Jetzt entscheiden die Bauern über das zweite Tigers-Eisfeld

Langnau

Peter Jakob will es wissen: Er liess das Baugesuch für das zweite Eisfeld publizieren, obwohl noch überhaupt nicht klar ist, ob die Landwirte dem Abbruch der Markthalle zustimmen werden. Von ihnen hängt jetzt vieles ab.

Unmittelbar im Anschluss an die Ilfishalle soll ein Neubau mit einem zweiten Eisfeld entstehen. Dafür aber müsste die Markthalle weichen.

Unmittelbar im Anschluss an die Ilfishalle soll ein Neubau mit einem zweiten Eisfeld entstehen. Dafür aber müsste die Markthalle weichen.

(Bild: Marcel Bieri)

Es ist zwar schon länger bekannt, dass Peter Jakob neben dem Ilfisstadion in Langnau ein zweites Eisfeld bauen will. Doch als der Verwaltungsratspräsident der SCL Tigers AG, respektive dessen Ilfishalle Sport und Event AG, nun das Baugesuch publizieren liess, schreckten einige auf.

Denn die Grundvoraussetzung für die Erweiterung des Eishockeybetriebs ist noch nicht geklärt. Das zweite Eisfeld kann nur östlich der Ilfishalle gebaut werden, genau dort also, wo die Markthalle steht.

Und diese Halle gehört einem Verband von Landwirten, die darin Schlachtvieh- und Kälbermärkte sowie Auktionen oder Ausstellungen durchführen. Ihr Baurechtsvertrag mit der Gemeinde läuft bis 2055.

Die Meinung geändert

Als das Team um Peter Jakob mit der Planung für das zweite Eisfeld begann, war man sich einig, dass die Eishockeyspieler die ­Kühe nicht vertreiben werden. Im Erdgeschoss wären weiterhin Ausstellungen und Märkte möglich, da der mehrgeschossige Bau auf Stützen stehen wird.

«Für uns wäre das Miteinander nach wie vor absolut praktikabel.»Peter Jakob, Präsident Ilfishalle Sport und Event AG

«Für uns wäre das Miteinander nach wie vor absolut praktikabel», sagt Jakob. Auch die Bauern hatten sich das anfänglich vorstellen können. Doch im Frühling änderten sie ihre Meinung. «Für uns ist klar, dass wir die Halle nicht mit den Tigers zusammen nutzen wollen», bestätigt Hansueli Lüthi, Präsident des Verbands Markthalle Langnau.

«Für uns ist klar, dass wir die Halle nicht mit den Tigers zusammen nutzen wollen.»Hansueli Lüthi, Präsident Verband Markthalle Langnau

Auf die Frage nach dem geplanten Vorgehen seines Verbandes sagt der Landwirt: «Wir sind am Abwarten und hoffen, dass das Baugesuch neue Ideen hervorbringen wird.» Die Bauern verschliessen sich einem Wegzug nicht grundsätzlich. «Wir brauchen einfach Räumlichkeiten, die unseren Bedürfnissen entsprechen», sagt Lüthi.

Bislang liess sich nichts Geeignetes finden, weder im Zeughaus noch in der Reithalle Grossmatt in Signau. Die Suche geht weiter. Seitens der Bauern dürfte sie bisher nicht ­allzu fiebrig ausgefallen sein. «Wir haben mit der Markthalle eine gute Lösung», sagt Lüthi.

Die Gemeinde hilft suchen

Neben Peter Jakobs Crew hofft auch der Gemeinderat, dass sich eine Alternative finden wird, die von den Bauern akzeptiert werden kann. Gerne hätte der Rat «im Sinne einer vertrauensbildenden Massnahme», so Gemeindepräsident Bernhard Antener, von allen drei involvierten Parteien eine Vereinbarung zum konkreten Vorgehen unterzeichnen lassen.

Doch die Bauern hätten verbindlich wissen wollen, wie viel der Verband von der Gemeinde bekomme, wenn er auf das Baurecht verzichte. Der Vorstand hat die Vereinbarung nicht unterzeichnet.

«Aber wir stehen im Kontakt mit ihm und suchen nach einer Lösung», versicherte Antener am Montagabend, als er die Mitglieder des Grossen Gemeinderates informierte.

«Wir stehen mit den Landwirten  in Kontakt und suchen nach einer Lösung.»Bernhard Antener, Gemeindepräsident

Hoffen auf Blitzidee

In einem Punkt stimmen Antener, Jakob und Lüthi vollkommen überein. Sie begrüssen es, dass die Problematik mit der Publikation des Baugesuchs nun öffentlich breit bekannt wird.

Denn sie hoffen, dass sich wiederholt, was seinerzeit vor dem Stadionumbau passierte, als sich plötzlich sowohl für die Curler als auch für die Schwinger ideale ­Lösungen fanden.

Derweil hat die Ilfishalle Sport und Event AG ein zweistufiges Verfahren eingeleitet. Im ersten Schritt hofft sie nun auf die Bewilligung für ihr neues Bauprojekt, das unmittelbar ans bestehende Ilfisstadion anschliessen soll. Es sieht vor, anstelle der Schutzräume unter der Markthalle eine Einstellhalle zu bauen.

Im Erdgeschoss sind ebenfalls Parkplätze geplant. Das Eisfeld im ersten Obergeschoss stünde dann auf Stützen. Vorgesehen sind dort auch weitere Garderoben. Darüber sollen ein Restaurant und eine Tribüne entstehen. Und im Attikageschoss ist nebst Garderoben Raum für das Training neben dem Eis geplant.

Sowohl in Bezug auf die Höhe als auch in Bezug auf den Abstand zur Ilfis ist die Bauherrschaft auf Ausnahmebewilligungen angewiesen. Kommt hinzu, dass das Vorhaben Grundwasser tangiert. Zuerst will Peter Jakob deshalb wissen, ob das Projekt überhaupt bewilligungsfähig ist.

Knacknuss Finanzierung

Im besten Fall, wenn bis 24. Juli keine Einsprachen eingehen, könnte Jakob im September über eine Baubewilligung verfügen. Danach geht es für ihn und seine Leute um die grosse Knacknuss: um die Frage, ob die Mittelbeschaffung für die Investition von 18,67 Millionen Franken gelingen wird. Falls ja und wenn die Bauern bis dahin eine Alternative haben, steht seinen Plänen nichts mehr im Weg.

Doch ohne das Einverständnis der Landwirte «läuft gar nichts», weiss Jakob und betont: «Ich respektiere das Recht der Bauern.» Trotzdem hoffe er, dass das Baugesuch «die Bevölkerung beflügelt» und sich nun eine gute Lösung finden lasse.

Peter Jakobs Ziel ist es, nächstes Jahr mit dem Bau zu beginnen, damit er ein Jahr später bezugsbereit ist. Im August müsse er wissen, ob die Ampel auf Grün stehe, und entscheiden, ob mit der Detailplanung begonnen werden könne.

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