein solch kleines Stück aus Bronze im Portemonnaie hat, dem soll nie das Geld ausgehen.

«Der Glücksrappen ist sicher kein  isoliertes  schweizerisches Phänomen», sagt Münzenhändler Patrick Huber.

«Der Glücksrappen ist sicher kein isoliertes schweizerisches Phänomen», sagt Münzenhändler Patrick Huber. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zugegeben, eine grosse Fangemeinde von Numismatikern, die den Einräppler als Sammelobjekt, und im Speziellen als Symbol des Glücks, in Ehren halten, gibt es im Emmental nicht. Und auch Patrick Felder, Leiter des Privatkundengeschäfts bei der Berner Kantonalbank in Burgdorf, hat in jüngster Zeit nicht feststellen können, dass das Einrappenstück in seiner Filiale ein besonders gefragtes Objekt wäre. Er vermutet, dass man die Zahl der Einräppler, die vor Weihnachten und Neujahr herausgegeben wurden, «an einer Hand abzählen könnte».

Weit grösser sei da die Nachfrage nach dem Goldvreneli. Dies darum, weil das 10er- und das 20er-Vreneli zu 90 Prozent aus Gold gefertigt sind und damit nicht nur einen ideellen, sondern auch einen realen Wert haben: Das 10er wird gegenwärtig mit etwa 180 Franken gehandelt, das 20er mit 260 Franken. Das Einrappenstück dagegen besteht aus einer 1,5 Gramm leichten Bronzelegierung, sodass die Herstellungskosten weit höher sind beziehungsweise waren, als der Wert des Metalls.

Für alle erschwinglich

Trotzdem: Im Emmental ist der Einräppler als Symbol des Glücks noch wohlbekannt und dürfte in manch einem Kässeli oder in einer Vitrine sorgsam aufbewahrt werden. Wobei für Patrick Huber, der in Aarau eine Münzen- und Edelmetallhandelsfirma leitet, klar ist: «Der Glücksrappen ist sicher kein isoliertes schweizerisches Phänomen.» So würden in unseren Nachbarländern Glückcents – früher Pfennige, Groschen, Centimes – für denselben Zweck benutzt.

Huber geht davon aus, dass der Rappen seit der Einführung der Bundeswährung im Jahr 1850 als Glücksrappen verteilt wird. Der Ein­räppler eigne sich dafür allein aufgrund seines geringen Nominalwertes und des minimalen Platzbedarfs im Geldbeutel bestens. Sprichwörtlich werde gesagt: «Wer einen Rappen im Portemonnaie trägt, hat immer Geld.» Das kleine Geldstück soll also in finanziellen Angelegenheiten Glück versprechen.

Schutz vor Hexen

Der Glücksrappen – in Deutschland einst der Glückspfennig, heute Glückscent – habe früher auch als kleine Ausgabe des Tauftalers oder des Weihgroschens gegolten, heisst es dazu im Magazin «Zeitlupe». Und: «Der goldene Tauftaler sollte Segen bringen, der Weihgroschen wurde zum Schutz vor Hexen an die Stalltüre genagelt. Wurde der Rappen offen in der Hosentasche getragen, sollte er vor Betrug im Wirtshaus und beim Viehhandel bewahren.»

Der Ursprung des Brauchs mit Glücksmünzen dürfte einige Hundert Jahre zurückreichen. «Bekannt seien solche als Patenpfennige, die bereits im 16. Jahrhundert als Segensbringer abgegeben wurden», sagt Patrick Huber. Weihpfennige und Talisman-Münzen und -Medaillen seien als Schutzamulette oder als Heilsbringer bereits seit der Antike im Gebrauch. Sicher sei, dass das ­sogenannte Rappen-Nominal bereits ab dem 13. Jahrhundert geprägt worden sei. «Doch wann dieses zum ersten Mal als Glücksrappen bezeichnet oder gebraucht wurde, wird wohl nicht zu eruieren sein», vermutet der Münzen- und Edelmetallhändler.

