Erste Erfolge auf der Suche nach altem Geschirr

Langnau

Seit einem Jahr suchen Andreas Heege und Andreas Kistler nach Keramik, die im 18. Jahrhundert in Langnau gefertigt wurde. Für ihr Buchprojekt haben sie bereits erste wertvolle Stücke erhalten.

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Es war im Oktober des vergangenen Jahres, als sich Archäologe Andreas Heege mit einer nicht alltäglichen Bitte an diese Zeitung wandte: Er rief die Leserinnen und Leser dazu auf, sich bei ihm zu melden, falls sie altes Langnauer Geschirr besitzen. Er und sein Kollege Andreas Kistler planen, 2017 zum 550-Jahr-Jubiläum des Langnauer Marktrechts ein Buch über jene Keramik zu veröffentlichen, die zwischen 1700 und 1850 in Langnau entstand.

Von den fünfzig Personen, die sich bei Heege meldeten, konnten jedoch nur gerade fünf respektive deren Geschirr die Augen des Keramikliebhabers zum Leuchten bringen. Dennoch ist der Forscher zufrieden: «Alleine, dass sich so viele Leute meldeten und die Idee unterstützen wollten, werte ich als grossen Erfolg.»

Das meiste Geschirr konnte Heege nicht ins Keramikprojekt aufnehmen, weil es zu jung war. Es stammt aus der Langnauer Hafnerei Adolf Gerber (Töpferei in Langnau von 1911–1951), die es «Alt Langnau» getauft hat. «So dachten zahlreiche Anrufer, dass es sich um alte Langnauer Keramik handle», erklärt Heege. Dem sei aber leider nicht so.

Langnauer Geschirr in vielen Museen

Weshalb ist der gebürtige Deutsche überhaupt so vernarrt in das alte Langnauer Geschirr? «Vor einigen Jahren untersuchte ich mit Andreas Kistler die Keramik von Bäriswil und machte eine Museumstour. Dabei stiess ich auf die Langnauer Keramik, welche die auch sehr schöne Bäriswiler Version noch zu toppen vermochte.» Den beiden fiel auf, dass noch keine zusammenfassende Literatur dazu besteht. In Anbetracht des bevorstehenden Marktrechtjubiläums rechneten sich die Forscher gute Chancen aus, von der Gemeinde Unterstützung zu erhalten – und sie wurden nicht enttäuscht.

«Im 18. Jahrhundert gab es in der Deutschschweiz wahrscheinlich keine bessere Keramik als jene aus Langnau», ergänzt Heege seine Beweggründe. «Ausserdem gibt es in der Schweiz kein grösseres Museum, das nicht über Langnauer Geschirr verfügt. Sogar in Hamburg, Berlin oder London finden sich Stücke davon.»

Schon weit über tausend Funde

Das Buch, das im Herbst 2017 erscheinen soll, erzähle vor allem die Geschichte der Langnauer Keramik zwischen 1700 und 1850, während die späteren Hafner und ihre Produkte aus Platzgründen nur in Form kurzer Hinweise berücksichtigt werden könnten. Bislang seien bereits weit über tausend Stücke aus der Zeit zwischen 1700 und 1850 zum Vorschein gekommen und dokumentiert worden, erzählt Heege. Bis zum Abschluss könnten es wohl mehr als 2000 werden, schätzt der Archäologe.

Hinweise auf wirklich alte Langnauer Keramik aus der Zeit zwischen 1700 und 1850 nimmt Andreas Heege weiterhin entgegen:

roth-heege@bluewin.ch 041 710 30 69 oder 079 702 73 43

Berner Zeitung

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