Intact geht mit Schnegg im Takt

Dem SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg gefällt, was die Stiftung Intact in Burgdorf, Kirchberg und Langnau anbietet. Denn es deckt sich mit seinem Ziel, mehr Sozialhilfeempfänger in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Pierre Alain Schneggs Gesundheits- und Fürsorgedirektion hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Mit neuen  Massnahmen will sie erreichen, dass im Kanton künftig weniger Sozialhilfekosten anfallen.

Pierre Alain Schneggs Gesundheits- und Fürsorgedirektion hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Mit neuen Massnahmen will sie erreichen, dass im Kanton künftig weniger Sozialhilfekosten anfallen. Bild: Nicole Philipp

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Letztes Jahr in Burgdorf, dieses Jahr in Langnau. Die Stiftung Intact fand wieder einen Grund, ihren Neujahrsapéro in grösserem Rahmen auszurichten. Nachdem die Gründer 2017 darauf zurückgeblickt hatten, wie sie vor zwanzig Jahren in Burgdorf mit einer bewachten Velo­station angefangen hatten, nutzten sie zehn Jahre Hauslieferdienst in Langnau, um Vertreter aus Wirtschaft, Gewerbe und Politik in die Kupferschmiede einzuladen.

Die Geschäftsleiter Martin Wälti und Theophil Bucher hatten die Gelegenheit aber auch beim Schopf gepackt, um dem neuen Gesundheits- und Für­sorgedirektor des Kantons Bern, Pierre Alain Schnegg (SVP), vor Augen zu führen, wie in der Stiftung gearbeitet wird.

Bei der Führung durch die Betriebe sei im Vordergrund gestanden, dem Regierungsrat «unsere innovative Haltung und die daraus resultierende Win-win-Situation für die Bevölkerung und unsere Partner in der Sozialhilfe aufzuzeigen», sagte Wälti.

Partner des Kantons

Pierre Alain Schnegg zeigte sich in seinem Referat vor den ge­ladenen Gästen denn auch be­eindruckt. Er würdigte die Arbeit der Stiftung Intact mit dem Wortspiel, sie sei intakt und gehe ebenso im Takt mit den heutigen und künftigen Herausforderungen.

«Sie fanden zur richtigen Zeit die richtigen Nischen, um Menschen Arbeit und damit eine Perspektive zu geben.» Seit 2012 arbeitet die Stiftung Intact mit dem Kanton zusammen.

Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion habe sie damals zu ihrem «strategischen Partner» gemacht, indem sie die Stiftung beauftragt habe, alle Angebote im Bereich der Beschäftigungs- und der Arbeitsintegration im Emmental auszurichten und bereitzustellen.

Anreize schaffen

Mit der Grundidee, durch «persönliche Betreuung und gezielte Begleitung» Menschen in schwierigen Situationen die Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, liegen die Emmentaler «genau richtig», wie Schnegg sagte.

«Die Ausübung einer Erwerbstätigkeit soll wirtschaftlich gesehen attraktiver sein als der Bezug von Sozialhilfe.»Regierungsrat
Pierre Alain Schnegg

Mit der Teilre­vision des Sozialhilfegesetzes will der SVP-Regierungsrat ebenfalls solche Anreize schaffen. «Die Ausübung einer Erwerbstätigkeit soll wirtschaftlich gesehen attraktiver sein als der Bezug von Sozialhilfe», sagte er. Und wer Sozialhilfe beziehe, müsse stärker motiviert und besser unterstützt werden, um sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

So habe die Teilrevision des Sozialhilfegesetzes einen direkten Zusammenhang mit den regionalen Partnern wie der Stiftung Intact. Doch damit man im Kanton Bern bei der Arbeitsintegration neue Wege gehen kann, braucht es offensichtlich mehr als die Be­schäftigungsmöglichkeiten, die Intact anbieten kann.

Win-win-win

Schneggs Direktion habe deshalb eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die in Zusammenarbeit mit Vertretern der Wirtschaft darüber diskutiere, wie eine Win-win-win-Situation geschaffen werden könne. Dabei solle der Arbeit­geber gewinnen, indem er schnell verfügbares Personal finde.

Der Kanton würde in einer Anfangsphase Ausbildung und Integration – auch finanziell – unter­stützen. Der Vorteil des Kantons läge darin, dass künftig weniger Sozialhilfekosten anfielen. Für den Arbeitnehmer seinerseits wäre es laut Schnegg ein per­sönlicher Erfolg, wenn er wieder arbeiten könnte und finanziell selbstständig wäre.

Mögliche Anreizsysteme sieht der Gesundheits- und Fürsorgedirektor etwa in einem Personalverleih mit Temporäreinsätzen, Teillohnmodellen (der Kanton würde einen Teil des Gehalts übernehmen), Einarbeitungs- oder Ausbildungszuschüssen sowie in der Schaffung von Praktikumsstellen.

Appell an die Wirtschaft

«Die Arbeiten gehen mit Hochdruck voran, sodass wir schon bald konkrete Vorschläge dis­kutieren können», sagte Schnegg. Dann richtete er das Wort direkt an die in der Kupferschmiede anwesenden Vertreter aus Handel, Industrie und Wirtschaft: «Wir sind bereit, mit Ihnen neue Wege in der Arbeitsintegration zu gehen.»

Er bat sie, über bestehende Grenzen hinweg zu denken und sich die Vorteile bei einer Zusammenarbeit mit dem Kanton vor Augen zu führen. «So zum Beispiel, wenn Sie einen anerkannten Flüchtling in Ihrer Firma aufnehmen, den wir während der Einarbeitungszeit mitfinanzieren, weil wir wissen, dass Sie dafür mehr Zeit aufwenden müssen.»

Oder wenn ein Sozialhilfeempfänger eine 50-Prozent-Stelle bekäme und der Kanton den Rest der Lebenshaltungskosten übernähme.

Auf die Frage, wie ein einzelner Unternehmer aktiv werden könne, sagte Schnegg: «Er kann mit mir Kontakt aufnehmen, wenn er eine gute Idee hat.» Was der SVP-Politiker nicht hören möchte, sind Ausflüchte wie: Es sei leider nicht machbar, neue Stellen zu schaffen.

Schnegg möchte, dass der Kanton nicht länger 45'000 bis 50'000 Menschen finanziell unterstützen muss. Ihm ist zwar bewusst, dass nicht alle in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können.

Aber er ist überzeugt: «Alle zusammen können wir die Situation verbessern. Doch wir müssen es wollen. Wir müssen uns alle bewegen.» Damit meinte er auch die Politik – aber nicht nur. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.01.2018, 15:20 Uhr

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