«Schwarz wie ein Rappe»

Die Bezeichnung Rappen gehe vielleicht auf den in Freiburg im Breisgau ab dem 13. Jahrhundert geprägten Pfennig zurück, heisst es dazu auf Wikipedia, der einen womöglich als Raben verspotteten Adler aufgeprägt hatte. Im Laufe seiner langen Prägezeit habe sich dieser tatsächlich zum Raben gewandelt. Eine andere Herleitung gehe davon aus, dass die Bezeichnung Rappen ursprünglich Schwarzpfennig bedeutet ­habe, weil der wenig Silber enthaltende Pfennig schneller schwarz geworden sei – «schwarz wie ein Rappe».

230 Millionen Stück

Wer heute ein Einrappenstück oder auch hundert davon in seinem Portemonnaie hat, kann vielleicht auf Glück hoffen, aber etwas in Migros oder Coop kaufen, kann er oder sie damit nicht. Denn am 1. Januar 2007 wurde der Einräppler, von dem seit 1850 mehr als 230 Millionen Stück geprägt wurden, ausser Kraft gesetzt. Zum einen, weil im Jahr 2006 die Herstellungskosten aufgrund stark gestiegener Rohstoffpreise auf 11 Rappen pro Stück angestiegen waren. Zum anderen hatte der Einräppler im Zahlungsverkehr längst keine Rolle mehr gespielt.

Nichtsdestotrotz: Als Souvenir, Sammlerstück und Glücksbringer wird der Einräppler auch künftig gefragt sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.01.2018, 09:16 Uhr

Der Marienkäfer

Ein Geschenk der Jungfrau Maria?

Er wird wegen seiner Nützlichkeit geschätzt und gilt als Glückssymbol: der Marienkäfer (Coccinellidae). Kein Wunder, ist das 4 bis 10 Millimeter kleine Insekt ein beliebtes Motiv auf Glückwunschkarten und aktuell auf einer Briefmarke der Schweizer Post. Vor allem der Siebenpunkt-Marienkäfer besitzt ein hohes Ansehen als Glücksbringer, zumal die Zahl 7 in etlichen Kulturen als Glückszahl sowie als heiliges Symbol gilt. Der Name des tagaktiven Tierchens geht wohl darauf zurück, dass die Bauern den Käfer wegen dessen Nützlichkeit für die Landwirtschaft als Geschenk der Jungfrau Maria ansahen.

In Europa kommen gemäss Natur-lexikon.com etwa 100 verschiedene Marienkäferarten vor, weltweit würden mehr als 4000 Arten beschrieben. Die Weibchen legen etwa 800 gelbliche Eier ab. Nach circa einer Woche schlüpfen rot gefleckte, gut bewegliche Larven, welche bereits Blattläuse fressen. Die Larven verpuppen sich nach 3 bis 6 Wochen. Bis dahin haben sie bereits mehr als 500 bis 2000 Pflanzenläuse und Spinnmilben vertilgt. Nach rund 2 Wochen schlüpfen dann die jungen Marienkäfer. Pro Jahr gibt es zwei Generationen Marienkäfer. Sie leben in Wiesen, Wäldern und Gebäuden. Die Käfer können gemäss Internetlexikon Wikipedia gut fliegen und erreichen 75 bis 91 Flügelschläge pro Sekunde. Zu den natürlichen Feinden gehören Vögel, Frösche, Eidechsen, Spinnen und Ameisen.

Artikel zum Thema

Schwein gehabt!

Sauen stehen für Fruchtbarkeit, Stärke und Wohlstand. Ihren Haltern im Emmental bringen sie tatsächlich auch Glück – mindestens im übertragenen Sinn. Mehr...

Auf dem Weg zum Glück

Schweine aus Marzipan, Marienkäfer aus Plastik, Kaminfeger aus Pfeifenputzern: Glücksbringer kaufen und mit zur Silvesterparty bringen kann jeder. Wer etwas auf sich hält, überreicht einen Talisman aus eigener Fabrikation. Zum Beispiel vierblättrigen Klee. Mehr...

Der Glücksbringer im schwarzen Gewand

Kaminfeger ­bringen seit je Glück. Doch der ­traditionelle Beruf ist im ­Umbruch. Simon Sägesser ist einer der jüngsten Kreis­kaminfegermeister im Kanton. Er bewegt sich zwischen Tradition und Moderne. Mehr...

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Die Schönheit zum Schlucken boomt

Beruf + Berufung «9 to 9» statt «9 to 5»

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...