«Jammern bringt uns nicht weiter»

Burgdorf

Johannes Hofstetter hat beim Altstadtleist das Zepter übernommen. Als Nachfolger von Stefan Berger hält er zwar an bewährten Aktionen fest, mit Akzenten will er aber das Image der Altstadt verbessern.

Johannes Hofstetter ist neuer Präsident des Altstadtleists.

Johannes Hofstetter ist neuer Präsident des Altstadtleists.

(Bild: Andreas Marbot)

Urs Egli

Herr Hofstetter, warum wollten Sie Präsident des Altstadtleists werden?Johannes Hofstetter: Weil ich die Stadt Burgdorf und im Speziellen die Altstadt sehr sehr gerne habe. Dieses Quartier liegt mir am Herzen, seit ich es das erste Mal besucht habe. Ich bin überzeugt, dass man auf diesem Fleckchen Erde nicht nur leben und von seinen Vorteilen profitieren soll, sondern ihm und den in ihm lebenden Menschen etwas zurückgeben muss.

Was wird sich unter Ihrem Präsidium ändern? Ich möchte vor allem die Kommunikation innerhalb des Leists und gegen aussen verbessern. Die Mitglieder sollen direkter eingebunden werden in das, was wir machen, denken und planen. Letzte Woche ist der neu gestaltete Newsletter erschienen, und auf Facebook werden wir mehr Aktivitäten entwickeln. Ebenso werde ich regelmässig bei den Geschäften vorbeigehen und fragen, wie es läuft. Und: Auch wer nicht in der Oberstadt oder im Kornhausquartier wohnt, soll wissen, dass sich hier etwas bewegt.

Seit sieben Jahren leben Sie in der Oberstadt. Fühlen Sie sich von den Quartierbewohnern akzeptiert? Dass die Mitglieder des Altstadtleists einen fremden «Fötzel» oder, etwas eleganter formuliert, einen Neuzuzüger zu ihrem Präsidenten gewählt haben, ist alles andere als selbstverständlich. Ich werte das als gutes Zeichen für die Offenheit der Altstadtbewohnerinnen und -bewohner.

Als ein Teil des Vereinszwecks ist definiert: «Das Ziel ist eine sympathische kleine Altstadt mit lokaler wie regionaler Bedeutung und Ausstrahlung, welche gut erhalten und betrieben ist.» Dieses Ziel ist doch bereits heute mit Blick auf die vielen Aktivitäten weitgehend erfüllt. Braucht es da den Altstadtleist noch? Ohne diese Vereinigung würde sicher nicht alles zusammenbrechen, aber das Erreichte kann nur Bestand haben, wenn die Organisation hin und wieder einen ­Akzent setzt. Der Leist ist das ­verbindende Element zwischen Bewohnern, Geschäftsleuten, Kulturschaffenden und der Stadt. Darum hat er nicht nur seine Daseinsberechtigung, es braucht ihn.

Wie nah sind sich der Altstadtleist und die Bevölkerung? Aus den Reihen der rund 160 Mitglieder werden immer wieder Ideen eingebracht. Ich wünschte mir aber auch Kritik, damit wir Fehler erkennen und ausmerzen können.

Sie haben sich vorgenommen, den Kitt unter den Menschen in der Oberstadt und im Kornhausquartier weiter zu stärken. Wie kann dieses Ziel erreicht werden? Ein Projekt, das für Ende Jahr geplant ist, ist die Adventsaktion. Wir wollen Geschäfte dazu animieren, dass sie zwischen dem 1. und 25. Dezember an einem Tag ihre Türen für die Bevölkerung öffnen und zeigen, was bei ihnen gemacht oder produziert wird. Die Idee ist, dass man ins Gespräch kommt und Blicke hinter Kulissen werfen darf, die einem sonst verwehrt sind.

Etwas konkreter bitte. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass das Stadthaus die Türe zur Küche öffnet und Küchenchef Christian Bolliger zeigt, wie man an Weihnachten einen Dreigänger kocht. Erste Betriebe haben ihr Mitmachen bereits signalisiert, wirklich fix ist aber noch nichts.

