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Käfer an der Tour de Suisse

Bevor es für die Radprofis in Langnau am zweiten Renntag langsam wieder ernst galt, starteten andere zu einer Vergnügungsfahrt. Sie liessen ihre uralten VW Käfer den Schallenberg und das Chuderhüsi hinaufröcheln.

Ueli Zollinger hat «zeitgenössisches Zubehör» in seinem uralten VW Käfer: eine Vase, natürlich mit Inhalt.
Ueli Zollinger hat «zeitgenössisches Zubehör» in seinem uralten VW Käfer: eine Vase, natürlich mit Inhalt.
Marcel Bieri

Am Samstag werden sie kaum weniger gezittert haben als die Organisatoren der Tour de Suisse. Als ein Gewitter in Anmarsch war, fürchteten die einen in Langnau, die erste Etappe der Tour de Suisse abbrechen zu müssen. Die anderen, die aus der Ostschweiz angereist waren und in Werthenstein übernachten wollten, hatten Angst um die Karosserie ihrer Oldtimer. Doch der Hagel traf dann ein Gebiet, das zwischen Langnau und dem luzernischen Werthenstein liegt.

So können die Ostschweizer am Sonntagvormittag mit ebenso unverbeulten VW Käfern im oberen Emmental vorfahren wie ihre Clubkollegen aus anderen Landesteilen. Rund zwanzig versammeln sich am Langnauer Dorfrand vor der Druckerei Vögeli. Als sich aber das Zentrum mit immer mehr Menschen füllt, die das Radspektakel nicht verpassen wollen, nähern sich auch die uralten VW Käfer in einer Kolonne. Bevor die Zuschauer am Strassenrand den strampelnden und schwitzenden Radprofis zujubeln werden, gehört die Strecke den nostalgischen Fahrzeugen.

So sieht es aus, wenn VW Käfer auf der Rennstrecke der Tour de Suisse fahren. Video: Susanne Graf

Jahrgang 1957 und älter

Als uralt gelten laut dem gleichnamigen Club jene VW Käfer, die 1957 oder früher gebaut wurden. Ueli Zollinger ist mit einem Gefährt aus dem Jahre 1953 von Hinwil aus dem Zürcher Oberland mit von der Partie. Zu Hause habe er noch sechs weitere Oldtimer dieser Marke, sagt der 60-jährige Inhaber einer Gartenbaufirma. Den ersten habe er im Jahr 2000 gekauft. Warum? «Weil er genau so aussah wie der Käfer meines Vaters», sagt er. Es waren also Erinnerungen und Gefühle, die am Anfang seiner Leidenschaft standen.

Erinnerungen und Gefühle sind es auch, die sich in den Gesichtern und Gesten widerspiegeln, die Zollinger und seine Clubkollegen in den nächsten etwa anderthalb Stunden zu sehen bekommen. Auf der ganzen Fahrt steht oder sitzt kaum jemand am Strassenrand, den die in einer Kolonne fahrenden Käfer kaltlassen würden. Wenn die Zuschauer nicht winken oder den Daumen hochhalten, quittieren sie den Anblick der alten Gefährte doch fast durchwegs mit einem fröhlichen Lächeln. Selbst die vielen Radfahrer, die sich einen der Hügel hocharbeiten, um die Profis dann von dort aus zu bewundern, scheinen ihre Strapazen für einen Moment zu vergessen. «Viele hatten halt irgendwann ein Erlebnis mit einem VW Käfer», erklärt sich Ueli Zollinger die Sympathie, die den Gefährten entgegenkommt.

Im ersten Gang

Doch so viel beachtet wie an diesem Sonntag wurden die Autos in ihrem langen Leben selten. Zu Tausenden stehen die Menschen am Strassenrand oder haben es sich in Campingstühlen bequem gemacht. Immer wieder dringt von irgendwo Bratwurstduft ins Auto. Die Oberemmentaler machen aus der Tour de Suisse ein Volksfest. Am engsten stehen die Zuschauer – abgesehen vom Langnauer Dorfzentrum – auf dem Schallenberg und dem Chuderhüsi.

Später werden sie hier staunen, wie locker die Radprofis die steilen Stellen meistern. Ueli Zollingers Käfer mit seinen 24,5 PS schafft die letzten Meter vor dem Chuderhüsi jedenfalls nur noch im ersten Gang. Doch er zeigt nicht die leisesten Zeichen von Schwäche. Das Einzige, was an ihm nicht funktioniere, sei die Hupe, sagt sein Besitzer. Das ist denn auch der Grund, warum sich der Chauffeur des elegant schwarz glänzenden Käfers bloss winkend für die Sympathiebekundungen bedanken kann.

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