Jetzt ist das Volk am Zug

Burgdorf

Die Industrie­brache der ehemaligen ­Maschinenfabrik Aebi beim Bahnhof soll überbaut ­werden. 300 Wohnungen, ­Büros und Gewerberaum sind geplant. Nun kann sich die ­Bevölkerung an der öffentlichen Mitwirkung beteiligen.

Die frühere Maschinen­fabrik Aebi: Die Bevölkerung soll sagen, was sie vom noch zu bauenden ­Suttergut Nord hält.

Die frühere Maschinen­fabrik Aebi: Die Bevölkerung soll sagen, was sie vom noch zu bauenden ­Suttergut Nord hält.

(Bild: Thomas Peter)

Landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge wurden dort einst über viele Jahrzehnte gefertigt, doch schon bald sollen hier Menschen wohnen und arbeiten. Die Rede ist von der Industriebrache der ehemaligen Maschinenfabrik Aebi beim Bahnhof Burgdorf. Um das Projekt realisieren zu können, will die Liegenschaftsbesitzerin Alfred Müller AG, Cham, ­ihre Fabrikbauten abbrechen.

Gegen das Gesuch um Abbruch von zwei markanten Industriehallen hat der Heimatschutz aber Einsprache erhoben. Ob dieses Veto Gehör findet, ist noch nicht entschieden.

Bis zu 30 Meter hoch

Grundsätzlich steht der Erstellung von Gebäuden für Wohn-, Büro- und Gewerbenutzung auf dem Aebi-Areal nichts mehr im Weg. Denn mit seinem Ja zur Teilrevision der baurechtlichen Grundordnung hat der Stadtrat im Dezember 2016 den Weg für den Bau vom sogenannten Suttergut Nord frei gemacht.

Geplant sind sieben unterschiedlich grosse Baukörper, die zusammen eine nutzbare Geschossfläche von maximal 40'000 Quadrat­metern aufweisen. Die Hälfte der Fläche soll für den Bau von etwa 300 Wohnungen genutzt werden. Die Gebäude zählen drei bis acht Geschosse und werden bis zu 30 Meter hoch.

Akzent am ESP-Standort

Nachdem der Gemeinderat dem Entwurf der Überbauungsordnung (ÜO) zugestimmt hat, kann jetzt auch die Bevölkerung mit­reden. Noch bis zum 5. Mai darf jedermann im Rahmen des öffentlichen Mitwirkungsverfahrens schriftlich bei der Baudirektion Einwendungen und Anregungen machen.

«Aufgrund dieser Eingaben sind wir dann verpflichtet, einen Mitwirkungsbericht zu erstellen, der in die Vorprüfung durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) des Kantons Bern einfliessen wird», erklärt Peter Hänsenberger, Leiter der Baudirektion der Emmestadt.

Das AGR prüfe dann aufgrund der vom Volk eingebrachten Argumente, ob die Stadt alles Wesentliche berücksichtigt habe oder «ob es Aspekte und Details gibt, die noch zu berücksichtigen sind». Nach Abschluss der kantonalen Vorprüfung und der Überarbeitung der ÜO erfolgt die öffentliche Auflage. Gibt es Opposition, werden Einspracheverhandlungen geführt. Letztlich muss die ÜO vom Kanton genehmigt werden.

Zentral ist für Peter Hänsenberger, dass das mitten im Siedlungsgebiet gelegene Aebi-Areal so entwickelt wird, dass für das Quartier und die Stadt ein hoher Mehrwert resultiert. Angestrebt wird eine gute Durchmischung von Dienstleistungs- und Wohnnutzung. Die Industriebrache habe ein hohes Nutzungspotenzial, das optimal entwickelt werden könne.

Die Überbauung Suttergut Nord soll das neue Zentrum von Burgdorf im Bahnhofgebiet erweitern, verstärken und beleben. Von der anvisierten vielfäl­tigen Nutzung erhofft sich Hänsenberger eine Aufwertung des ESP-Standorts am Bahnhof.

«Neue Visitenkarte»

Bleibt die Frage: Kann die Stadt Burgdorf auf die konkrete Ausgestaltung des jetzt vorliegenden Richtprojekts noch Einfluss nehmen? «Ja», sagt der Vorsteher der Baudirektion, «im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens.» Die ÜO enthalte einen gewissen Spielraum für das Ausführungsprojekt. Dieser werde allerdings auch durch die Festlegung einer minimalen Gebäudehöhe beschränkt.

Ziel der ÜO sei die Umsetzung des Richtprojekts unter Beibehaltung der Verteilung und der Höhenentwicklung der Baukörper. So wird zum Beispiel das gegen 30 Meter hohe Büro- und Gewerbehaus an der Tiergartenstrasse einen markanten Abschluss der Gesamtüberbauung Suttergut Nord bilden.

Besonders am Herzen liegt die Belebung der grossen Industriebrache auch Stadtpräsident Stefan Berger. An einem öffentlichen Informationsabend in der Burgdorfer Baudirektion sagte er: «Das Suttergut Nord soll zur neuen Visitenkarte im Bahnhofquartier werden.»

Berner Zeitung

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