Nicht alles muss neu erfunden werden. Die sogenannten langen Tische zum Beispiel funktionieren. Genau. Zweimal pro Jahr gibt es die «Open Tables» in der Schmiedengasse und im Kornhausquartier, wo verschiedenste Leute miteinander am Tisch sitzen, diskutieren, essen und sich austauschen. Mir geht es allerdings nicht darum, jemandem etwas aufzuzwingen, oder dass möglichst viele Leute Brüderschaft trinken. Vielmehr soll erreicht werden, dass man sich ein bisschen besser kennen lernt und auf der Strasse nachher nicht mehr wortlos aneinander vorbeigeht. Es geht um die Entwicklung eines natürlichen Zusammenhalts. Des Gefühls, dass letztlich alle ein Stück weit füreinander da sein sollten. Oder füreinander da sein dürfen.

Die Oberstadt hat in den letzten Jahrzehnten einen wirtschaftlichen Niedergang erlebt. Sehen Sie Möglichkeiten für eine Kurskorrektur? Ich habe keine Vision, wie man jeden Tag 5000 Leute in die Altstadt bringt, die konsumieren und einkaufen. Ganz sicher werde ich aber nicht ständig den alten Zeiten nachtrauern und sagen, wie schön es doch damals war, als in der Altstadt noch das Gewerbe blühte.

Sondern? Wir müssen auf den Tatsachen aufbauen, die wir heute haben. Nach wie vor gibt es in der Altstadt etwa zwei Dutzend Fachgeschäfte sowie Ateliers, Architekturbüros, Anwaltskanzleien und Läden. Das Gejammer darüber, wie schön und gut damals alles gewesen war, bringt uns nicht weiter.

Was bringt denn die Altstadt weiter? Ein Ziel des Altstadtleists ist es, dass es auch wirtschaftlich möglichst wieder aufwärtsgeht. Sicher werde ich mit Grossverteilern zusammenkommen und ihnen zum Beispiel sagen, dass die ehemaligen Räume der UBS leer stehen. Der Vorstand, unsere Mitglieder und ich werden jede Chance nutzen, neue Betriebe in der Oberstadt anzusiedeln.

Bräuchte es nicht dringend eine Imagekorrektur? Doch, unbedingt. Wenn man in der Oberstadt immer wieder sagt, «bei uns ist nichts mehr los, dies und jenes ist nicht gut und funktioniert nicht», strahlt das irgendwann auf die ganze Stadt aus. Dann braucht man sich aber nicht darüber zu wundern, wenn die Leute die Altstadt links liegen lassen. Wenn Besuchern bereits am Bahnhof gesagt wird, dass die Oberstadt ein Bijou ist, mit schönen Häusern, netten Beizen und flotten Leuten, wird sicher der eine oder andere den Weg Richtung Schloss unter die Füsse nehmen oder mit dem Ortsbus hochfahren.

Haben Sie sich ein Ziel gesetzt, das Sie als Altstadtleistpräsident erreichen wollen? Mein Vorgänger Stefan Berger ist Stadtpräsident geworden. Mein Vorvorgänger Francesco Rappa wollte Stadtpräsident werden und ist jetzt immerhin Gemeinderat. Elisabeth Zäch, die einmal dem Vorstand des Altstadtleists angehört hatte, war bis Ende letzten Jahres Stadtpräsidentin – aber Stapi will ich trotzdem nicht werden. Ich habe auch sonst keine politischen Ambitionen. Ich bin glücklich, wenn ich dazu beitragen kann, dass es den Leuten in der Altstadt wohl ist, dass sie gerne hier leben oder arbeiten, dass Besucher gerne in die Oberstadt oder ins Kornhausquartier kommen und die freundliche Ambiance in den Gassen spüren. Wenn ich hinter all das ein Häkchen machen kann, habe ich mein Ziel erreicht.

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