Burgdorf

Jugendliche kamen zu leicht an Alkohol

BurgdorfTestkäufe an der letztjährigen Solätte haben gezeigt, dass Minderjährigen Alkohol ausgeschenkt wurde. Die Stadt gibt nun Gegensteuer.

«Man kann nicht immer klar sagen, du bist nüchtern oder du bist betrunken», sagt Regierungsstatthalterin Claudia Rindlisbacher.

«Man kann nicht immer klar sagen, du bist nüchtern oder du bist betrunken», sagt Regierungsstatthalterin Claudia Rindlisbacher.

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Die Stadt hat zu einem Präventionsanlass zum Thema Alkoholausschank an Minderjährige eingeladen. Hat Burgdorf ein schwerwiegendes Problem?
Claudia Rindlisbacher: Nein, das würde ich nicht sagen. Aber an der letzten Solätte hat die Sicherheitsdirektion der Stadt festgestellt, dass Handlungsbedarf besteht. Deshalb hat Burgdorf nun diese Schulung für gastgewerbliche Bewilligungsnehmer durchgeführt. Es ist aber vorgesehen, dass in allen Emmentaler Gemeinden die für den Jugendschutz Verantwortlichen geschult werden. Sie sollen wissen, welche Angebote und Hilfen, zum Beispiel durch das Blaue Kreuz, zur Verfügung stehen.

Was war denn das Problem an der letzten Solätte?
Jugendliche sind zu Alkohol gekommen, weil Betreiber von Gastwirtschaftslokalen die Alterskontrolle nicht immer mit der nötigen Sorgfalt und Konsequenz durchgeführt haben.

Ein 17-Jähriger darf vom Gesetz her Bier und Wein trinken. Es sei denn, er besucht noch die Volksschule. Macht sich ein Wirt strafbar, wenn er einem 17-jährigen Volksschüler Bier ausschenkt?
Wir müssen unterscheiden, ob jemand gemäss Strafgesetzbuch oder nach Verwaltungsrecht strafbar ist. Ob sich ein Wirt im geschilderten Fall strafrechtlich strafbar gemacht hat, müsste ein Staatsanwalt oder ein Strafrichter klären. Bezüglich verwaltungsrechtlicher Massnahmen bin ich zuständig und müsste demnach beurteilen, ob es einen Grund gibt, etwas zu verfügen. Wenn ein Wirt die persönliche Situation des 17-jährigen Volksschülers nicht kennt, muss man den gesunden Menschenverstand walten lassen.

Es genügt also, wenn vor dem Alkoholausschank die Identitätskarte verlangt und kontrolliert wird?
In der Regel reicht dies.

Eine zweifelsfreie Kontrolle ist demnach nicht möglich.
Das ist so. Es sei denn, der Rektor der Schule, an welcher der 17-Jährige den Unterricht besucht, sei anwesend und könnte den Sachverhalt klären.

Strafbar macht sich ein Wirt, wenn er einem bereits Betrunkenen Alkohol ausschenkt. Wie hoch liegt die Messlatte, damit man als betrunken gilt?
Das ist tatsächlich ein schwieriges Thema. Sicher ist, dass es nicht nur Weiss oder Schwarz gibt. Man kann nicht immer klar sagen, du bist nüchtern oder du bist betrunken. Von nüchtern über angesäuselt bis angetrunken und besoffen sind die Grenzen fliessend. Um den tatsächlichen Zustand einer Person feststellen zu können, gibt es für einen Wirt keine Kontrollmöglichkeit. Auch hier ist der gesunde Menschenverstand gefragt.

Wie oft werden Wirte im Emmental pro Jahr gemassregelt, weil sie oder deren Mitarbeiter Alkohol an Minderjährige ausschenken?
Verwarnungen wurden bei wiederholten Vergehen schon ausgesprochen, jedoch passiert dies nicht oft. Wie häufig dies vorkommt, hängt auch davon ab, wie regelmässig Testkäufe gemacht werden. Seitdem ich beim Regierungsstatthalteramt arbeite, ist mir kein Fall bewusst, der aus Gründen des Jugendschutzes zu einer Schliessung des Betriebs geführt hätte. Eine solche Massnahme ist wirklich nur die Ultima Ratio. Wenn nötig, lade ich die Sünder zu mir ein, um dann im Gespräch feststellen zu können, wo das Problem liegt.

Die Personalfluktuation könnte ein Problem sein.
Die hauptsächlichen Gründe dafür sind tatsächlich, dass es im Gastgewerbe häufig zu Personalwechseln kommt oder aber ein Restaurant von einem neuen Betreiber übernommen wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2018, 09:55 Uhr

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