Immobilien – eine sichere Kapitalanlage?

Im Grossraum Lützelflüh entstehen wohl in den nächsten Jahren rund 110 neue Wohneinheiten. Das ist typisch für die ganze Region. Wie der anhaltende Bauboom einzuschätzen ist, weiss Peter Ritter, Geschäftsführer der Bernerlandbank.

<b>Das Gotthelfdorf</b> wird in den nächsten Jahren wachsen. Wenn alle angedachten Projekte umgesetzt werden, steigt die Bevölkerungszahl um 
rund 200 Personen. Weil hier der Mix aus Miet- und Eigentumswohnungen stimmt, macht sich Bankchef Ritter keine Sorgen.

Das Gotthelfdorf wird in den nächsten Jahren wachsen. Wenn alle angedachten Projekte umgesetzt werden, steigt die Bevölkerungszahl um rund 200 Personen. Weil hier der Mix aus Miet- und Eigentumswohnungen stimmt, macht sich Bankchef Ritter keine Sorgen. Bild: Olaf Nörrenberg

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Kommt an einem Stammtisch zwischen Aromat, Maggie und schäumenden Stangen das Gespräch auf das Geld, dauert es nicht lange, bis einer sagt: «Immobilien. Ein sicherer Wert.»

Und was am Stammtisch besprochen wird, findet ja bekanntlich immer seinen Niederschlag im Alltag. Ein Blick in die Region zeigt es: Seit Jahren wird gebaut wie verrückt. Das Regierungsstatthalteramt wagt auf Anfrage sogar den Ausdruck «Wohnungsboom».

Rentable Anlagen

Zwei Gründe sind es offenkundig, die die Bautätigkeiten ankurbeln. Zum einen ist da das Raumplanungsgesetz, das Verdichtung vorsieht, weshalb in den Gemeinden derzeit alles verbaut wird, was man noch darf.

Zum andern sind die Zinsen immer noch so tief, dass keine andere Anlage mehr richtig zu rentieren scheint, ausser eben Immobilien. Das heisst: Günstiges, aber auch weniger günstiges Bauland geht heute weg wie warme Weggli.

Im Grossraum Lützelflüh etwa könnten laut der Bauverwaltung in den nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 110 Wohneinheiten entstehen. Die Spannweite reicht da von Ein- bis zu Mehrfamilienhäusern mit bis zu zehn und mehr Wohnungen.

«Entscheidend ist nicht unbedingt, dass gebaut wird, sondern, weshalb.»Peter Ritter

Ein gesunder Mix aus Miet- und Eigentumsobjekten. Laut Lützelflühs Bauverwalter Florian Mathys ist, wenn denn alle Projekte realisiert werden, in den nächsten Jahren ein Anstieg der Wohnbevölkerung von rund 200 Personen möglich.

Zu viele Leerwohungen

Was in Lützelflüh passiert, ist typisch für die gesamte Region. Auch Peter Ritter, Geschäftsführer der Bernerlandbank, sagt: «Es gibt einen Bauboom. Und wir machen uns unsere Gedanken dazu.» Entscheidend sei jedoch nicht unbedingt, dass gebaut werde, sondern, weshalb: als Kapitalanlage oder zur Selbstnutzung. Bei Letzterem macht sich Ritter keine grossen Sorgen.

Es werde zwar auch in diesem Bereich eher viel gebaut. Die Leute gingen aber weniger Risiken ein. «Wenn es um Eigentum geht», sagt Ritter, «sind die Leute rational.» Wenn der Hypothekarzins plötzlich steigen würde, könnte das noch eher, etwa indem man den Gürtel etwas enger schnalle, aufgefangen werden.

Als überhitzt bezeichnet Ritter jedoch den Markt mit Immobilien als Kapitalanlage, wie etwa Mehrfamilienhäuser. Er verweist auf mehrere Statistiken, die aufzeigen, dass es schon heute zu viele Mietwohnungen und deutlich zu wenige potenzielle Mieter gibt.

Und die Tendenz ist weiter sinkend, weil heute eben, wer kann, eher kauft, als mietet – wiederum wegen der tiefen Zinsen. «Schweizweit haben die Regionen Emmental und Oberaargau die höchsten Leerstände an Mietwohnungen», sagt der Bankchef.

Andere Geldgeber

Die Spieler in diesem Markt sind laut Ritter zum einen institutionelle Gebilde wie Pensionskassen und Versicherungen. Die könnten sich erlauben, ein nicht rentables Mehrfamilienhaus nach ein paar Jahren mit einem Verlust von 30 Prozent wieder abzustossen. Für eine Privatperson sei eine solche Investition jedoch viel risikoreicher. Denn nicht nur könne es über Jahre an Mieteinnahmen fehlen.

Eine Immobilie koste auch immer Unterhalt. Und wenn die Belehnung hoch sei und plötzlich die Zinsen wieder anstiegen, könne das fatale Auswirkungen auf die Rendite haben, und die Hoffnung auf einen Verkaufsgewinn könnte sich schnell in Luft auflösen. «Immobilienanlagen», sagt Ritter, «schwanken in ähnlichem Masse wie Aktien. Nur in einem längeren Horizont.»

Ritter sieht deshalb vor allem die Banken in der Verantwortung, dass sich keine Immobilienblase bildet. Bei der Finanzierung von Mehrfamilienhäusern komme es bei der Bernerlandbank darum manchmal zu unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der Liegenschaftswerte und damit natürlich auch der möglichen Hypothekarbelehnung. So werde oft auf andere Geldgeber ausgewichen. «Die Situation ist deshalb derzeit heikel.»

Die Lage ist entscheidend

Ob Mehr- oder Einfamilienhaus, ob hohe oder tiefe Zinsen, der wichtigste Faktor bei Immobilien aber ist und bliebt die Lage. Ob jemand in eine Gemeinde ziehe, hänge heute vor allem davon ab, wie gut sie an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen sei, sagt Peter Ritter.

Die Distanz zur nächsten Stadt habe deshalb auch direkten Einfluss auf die Baulandpreise. «Da gibt es bereits zwischen Hasle, Lützelflüh und Sumiswald Unterschiede.»

Noch andere Voraussetzungen spielen heute eine entscheidendere Rolle als früher. So ist es laut Ritter etwa wichtiger geworden, dass es in der Gemeinde eine externe Kinderbetreuung gibt und eine gute Schulinfrastruktur vorhanden ist, als etwa, ob es in der Nähe noch Einkaufsmöglichkeiten hat. Denn: «Für den Konsum», sagt Ritter, «gibt es heute etliche Alternativen.»

Es gibt aber auch Bedürfnisse, die sich nicht verändert haben. Nämlich jene nach der Lebensqualität. Ritter spricht von einem sozialen Umfeld in einer Gemeinde und meint etwa ein Vereinsleben, Sport und Kultur.

Und vielleicht denkt er da auch an einen Stammtisch, wo man nach Feierabend bei schäumendem Bier über Geld und Immobilien sprechen kann. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.05.2018, 17:16 Uhr

«Immobilienanlagen schwanken in ähnlichem Masse wie Aktien. Nur in einem längeren Horizont.» Peter Ritter, Geschäftsführer Bernerlandbank.

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